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Die Energiefirmen suchen verzweifelt nach neuen Einnahmequellen

Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 29.09.2011 4 Kommentare

Die drei grossen Energiekonzerne der Schweiz leiden bereits jetzt unter dem angekündigten Atomausstieg. Derzeit suchen die Stromversorger nach Wegen, um die Energiewende zu meistern. Der Berner BKW helfen dabei teure Berater von McKinsey.

Der angekündigte Atomausstieg bringt die Energiefirmen unter Zugzwang.

Der angekündigte Atomausstieg bringt die Energiefirmen unter Zugzwang.
Bild: Keystone

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Die politisch beschlossene Energiewende setzt der Strombranche zu. Der Aktienkurs des Berner Stromkonzerns BKW hat sich seit dem Atomunfall in Japan im März von 80 Franken auf etwas über 40 Franken nahezu halbiert. Auch dem Energiekonzern Alpiq mit Sitz in Olten erging es nicht anders. Der Aktienkurs sank seit März von 390 Franken auf 200 Franken. Axpo, der dritte grosse Schweizer Energiekonzern, handelt seine Aktien nicht an der Börse.

Die massiven Kursverluste von BKW und Alpiq spiegeln die schwierige Situation, in der sich die grossen Energieversorger seit dem Atomunglück in Japan befinden. Nach dem Tsunami in Japan sind die Stromkonzerne mit einem politischen Sturm konfrontiert: Die Schweiz hat innerhalb von nur einem halben Jahr den Atomausstieg beschlossen – der Ausbau der erneuerbaren Energien soll fortan stark forciert werden.

Auf diese schnelle Kehrtwende waren die Stromkonzerne nicht vorbereitet und sind deshalb mit der neuen Situation entsprechend überfordert.

Bei BKW, Alpiq und Axpo brüten die Verantwortlichen jetzt über neuen Strategien und gleisen erste Sparprogramme auf. Klar ist, dass Stellen abgebaut werden müssen – um wie viele es sich handeln wird, ist derzeit noch offen.

Lukrative Zeiten sind vorbei

Sparen kannte die Strombranche bisher nur vom Hörensagen. Solange die Geschäfte glänzend liefen, hatte eine strikte Kostenkontrolle nicht oberste Priorität. Jetzt aber, unter neuen Rahmenbedingungen, drängen sich Korrekturen auf.

Hauptgrund für die Suche nach neuen Geschäftsstrategien und Einsparmöglichkeiten ist, dass durch den Atomausstieg den Energiekonzernen ein wichtiges Geschäftsmodell entzogen wird. Bei der Berner BKW ist das AKW Mühleberg für rund 30 Prozent der eigens produzierten Strommenge verantwortlich. Die Atomstromproduktion trug in einem durchschnittlichen Jahr bisher rund ein Drittel oder 100 Millionen Franken zum jährlichen BKW-Gewinn bei. Spätestens mit der Abschaltung des AKW Mühleberg im Jahr 2022 ist es damit vorbei. Bis dann sollten andere Bereiche die Atomstromkapazitäten übernehmen. Zumindest aus heutiger zeichnet sich aber ab, dass die Technologien, die für den AKW-Ersatz infrage kommen, nicht so lukrativ betrieben werden können wie AKW. Die Nutzung von erneuerbarer Energie erfolgt zu einem wesentlichen Teil regional oder lokal und baut damit auf dezentralen Wirtschaftsstrukturen auf. Dies passt aber heute (noch) nicht in das Geschäftsmodell der Stromkonzerne, das von wenigen grossen Kraftwerken ausgeht. Auch Gaskraftwerke, die verlässlichen Grundlaststrom liefern würden, lohnen sich für die Stromkonzerne unter den vorgesehenen Rahmenbedingungen wie etwa teurer CO2-Kompensation kaum.

McKinsey bei der BKW

Das Ziel der BKW ist, die Kosten um 15 Prozent oder um 90 Millionen Franken pro Jahr zu reduzieren. Aus BKW-Kreisen ist zu erfahren, dass die renommierte Beratungsfirma McKinsey für die Sparübung engagiert worden ist. McKinsey-Berater würden derzeit ausloten, wo im Konzern der Rotstift angesetzt werden soll. «Das Sparprogramm machen wir mithilfe von externer Unterstützung», bestätigte ein BKW-Sprecher. Ob es sich dabei um McKinsey handelt, wollte er nicht bestätigen. McKinsey ist derzeit auch bei EON in Deutschland beauftragt, ein riesiges Sparprogramm durchzuführen.

Welchen Weg geht die BKW?

Welche neue Strategie die BKW künftig verfolgen wird, soll bis Ende 2012 klar sein, wie die BKW kürzlich bekannt gab. Grundsätzlich kann das Berner Stromunternehmen zwei verschiedene Wege einschlagen. Eine Möglichkeit ist, dass die wegfallenden AKW-Kapazitäten einfach durch den Einkauf von ausländischem Strom – aus was für Energiequellen auch immer – ersetzt werden. Das wäre der einfachere Weg, denn die BKW müsste «nur» dafür sorgen, dass sie zu den entsprechenden Strommengen und Transportkapazitäten kommt. Die BKW würde aber dadurch stärker zur Stromhändlerin und begäbe sich in die Abhängigkeit anderer Stromproduzenten – mit entsprechenden Nachteilen für die Kunden. Diese hätten mit stark schwankenden Preisen zu rechnen.

Schwieriger wird der zweite Weg: wenn sich die BKW zum Ziel setzt, die heutige Atomstrommenge komplett durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Dazu müsste sie das Engagement im Ausland massiv verstärken, was mit Risiken verbunden ist. Zudem werden Projekte für erneuerbare Energie wie Windparks oder neue Wasserkraftwerke auch von anderen, massiv grösseren europäischen Stromkonzernen stark umworben. Um in Europa leichter an neue Energiekapazitäten zu kommen, wäre eine enge Kooperation oder sogar eine Beteiligung an einem grossen Energieriesen wie Vattenfall oder EON möglich. Doch erst im Sommer 2010 verkaufte EON seine Beteiligung von gut einem Fünftel an der BKW und beendete damit die Kooperation. Ein Grund für den Verkauf der Beteiligung war, dass sich EON an der Mehrheitsbeteiligung des Kantons Bern an der BKW störte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.09.2011, 07:59 Uhr

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4 Kommentare

Werner Wittmann

29.09.2011, 16:07 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Geht es bei der Energieversorgung eigentlich nur um weiterhin satte Gewinne der Energiefirmen - oder, vielleicht sogar, um Strom für Alle? Strom könnte z.B. auch - nicht nur in privaten Haushalten - in Warenhäusern, Sportplätzen, Strassenbeleuchtungen, öffentlichen Gebäuden, Gastronomie, staatl. und kant. Verwaltungsgebäuden, Vergnügungsparks usw. usw. eingespart werden, kostenlos sogar. Antworten


Clemens Ditrisbach

29.09.2011, 14:32 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Oh die armen Stromerzeuger. Seit Jahren hocken sie auf einer Gelddruckmaschine und nun das......deshalb wollen diese Barone auch nicht, dass eine Versorgungsökonomie entsteht, etwa durch viele kleine Lieferanten (etwa Hausbesitzer mit Solarzellen o.ä.) wie ein Szenario im Film "Die 4. Revolution - Energieautonomie" zeigt. Wäre ja noch schöner, wenn jeder plötzlich Strom verkaufen könnte....;-)) Antworten



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