Die Nationalbank wird die UBS-Risiken nicht so bald los

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 16.09.2009

Wegen ihrer weiterhin labilen Lage kann die UBS ihre Schrottpapiere nicht von der Nationalbank zurückkaufen. Diese hat mit der Grossbank nach wie vor ein Klumpenrisiko von 23,5 Milliarden Dollar.

Die Finma ist gegen den Ausstieg der SNB bei der UBS: Finma-Chef Haltiner, UBS-CEO Grübel, SNB-Präsident Roth

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Bild: Keystone

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UBS weiter gefährdet

Die verbleibenden Gefahren, die Finma-Chef Eugen Haltiner für die UBS anspricht, könnten angesichts der gestiegenen Zuversicht für die Konjunktur und speziell für den Finanzsektor überraschen. Für Ökonomen ist die Einschätzung dagegen nachvollziehbar. Gestern hat selbst der Chefökonom der UBS, Andreas Höfert, in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» in diese Richtung argumentiert. «Wir vertun uns, wenn wir glauben, dass die Krise bereits hinter uns liegt» sagte er dort. Die Auslastung der Kapazitäten sei «extrem niedrig» und nach wie vor fehle «komplett» die Endnachfrage der Konsumenten. Wenn diese nicht bis zum Jahresende mehr Leben zeige, bestehe die Gefahr, «dass wir im nächsten Jahr in eine konjunkturelle Delle zurückfallen. Mit der Konsequenz, dass die Banken erneut Kredite abschreiben müssten, weil Unternehmen und Haushalte ihre Verpflichtungen nicht mehr bedienen können.»

Schon ohne ein wieder schwierigeres Umfeld bleibt die Lage der UBS labil. Aller Voraussicht nach wird sie im laufenden Jahr keine Gewinne schreiben. Selbst der Nettogeldabfluss wird weiter anhalten, wie eben erst Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger eingestehen musste. Analysten der Citigroup nehmen sogar an, dass sich hier vor 2011 kein Gegentrend zeigen werde. Schliesslich hat die Bank nach wie vor Milliarden an Risikopapieren in den Büchern. Kommt dazu, dass selbst die erfolgreichen Banken nur von Sonderentwicklungen im ersten Halbjahr profitieren konnten, die sich so nicht wiederholen werden: Unternehmen haben auf den Kapitalmärkten in rekordträchtigem Ausmass Geld aufgenommen und die Börsen haben weltweit einen starken Aufschwung erlebt. Beides hat die Gewinne vor allem der Investmentbanken explodieren lassen. Zudem konnten die Finanzinstitute das billige Geld der Notenbanken zu hohen Zinsen bei den Kreditnehmern platzieren.

Nach dem Ausstieg des Bundes bei der UBS wurde noch vor kurzem intensiv debattiert, ob auch die Nationalbank ihr indirektes Engagement bei der grössten Schweizer Bank bald beenden wird. Für das Image der UBS wäre es daher zweifellos von Vorteil, sie würde auch diese faktische Staatskrücke los.

Doch daraus wird mindestens bis ins nächste Jahr nichts. Das hat Eugen Haltiner, Chef der Schweizer Bankenaufsicht Finma in der Sendung «Eco» des Schweizer Fernsehens unmissverständlich klar gemacht: «Zurzeit kommt das nicht in Frage», sagte er auf die Frage von Moderator Reto Lipp nach einem baldigen Ausstieg. Haltiner begründet das mit der Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung auf den Finanzmärkten und der Wirtschaft: «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die massiven Erschütterungen, die wir erlebt haben, auch noch ein Nachbeben bewirken», sagte er wörtlich. Ein solches könne zum Beispiel in einem erneuten Rückfall in die Rezession bestehen. Erst wenn sich der «Grund unter den Füssen» wieder als tragfähig genug erweise, können ein solcher Schritt «verantwortet» werden.

