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«Die Schweiz ist reich geworden durch Schwarzgeld»

Aktualisiert am 16.10.2011 142 Kommentare

Im ersten Interview als interimistischer UBS-Chef äussert sich Sergio Ermotti zu seinen fünf Prioritäten, zur Kritik an seinen Panama-Mandaten und zum Thema «Doppelmoral».

«In Zukunft wird sich das ändern»: Sergio Ermotti, UBS-Chef ad interim.(Archivbild vom 2. Juli 2009).

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Für ihn sei die Ernennung «sehr plötzlich gekommen», sagt Sergio Ermotti im Gespräch mit dem «Sonntagsblick». Der gebürtige Tessiner ist am 24. September vom UBS-Verwaltungsrat zum interministischen Chef berufen worden, nachdem Grübel das Handtuch geworfen hatte. «Plan A war, dass Grübel mindestens einige Monate weitermacht. Der Verwaltungsrat hat noch in Singapur versucht, ihn zu überzeugen. Aber es liess sich nichts machen. Also kam Plan B zum Zug. Ein Teil von Plan B war ich», sagt Ermotti.

Er habe zwei Bedingungen gestellt: «Erstens wollte ich auch als CEO ad interim die Kompetenzen für alle Entscheidungen eines CEO. Zweitens: Wir halten daran fest, am 17. November unseren Investorentag durchzuführen und dort unsere neue Strategie vorzustellen.» Die Bank habe sich in Singapur in einer Notsituation befunden. «Da habe ich gesagt: Ja, ich mache es. Ich wollte die Verantwortung übernehmen. Die Lohnfrage war da nicht das Wichtigste.»

Ermottis Prioritäten

Fünf Prioritäten habe er nach seinem Antritt kommuniziert, so Ermotti weiter: «Erstens muss die Bank im Tagesgeschäft unter meiner Führung weiter funktionieren. Zweitens: Die interne Untersuchung zu diesem Unfall in London muss zum Abschluss gebracht werden. Wir müssen rasch anpacken, was verbessert werden muss.

Drittens: Unsere Organisation und die wichtigen Geschäftsprozesse in der Bank werden überprüft im Hinblick auf ihre Effizienz und ihre Effektivität. Wir müssen auch gegenüber jenen Geschäften selbstkritisch sein, die gut laufen. Viertens: Die Finalisierung unserer strategischen Pläne, die wir am Investorentag am 17. November erklären werden. Die fünfte Priorität ist die Kommunikation mit Kunden, Investoren, Regulatoren und vor allem mit unseren Mitarbeitern.»

Mitarbeiter: «Viele sind müde»

Die Schweizer Mitarbeiter hätten auf den Unfall in London besonders stark reagiert. «Viele sind müde. Sie kämpfen seit fast drei Jahren und haben gehofft, dass es endlich ruhiger wird. Aber es ist nicht ruhiger geworden.»

Am Investmentbanking hält Ermotti fest: «40 Prozent aller bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) angelegten Vermögen gehören Kunden, die 50 Millionen Franken oder mehr besitzen. Diese Kunden nehmen Produkte und Dienstleistungen der Investmentbank in Anspruch, zum Beispiel Aktienanalysen oder Beratung bei Firmenübernahmen.»

Die Gefahr des Investmentbanking

Die riesigen Subprime-Verluste oder auch ein Unfall wie der in London könnten aber sowohl das UBS-Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung, gefährden – «als auch die Schweiz als Land.» Deshalb dürfe so etwas «wirklich nie mehr passieren». Was in den letzten vier Jahren passiert sei, sei «nicht akzeptabel», so Ermotti. «Wir müssen uns überlegen, was wir daraus lernen können. Aber wir müssen doch auch nach vorne schauen!»

Die UBS habe alles, was es braucht, um es wieder an die Spitze zu schaffen. Auf die bevorstehenden Wahlen angesprochen sagt Ermotti, dass er keine Partei wähle. Er wähle Personen, nicht Parteien. «Was ich definitiv nicht mag und nicht wähle, sind Politiker, die nur ihre Ideologie vertreten.»

«Panama keine akzeptable Adresse mehr»

Auch zu seinen Panama-Mandaten, die gleich nach seiner Ernennung für Schlagzeilen gesorgt hatten, äussert sich Ermotti im «SonntagsBlick»-Interview ausführlich. «Steuerlich war alles sauber deklariert. Aber auch mir war klar, dass Panama keine akzeptable Adresse mehr war. Zudem war die Struktur zu kompliziert. Mit einer reinen Schweizer Struktur fallen sogar weniger Steuern an.»

Im Nachhinein müsse er eingestehen, dass er schon früher von den Mandaten hätte zurücktreten müssen. «Aber ehrlich gesagt, ich hatte die Zeit gar nicht. Das ging alles so schnell. Ich kam am Samstag als CEO zurück. Und bereits am Dienstag wurde diese Panama-Verbindung in den Medien kritisiert. Was mich gestört hat, ist dass meine Integrität in Frage gestellt wurde. Man hat das Vorurteil bedient: Ermotti, Tessin, Panama, Schwarzgeld.»

Ermotti kritisiert «eine gewisse Doppelmoral»: «Die Schweiz ist reich geworden durch Schwarzgeld. Wenn wir überall einen Schwarzen Peter verteilen würden, wo unversteuertes Geld drin ist, wäre die ganze Bahnhofstrasse voll von Schwarzen Petern. In Zukunft wird sich das ändern.» (rub)

Erstellt: 16.10.2011, 12:13 Uhr

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142 Kommentare

Urs Holzapfel

16.10.2011, 15:52 Uhr
Melden 62 Empfehlung

"Die Schweiz ist reich geworden durch Schwarzgeld".Gottseidank kommt diese Wahrheit aus dem Munde eines Schweizers! Antworten


Roberto Moro

16.10.2011, 16:32 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Endlich gibt's einer zu. Vom Armenhaus Europas zur reichen Nation ab dem ersten Weltkrieg dank dem steten (Schwarz-) Geldstrom in die CH-Banken, die ihrerseits dadurch günstigste Kredite der aufkommenden Industrie zur Verfügung stellen konnten. Der Werkplatz Schweiz wurde, behaupte ich mal, zu grossen Teilen billig kapitalisiert mit Schwarzgeld. Antworten



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