Die CS in arabischer Hand – was Experten dazu sagen

Die CS-Grossaktionäre aus Katar und Saudiarabien kaufen laut einem Bericht Coco-Anleihen und könnten damit die Mehrheit erlangen. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?

Möglicher zukünftiger Mehrheitsaktionär? Abdullah bin Saud Al Thani, Chef des katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority.

Möglicher zukünftiger Mehrheitsaktionär? Abdullah bin Saud Al Thani, Chef des katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority.

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Nachdem die Aktie der Credit Suisse letzte Woche auf ein 25-Jahres-Tief abstürzte, geht es heute wieder aufwärts – wenn auch nur leicht um rund 4 Prozent. Mit einem aktuellen Kurs von 13.62 Franken bleibt die Aktie ein Schnäppchen. Kein Wunder, wird derzeit eifrig über mögliche Zukunftsszenarien für die Bank diskutiert.

Im Geldblog der «SonntagsZeitung» wird etwa die Rolle beleuchtet, welche die arabischen Aktionäre bei der CS spielen. Die saudische Olayan-Gruppe hält 4,95 Prozent aller Aktien, der katarische Staatsfonds Qatar Holding LLC besitzt 4,98 Prozent. Laut dem Bericht bereiten diese beiden Grossaktionäre die Machtübernahme vor, indem sie Coco-Anleihen der CS kaufen. Dabei handelt es sich um Anleihen, die im Krisenfall automatisch in Aktien (also Eigenkapital) umgewandelt werden. Um einen solchen Krisenfall handelt es sich konkret dann, wenn die Eigenkapitalquote der Grossbank unter den Wert von 7 beziehungsweise 5 Prozent fällt (je nachdem, welche Art von Coco-Bonds die Aktionäre besitzen).

Sollte die Eigenkapitalquote der CS in Zukunft stark schrumpfen – zum Beispiel weil sie hohe Abschreibungen wegen ihrer Rohstoffkredite vornehmen muss –, könnten die arabischen Aktionäre laut dem Bericht via ihre Coco-Anleihen die Aktienmehrheit an der Credit Suisse übernehmen. Bloss: Wie realistisch ist dieses Szenario überhaupt?

«Attraktive Geldanlage»

Es sei denkbar, dass sich die arabischen Aktionäre auf die Coco-Bonds der CS stürzten, sagt Roger Degen, Bankenanalyst bei Julius Bär. Denn diese werfen mit einer Verzinsung von bis zu 10 Prozent mehr ab als die meisten anderen Kapitalanlagen. Ausserdem zeichneten die Grossaktionäre schon 2013 Coco-Bonds im Umfang von insgesamt 6 Milliarden Franken. «Doch dass es ihnen dabei um eine Machtübernahme geht, halte ich für unwahrscheinlich», sagt Degen. «Die Anleihen sind ganz einfach attraktiv bewertet.» Auch Günter Käser vom Analyseunternehmen KK Research sieht hinter den Coco-Käufen weniger taktisches Kalkül denn unternehmerisches Denken: «Im aktuellen Zinsumfeld sind diese Anleihen äusserst profitabel. Wieso sollten die Grossaktionäre das nicht ausnützen dürfen?»

Ausserdem dürften sowohl Saudiarabien als auch Katar derzeit mit anderen Problemen beschäftigt sein: den Folgen des Ölpreiszerfalls. Erst im Januar mussten die beiden Förderländer die Benzinpreise im eigenen Land anheben, weil in den Haushaltskassen grosse Löcher klaffen. Der Staatshaushalt von Saudiarabien wird laut dem Finanzministerium 2015 mit einem Rekorddefizit von 98 Milliarden Dollar abschliessen. «Ich denke nicht, dass die arabischen Aktionäre unter diesen Umständen noch mehr Risiken eingehen wollen, indem sie bei der CS die Kontrolle übernehmen», sagt ein Kenner der Branche.

Er hält es zudem für unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit überhaupt zu einer Umwandlung der Coco-Bonds in Aktien kommen könnte. Denn dafür müsste zunächst die Eigenkapitalquote einbrechen. Ende des letzten Jahres betrug sie 14,3 Prozent. Der Puffer bis zum heiklen Grenzwert von 7 Prozent ist also noch relativ gross.

Reichte es wirklich für die Mehrheit?

Stellt sich die Frage, was passieren würde, sollte der Ernstfall trotz allem eintreten und die Eigenkapitalquote unter die kritische Grenze sinken. Würde es für eine Machtübernahme der arabischen Aktionäre reichen?

Laut dem aktuellen «Earnings Release» hat die Credit Suisse Coco-Bonds in der Höhe von rund 11 Milliarden Franken ausgegeben. Würden sie zum aktuellen Aktienkurs von 13.60 Franken umgewandelt, ergäbe dies rund 860 Millionen Aktien. Gesamthaft hat die CS heute 1,95 Milliarden ausstehende Aktien. Die 860 Millionen Aktien entsprächen also einem Anteil am neuen gesamten Aktienkapital von rund 30 Prozent. Selbst wenn die arabischen Aktionäre alle Coco-Bonds der CS besitzen würden, reichte es unter diesen hypothetischen Bedingungen nicht für eine Mehrheit. Allerdings: Die Berechnungen sind mit Vorsicht zu geniessen, denn es gibt viele Unklarheiten – zum Beispiel, zu welchem Aktienkurs die Bonds umgetauscht würden.

Bei diesen hypothetischen Gedankenspielen bleibe zudem aussen vor, dass die arabischen Aktionäre schon lange bei der CS engagiert und bisher kaum aktiv in Erscheinung getreten seien, sagt Rainer Skierka, Bankenanalyst beim Zürcher Unternehmen Research Partners. Dabei müsse eine aktivere Einmischung nicht zwangsläufig negativ sein, sondern könnte auch der Stabilisierung der systemisch relevanten CS dienen. «Eine aktivere Wahrnehmung ihrer Eigentümerinteressen könnte der CS mitunter sogar guttun, wenn es zum Aufbrechen jahrzehntelanger Strukturen vor allem bei der Investmentbank führen würde, die den Aktionären rein gar nichts gebracht haben», sagt Skierka. «Da wäre ‹Heimatschutzdenken› wohl fehl am Platz.» (fko)

(Erstellt: 15.02.2016, 19:06 Uhr)

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