Zahlensalat beim SNB-Engagement

Für viel Aufsehen hat vor kurzem der Ausstieg des Bundes bei der UBS gesorgt. Doch im Vergleich zu den 23,5 Milliarden Dollar, die die Nationalbank nach wie vor für ihre Rettungsaktion der UBS riskiert, nahm sich temporäre Einschuss des Bundes von 6 Milliarden Franken ohnehin gering aus. Die Zahlen zum konkreten Engagement der Nationalbank und zum so genannten «Stabfund», in den die UBS ihre Schrottpapiere auslagern konnte, sind auf den ersten Blick verwirrend. Das liegt daran, dass sie sich im Laufe der Zeit geändert haben.

Im Oktober vor einem Jahr wurde festgelegt, dass die UBS maximal 60 Milliarden Dollar an Schrottpapieren an die Zweckgesellschaft «Stabfund» einbringt. Seit dessen Gründung steht dieser unter der Leitung der SNB. Die darin enthaltenen Anlagen werden aber von der UBS unter Aufsicht eines SNB-Gremiums verwaltet. Die Grossbank musste 10 Prozent der Summe als Eigenkapital einbringen und den Betrag dann sofort abtreten. Das entsprach im Maximum genau den 6 Milliarden Dollar, die der Bund der Bank dafür zur Verfügung gestellt hat

Die übrigen 90 Prozent (ursprünglich geplant: 54 Milliarden Dollar) hat die Nationalbank dem Fonds als nicht rückzahlbares Darlehen zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, dass ein deutlicher Wertverlust über den Eigenkapitalbeitrag hinaus zu Lasten der Nationalbank geht. Der Zins für das Darlehen entspricht dem kurzfristigen Interbankensatz (dem so genannten Dreimonats-Libor) plus ein Zuschlag von 2,5 Prozent. Aktuell sind das 2,8 Prozent.

Die UBS kann das Eigenkapital und damit die Kontrolle über den «Stabfund» wieder zurückkaufen, wenn das Darlehen an die Nationalbank vollständig zurückbezahlt ist. Der Preis für den Fonds beträgt dann eine Milliarde Dollar plus die Hälfte des Werts, um den die Anlagen im Fonds diesen Betrag übersteigen. Damit wird der UBS die Möglichkeit eingeräumt, von einer überraschend starken Wertzunahme ihrer Schrottpapiere in Zukunft doch noch profitieren zu können.

Restrisiko bei 23,5 Milliarden Dollar

Im Februar wurde dann festgelegt, dass der Stabfund statt für 60 Milliarden, «nur» im Umfang von 39,1 Milliarden Dollar Schrottpapiere übernehmen soll. Einen Teil der Risikoanlagen, die die UBS anfänglich ebenfalls abtreten wollte, hat sie in ihren Büchern behalten. Sie bilden dort laut dem letzten UBS-Quartalsbericht noch immer den grössten Risikoposten der Bank.

Nach abgeschlossener Übertragung all der vereinbarten Anlagen im April belief sich deren Wert und damit die Gesamtsumme im Stabfund auf 38,7 Milliarden Dollar. Die UBS hatte damit 3,87 Milliarden Dollar an Eigenkapital abzugeben, das Darlehen der SNB und damit deren Risiko belief sich auf 34,8 Milliarden Dollar.

Gemäss den letzten Zahlen der Nationalbank hatte ihr Darlehen Ende Juni noch einen Wert von 23,5 Milliarden Dollar. Der kumulierte Verlust auf den Papieren belief sich bis dahin auf 4,5 Milliarden Dollar. Damit übersteigt dieser die Eigenkapitaleinlage der UBS um 628 Millionen Dollar. Trotzdem hat die Nationalbank selbst noch keinen Verlust erlitten, denn im Vertrag zur Bildung des Stabfunds hat sie eine Absicherung eingebaut, die ihr jetzt zugute kommt: Bei einer Schrumpfung des Eigenkapitals des Funds erhält die Nationalbank eine Option auf 100 Millionen UBS-Aktien. Deren aktuellen Wert hat die SNB zwar nicht ausgewiesen. Immerhin hat sie mitgeteilt, dass der Wert der Option den ansonsten auf dem Darlehen erlittenen Verlust von 628 Millionen Dollar vollständig decke. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2009, 14:44 Uhr

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