Die BKW streicht 55 Stellen – und das ist erst der Anfang
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 22.10.2011 14 Kommentare
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Atomkatastrophe in Fukushima und der daraufhin beschlossene Atomausstieg haben für einen Teil des BKW-Personals handfeste Folgen: Der Stromkonzern streicht 55 Stellen. Die BKW begründet diesen Schritt unter anderem mit dem «veränderten regulatorischen Umfeld». Was sie damit meint, sind nicht zuletzt die hohen Mehrkosten, welche wegen der erhöhten Sicherheitsanforderungen im AKW Mühleberg anfallen. Dieses Geld muss die BKW irgendwo einsparen.
Und weil der Strommarkt seit Fukushima noch unruhiger geworden ist, der Kostendruck gestiegen und der Halbjahresgewinn 2011 der BKW um ein Drittel eingebrochen ist, hat sich die BKW eine drastische Sparkur verordnet. Wie ernst die Lage der BKW ist, zeigt auch ein Blick auf den Aktienkurs: Seit dem Atomunfall in Japan im März ist er von 80 Franken auf etwas über 40 Franken um die Hälfte eingebrochen. Anders gesagt: Die BKW ist als Firma heute an der Börse noch rund 2 Milliarden Franken wert – im März waren es noch 4,2 Milliarden gewesen.
All dies führt dazu, dass das Berner Stromunternehmen 90 Millionen Franken pro Jahr einsparen will. Das hatte die BKW bereits Mitte September angekündigt. Sämtliche Konzernbereiche würden auf Sparmöglichkeiten überprüft, sagte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla gegenüber dieser Zeitung.
Netzbereich betroffen
Nicht ohne Ironie ist, dass sich die BKW dieses Sparprogramm einiges kosten lässt: Die renommierte Beratungsfirma McKinsey ist damit beauftragt, das Sparpotenzial auszuloten.
Von der ersten Sparrunde betroffen ist der Geschäftsbereich Netze. Das ist jene Sparte der BKW, die sich um die Instandhaltung der Netze und Leitungen kümmert. Nicht alle 55 Stellen können über die natürliche Fluktuation abgebaut werden, es wird auch zu Entlassungen kommen. Betroffen vom Abbau seien Ingenieure, Elektromonteure, Betriebswirtschafter und Juristen, sagt die BKW. Nicht nur in der Netzzentrale in Ostermundigen gehen Stellen verloren, sondern auch in den Regionalvertretungen im Mittelland, Seeland und Berner Oberland.
Noch mehr Entlassungen
Dabei wird es aber nicht bleiben. Denn mit dieser Massnahme spart die BKW erst 15 der angepeilten 90 Millionen Franken jährlich ein. Die Kosten sind also immer noch um 75 Millionen zu hoch. Sprecher Sommavilla sagt denn auch: «Es ist zu erwarten, dass es zu weiteren Entlassungen kommen wird.» Wie viele Jobs noch verloren gehen, soll erst in den nächsten Monaten feststehen. Davon ausgehend, dass mit 15 Millionen Franken rund 50 Stellen eingespart werden können, entspräche das Sparziel von 90 Millionen Franken einem Wegfall von total rund 300 Arbeitsplätzen. Insgesamt beschäftigt die BKW 2800 Angestellte.
Klar scheint, dass die BKW Überkapazitäten abbauen will. Denn sie steht schon lange im Ruf, sich einen zu grossen Verwaltungsapparat zu leisten.
Verzweifelte Energiekonzerne
Die Sparkur der BKW passt zur allgemeinen Verzweiflung, die bei den drei grossen Schweizer Stromkonzernen herrscht. Nach dem Tsunami in Japan sind sie mit einem politischen Sturm konfrontiert: Die Schweiz hat innerhalb von nur einem halben Jahr den Atomausstieg beschlossen. Auf diese schnelle Kehrtwende waren die Stromkonzerne nicht vorbereitet. Auch Alpiq und Axpo haben deshalb Sparprogramme angekündigt. Die BKW arbeitet mit Hochdruck an einer neuen Konzernstrategie; bis Ende 2012 soll sie fertig sein. Wohin die Reise geht, ist im Moment unklar. Deshalb überrascht es kaum, dass sich unter den Angestellten am BKW-Hauptsitz am Viktoriaplatz zunehmend Unsicherheit breitmacht.
Bei der Alpiq hat die Verzweiflung kürzlich darin gegipfelt, dass man sich ziemlich plötzlich von CEO Giovanni Leonardi getrennt hat. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.10.2011, 10:51 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
14 Kommentare
"Auf diese schnelle Kehrtwende waren die Stromkonzerne nicht vorbereitet." Sind die Politiker und sind wir als Land denn darauf vorbereitet? "Die Schweiz hat ....den Atomausstieg beschlossen." Hat der sog. Souverän da auch etwas zu sagen und wenn ja, hat er dies schon beschlossen? Antworten
@ abbühl: es ist allgemein bekannt, dass min.2/3 der ch-bevölkerung die fünf akws so schnell wie möglich los werden wollen.
dass die ch-atomstromkonzerne nun "total unvorbereitet" sind (oder so tun), haben sie sich zu 100% selbst zuzuschreiben. 42 jahre atomstrom = 42 jahre zeit, darüber nachzudenken. von "schnellschüssen zum atomausstieg" wie das einige uneinsichtige bezeichnen, keine spur!
Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten

