Die Griechen und das Schweizer Geld
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 28.04.2010 57 Kommentare
«Ampeln auf dunkelrot»
Die Zürcher Kantonalbank vergibt neue Kredite an griechische Finanzinstitute laut ihrem Sprecher Urs Ackermann gegenwärtig «nur noch gegen erstklassige Sicherheiten». Im Interbankengeschäft mit Griechenland, erklärte Ackermann, «stehen die Ampeln auf dunkelrot». (rm)
UBS und Credit Suisse mochten sich zur Frage neuer Kreditvergaben an griechische Adressen offiziell nicht äussern. Aus einer der beiden Grossbanken hiess es, die Kreditwürdigkeit eines Kunden hänge nicht nur von dessen Domizil ab. Bei griechischen Schuldnern hätten sich einzelne Parameter sicherlich verändert. Dementsprechend würden die Kreditkonditionen angepasst.
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Auch nachdem die Athener Regierung um milliardenschwere Finanzhilfen gebeten hat, halten die Märkte eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden mit teilweisem Zahlungsausfall für immer wahrscheinlicher. Davon zeugen die stetig steigenden Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen: Die Rendite für zehnjährige Titel legte am Dienstag auf gegen 10 Prozent zu, womit sich die Zinsdifferenz zu deutschen Anleihen auf 6,8 Prozentpunkte ausweitete. Damit stellt sich die Frage: Wie hoch sind die ausstehenden Forderungen von Schweizer Gläubigern in Griechenland, und wie stark wären sie demzufolge von einer allfälligen Umschuldung betroffen?
Überschaubare Summen
Was die Banken betrifft, so darf Entwarnung gegeben werden. Mit konkreten Zahlen wollen sie nicht herausrücken, dafür hat Bundesrat Hans-Rudolf Merz in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im März den Schleier gelüftet: Die Grossbanken UBS und Credit Suisse hätten Ende September 2009 Forderungen von 1,9 Milliarden Dollar gegenüber dem griechischen Staat gehabt. Im Jargon beider Banken heisst es, man habe gegenüber Griechenland «keine materiellen Ausstände». Auch die Zürcher Kantonalbank hat laut Sprecher Urs Ackermann in einem «ganz unbedeutenden Rahmen» griechische Kredite ausstehend.
Als grosse Investoren könnten unter Umständen die Pensionskassen von Abschreibungen auf griechischen Anlagen betroffen sein. Doch Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbandes ASIP, winkt ab. Dabei macht er folgende Rechnung auf:
Den von den Pensionskassen gehaltene Anteil von ausländischen Anleihen in Fremdwährung am Gesamtvermögen schätzt Konrad auf etwa 10 Prozent. Er stützt sich dabei auf den Pensionskassen-Index der Credit Suisse und eine Studie der Swisscanto, welche die entsprechenden Anteile auf 9 respektive 12,7 Prozent veranschlagen.
Der Anteil von Griechenland am Weltindex der ausländischen Fremdwährungsanleihen beträgt gegenwärtig rund 1,7 Prozent.
Gemessen an der Bilanzsumme der Pensionskassen, beläuft sich der Anteil der griechischen Anleihen somit auf gerundete 0,2 Prozent (10 Prozent multipliziert mit 1,7 Prozent).
Unter der Annahme, dass die Pensionskassen ihre Anlagestruktur am Index ausrichten, und bei einem geschätzten Pensionskassenvermögen von 600 Milliarden Franken käme ihr griechisches Anleihenvolumen auf etwa 1,2 Milliarden zu stehen. Aus Sicht von Konrad «ein relativ geringes Engagement».
Auch fällt Griechenland als Schuldner am Schweizer Kapitalmarkt kaum ins Gewicht. Zwei griechische Staatsanleihen sind derzeit im Markt platziert: eine über 500 Millionen Franken mit einer Laufzeit bis März 2011 und eine über 650 Millionen bis Juli 2013. Der grössere Teil dieses Volumens dürfte wohl von Schweizer Anlegern gehalten werden. Im Swiss Bond Index (SBI) ist die erstgenannte Anleihe nicht mehr enthalten, weil sich ihre Restlaufzeit über weniger als ein Jahr erstreckt. Die zweite Anleihe wird im SBI mit gerade mal 0,1 Prozent gewichtet.
Bereinigte Statistiken
Bleibt schliesslich die Frage, weshalb die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Ausstände hiesiger Banken gegenüber dem griechischen Staat per Ende September 2009 bis vor kurzem noch auf 64 bis 79 Milliarden Dollar (je nach geografischer Abgrenzung) beziffert hat. Für die statistische Verzerrung verantwortlich war die EFG Group, ein von einer griechischen Familie kontrolliertes Finanzhaus. Auf dieses entfielen über 90 Prozent der Schweizer Bankforderungen gegenüber Griechenland. Da die EFG Group ihren Sitz inzwischen von Genf nach Luxemburg verlegte, hat sich die Statistik gleichsam bereinigt. Die Schweizerische Nationalbank weist die Forderungen hiesiger Banken gegenüber dem klammen Mittelmeerstaat per Ende September 2009 – neuere Zahlen sind nicht verfügbar – noch mit 3,75 Milliarden Franken aus. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.04.2010, 21:39 Uhr
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57 Kommentare
Das Problem sind nicht die Schulden Griechenlands gegenüber der Schweiz, sondern die Währung EURO, die dank der Währungsunion weiter an Wert verlieren wird. Deshalb kauft zum Beispiel die SNB Euro, damit der CHF nicht zu stark wird... Antworten
Es macht eine richtige Freude die Kommentaren ueber GR und die EU zu lesen. Man akzeptiert die mit gefaelschten Katen operierende S&P, Moody, usw als Bibel. Dies ist nur eine Kostprobe fuer was wirklich noch kommt: das Debakel der USA die mit einer Bonitaet von weniger als "Junk" in Tat und Wahrheit einzustufen ist. Abwarten und Tee-Trinken. Antworten
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