Wirtschaft
Die Post will viele Briefkästen nur noch morgens leeren
Von Gieri Cavelty, Bern. Aktualisiert am 24.03.2009 6 Kommentare
Marc Furrer fürchtet um den Service public. Der Chef der Postregulationsbehörde (PostReg) sagt: «Es besteht die Gefahr, dass bei der Post zusehends betriebliche Abläufe das Angebot bestimmen und nicht mehr die Kundenbedürfnisse.»
Unmittelbarer Anlass seiner Klage ist der schleichende Abbau bei Dienstleistungen in den Schweizer Städten. Diese Ausdünnungswelle hat jüngst Bern erreicht: Im Verlauf des letzten Jahres wurde in der Bundesstadt jeder sechste Briefkasten entfernt. Und von den noch bestehenden 240 Kästen wird neuerdings die Hälfte ausschliesslich am Vormittag geleert. Im Klartext: A-Post, die nach zehn Uhr morgens in einem Berner Wohnquartier eingeworfen wird, erreicht den Adressaten erst am übernächsten Tag.
Furrer redet der Post seit Monaten zu
Die Post argumentiert in der Tat rein betriebswirtschaftlich: «Die Frühleerung können die Pöstler gleich am Morgen auf ihrer Tour besorgen», erklärt Sprecher Richard Pfister. «Für Nachmittagsleerungen sind dagegen Extrafahrten nötig. In vielen Quartier-Briefeinwürfen hat es aber nur sehr wenige Briefe, sodass sich Extrafahrten nicht lohnen.» Für Postregulator Furrer greift diese Argumentation zu kurz. Und sie könnte in seinen Augen zum Eigengoal werden: Der gelbe Riese dürfe sich nicht wundern, wenn ihm die Politik am Ende strengere Auflagen beim Service public mache.
Die PostReg selbst hat keinen solchen Hebel; die Behörde kann einzig auf die Missstände hinweisen. Furrer hat dies seit seinem Amtsantritt Anfang 2008 im Gespräch mit den Verantwortlichen des Unternehmens ein paar Mal versucht. Allem Anschein nach hat man ihm dabei jedoch zu wenig Gehör geschenkt. Jetzt setzt der Regulator auf die neue Führungscrew: Im April wird Michael Kunz die Nachfolge von Ulrich Gygi als CEO der Post antreten, Claude Béglé ersetzt Anton Menth an der Spitze des Verwaltungsrates. «Meine Prognose ist, dass sowohl Kunz wie Béglé für die Anliegen des Service public zu sensibilisieren sind», meint Furrer.
Uvek hält sich den Spielraum offen
Klar ist auf alle Fälle, dass die neuen Chefs nicht die gleiche Rückendeckung in dem für die Post zuständigen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) geniessen wie ihre Vorgänger. Uvek-Generalsekretär Hans Werder ist ein alter Studienfreund Gygis und konnte diesem dem Vernehmen nach selten einen Wunsch ausschlagen. Vor diesem Hintergrund ist nicht auszuschliessen, dass der Bund als Eigner der Post vermehrt auf das Erbringen des Service public pochen wird.
Gestern liess sich das Departement von Moritz Leuenberger alle Möglichkeiten offen. Auf Anfrage gab ein Sprecher bekannt, das Uvek prüfe derzeit, ob die veränderten Leerungszeiten den Vorgaben des Bundes entsprechen. Zugleich wies er darauf hin, dass die Post eigenwirtschaftlich und effizient arbeiten solle. «Dass die Post in Zeiten stetig schrumpfender Briefmengen bei den Briefkastenleerungen Potenzial sieht, um diesen Auftrag zu erfüllen, ist verständlich», so der Sprecher.
Eigenwirtschaftlich arbeitet die Post heute zweifelsohne. Und mehr als das: Morgen Vormittag wird der Konzern an seiner Bilanzmedienkonferenz fürs vergangene Jahr einen Gewinn von rund 800 Millionen Franken bekannt geben. Von einer wachsenden Sensibilität für den Service public war bei der Post gestern trotzdem nichts zu spüren. Sprecher Richard Pfister erklärte: «Insgesamt stammen nur etwa 15 Prozent aller Briefe von Privatkunden – und von diesen 15 Prozent kommt der Grossteil nicht über die Briefkästen in den Aussenquartieren zu uns herein.» Bei den jetzt in Bern getroffenen Massnahmen sei es lediglich darum gegangen, die bisherige «exzessive Leerungspraxis» zu korrigieren. «Mit einem Abbau des Service public hat das nichts zu tun.»
Übrigens: Die nächste Verschlechterung für den Privatkunden steht für den 1. April an. Ab diesem Datum kann ein Privatkunde ein Couvert, das zwischen zwei und fünf Zentimeter dick ist, nicht mehr als Brief verschicken. Eine solche Sendung gilt für den Privatkunden künftig als Paket – das Porto kostet vier Franken mehr. Für Geschäftskunden dagegen gilt diese Neuerung nicht: Der Brief bleibt für sie weiterhin ein Brief und wird nicht plötzlich zum Paket. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.03.2009, 06:18 Uhr
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6 Kommentare
Die Postleistungen werden immer schlechter, die Preise immer höher und die Gehälter der SIII-IIII--OOO's steigen munter weiter, man orientiert sich ja an den Bankern und Vasella - und so werden die Stärken der Schweiz nach halbverdauten und falsch angewendeten betriebswirtschaftlichen Regeln in den Grund gefahren. Es wird Korrekturen geben müssen. Antworten
Dicke Post! Mir ist schleierhaft, wie ein betriebswirtschaftlich denkendes unternehmen kurz vor dem verlust des Monopols so kurzsichtig agieren kann und den Service am Kunden abbaut. Ausser, man will die kleinen unrentablen Privatkunden zur Konkurrenz hin vergraulen und nur noch rentable Gechäfte machen. Wahrscheinlich haben Gygi/Kunz die rechnung aber ohne uns alle gemacht. Deshalb: Wehrt euch! Antworten
Die Postleistungen werden immer schlechter, die Preise immer höher und die Gehälter der SIII-IIII--OOO's steigen munter weiter, man orientiert sich ja an den Bankern und Vasella - und so werden die Stärken der Schweiz nach halbverdauten und falsch angewendeten betriebswirtschaftlichen Regeln in den Grund gefahren. Es wird Korrekturen geben müssen. Antworten
Wir können telefonieren, mailen,faxen, das reicht schon mal für eine Menge Infomationen, die"verschoben" werden müssen.Was hat die Post für für 1 Wertesystem ? Centimeter sind Centimeter, Kunde ist Kunde, basta.1Erneuter Flopp wie die sog. A-/ B-Post ? Es werden widerum Probleme kreiert die keine sind,um möglichst viele Maschinen + Menschen mit unnützer stumpfsinniger Arbeit zu beschäftigen. Antworten








Ronnie König
Der Staat scheint zuvergessen wofür es ihn eigentlich gibt und braucht. Antworten