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Der harte Smarte aus Qatar

Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 26.11.2011 11 Kommentare

Akbar al-Bakir, Chef der aufstrebenden Qatar Airways, gilt in der Branche als ein Mann von Prinzipien – wenn sie auch nicht allen Zeitgenossen gefallen.

1/6 Branchenweit bekannt: Akbar al-Bakir (M.) mit Airbus-Topmanager John Leahy und einer Stewardess bei der Paris Air Show im Juni 2009 nach der Unterzeichnung eines Liefervertrages.
Bild: Keystone

   

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Kaum vier Jahre war Akbar al-Bakir im Amt, als sein Führungsstil im Web schon Spuren hinterlassen hatte. Im März 2001 berichtete ein Blogger von einem Erlebnis beim Qatar-Airways-Flug von Bangkok nach Doha. Weil alle WCs in seiner Klasse besetzt waren, beschloss der Mann, sein Geschäft eigenmächtig in der höheren Klasse zu verrichten. Als er zurückkehrte, so berichtete er, fauchte ihn ein nervöser Flight Attendant wegen seines «Vergehens» äusserst rüde an – mit dem Hinweis, dass der CEO just in der Nähe sitze.

Genauer: In Sitz 1a, wie der Blogger weiter schrieb – recht passend für den Manager al-Bakir, der die Luftfahrtbranche seit Jahren unter- und in Atem hält. Zuletzt vor einigen Tagen, als er der Öffentlichkeit bei der Dubai Airshow mitteilte, der Hersteller Airbus «lernt gerade, wie man Flugzeuge baut». Da ging es um einen Grossauftrag über 50 A320-Neo-Flieger und eine Handvoll der gewaltigen A380er.

Al-Bakir liess kurzerhand eine Pressekonferenz zu dem Milliardenauftrag platzen. Man stecke in einer Sackgasse, erklärte er – unklar bis heute, ob wegen vertraglicher Details oder des Geldes. Einige Verhandlungsstunden später wurde jedenfalls mitgeteilt, dass man sich einig geworden sei. Sehr wahrscheinlich im Sinne des Topmanagers vom Persischen Golf, dessen Airline heuer von der britischen Unternehmensberatung Skytrax mit dem begehrten Titel «Airline of the Year» ausgezeichnet wurde.

«Er macht seine Angestellten nervös»

Dass al-Bakir nötigenfalls Klartext redet, ist branchenweit bekannt. Boeing werde von «Erbsenzählern und Juristen» geführt, verlautbarte er im Jahr 2009, wie Zeitungen und Sender berichteten. Und auch intern verkörpert er offenbar nicht das Idealbild des Managers, wie ihn Gewerkschafter gerne hätten. «Wenn er verlangt, dass etwas getan wird, liefern die Leute», hiess es in einem ausführlichen Artikel über ihn auf der Website Flightglobal.com, «und zwar schnell. Er macht seine Angestellten nervös.»

«Totale Kontrolle» lautete der Titel des Porträts. Auf diese Weise hat al-Bakir seit dem Jahr 1997 aus der regionalen Gesellschaft Qatar Airways ein Grossunternehmen gemacht, das mehr als 90 Airbus- und Boeing-Flugzeuge um die Welt schickt. Und auf der Bestellliste stehen laut unterschiedlichen Quellen weitere etwa 130 Jets. Wie lässt sich ein solches Wachstum verfolgen und verarbeiten?

Rigide in Führung und Personalauswahl

«Ich bin sehr praktisch», erklärte al-Bakir einst vielsagend gegenüber Journalisten, «ich mische mich bei allen Aspekten des Unternehmens ein, ganz egal, wie klein sie sind.» Doch weil man ab einer gewissen Grösse nicht mehr alles sehen kann, vertraut er auf bekannte Führungsprinzipien: «Ich umgebe mich mit extrem qualifizierten und fähigen Menschen» – nicht nur im Management seiner Airline, wie er betonte, sondern auch in anderen Unternehmenszweigen, die vom Tourismus über das Catering bis zu Duty-Free-Shops am Flughafen reichen.

Ein Wachstum, das vor allem auf staatlichen Milliarden beruht? Natürlich: Zwar wird das Unternehmen laut dem Chef nach privatwirtschaftlichen Prinzipien geführt, doch am Anfang stand laut Presseberichten eine Beteiligung von Qatar im Jahr 1999, die mehr als substanziell gewesen sein dürfte. Der Topmanager will sich solche Vorwürfe gleichwohl nicht gefallen lassen – und erinnert auf Anfrage daran, dass auch die British Airways anlässlich ihrer Privatisierung anno 1987 in den Genuss von Steuermilliarden kam. Sein eigener Auftrag ist noch weiter gefasst: Al-Bakir, der auch Chef für das Projekt des heimischen Grossflughafens ist, soll Doha zu einem internationalen Drehkreuz im Flugverkehr machen.

Exzellenter Service als Selbstverständlichkeit

Ein Macher mit Visionen, der sich nicht zu schade ist, TV-Reportern das neue Bett seiner Business-Class höchstpersönlich vorzuführen und schmackhaft zu machen. Dies sei die «Leseposition», sagte al-Bakir, als ein Journalist auf der Reisemesse ITB 2009 halbwegs horizontal lag. «Das ist doch die Schlafposition!», erwiderte der Mann mit dem Mikrofon. «Vielleicht bei den Airlines, mit denen Sie gewohnt sind zu reisen», antwortete al-Bakir mit einem Spritzer Gift in der Stimme, drückte einen Knopf und liess den Reporter schön langsam in die Horizontale gleiten.

«Man sollte es nicht Business-Class nennen, sondern Business-First», erläuterte al-Bakir sodann die eigene Leistung. Ein Anspruch, den er gewillt ist, alle seine Angestellten spüren zu lassen – wie schon jener Blogger im März 2001 notierte, als al-Bakir selbst an Bord seiner Airline zugegen war. «Der Service war UNGLAUBLICH gut», heisst es in dem Bericht, «es schien, als würde das Personal an einer Art In-Flight-Kunstperformance teilnehmen.» Auf keinem seiner vielen Qatar-Airways-Flüge auf derselben Linie habe er je «irgendetwas auf diesem Service-Level» erlebt – dumm für das Personal, wenn das der Chef gelesen hat. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2011, 10:01 Uhr

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11 Kommentare

Jürg Götsch

22.11.2011, 11:04 Uhr
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Sind vor zwei Wochen mit Qatar Airways in der Business Klasse von Bali nach Zürich geflogen. Die Sitze sind wirklich sehr komfortabel, aber der Service ist himmelweit von demjenigen der Swiss entfernt. Auch das Umsteigen in Doha ist, trotz Premium Terminal für die First und Business Klasse Passagiere, sehr umständlich und zeitraubend. Würden Swiss allemal Qatar vorziehen. Antworten


Peter Richter

22.11.2011, 10:27 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Ich bin in den letzten 3 Jahren öfter mit Qatar Airline geflogen. Allerdings in der normalen Klasse. Der Service in Business- und 1st-Class mag ja gut oder sehr gut sein, aber der normale Flugpassagier in der "normalen" Klasse wird bei Qatar eindeutig vernachlässigt. Hier gibt es einige Airlines, welche besseren Service bieten. Antworten



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