Der Untergang des Löwen
Von Bernhard Fischer, Olivia Kühni. Aktualisiert am 15.11.2011 33 Kommentare
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Man nannte sie die Löwen, die Mitarbeiter der Bank Leu. Ihre Konkurrenten waren die Bären, die Mitarbeiter von Julius Bär. (BAER 31.29 0.68%) Über 100 Jahre lang waren die beiden Privatbanken Kollegen: Von der Gründung der Bank Bär 1890 – die Bank Leu war schon 1755 gegründet worden – bis ins 21. Jahrhundert. Doch dann gingen der Löwe und der Bär einem unterschiedlichen Schicksal entgegen. Weil die neue Zeit des Private Banking mit ihren Rechtsvorschriften und Informatiksystemen sie dazu zwang.
Julius Bär bewahrte seine Unabhängigkeit und ging 2005 an die Börse. Bank Leu hingegen wurde 1990 von der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) geschluckt, die sie 2007 mit der ebenfalls aufgekauften Clariden Bank und weiteren erworbenen Privatbanken zur Clariden Leu fusionierte. Jetzt, 256 Jahre nach der Gründung der Bank, schafft die Grossbank den Löwen ab. Der Schriftzug am bekannten Jugenstilgebäude an der Bahnhofstrasse 32 wird abgehängt. 550 Stellen verschwinden.
Profitabel werden
Der Schritt kommt wenig überraschend. Die Schweizer Vermögensverwalter kämpfen seit Jahren mit steigenden Kosten im Backoffice. «Niedrige Zinsen, der starke Franken und Regulierungsvorschriften belasten die Gewinnsituation», sagt ZKB-Analyst Andreas Venditti. «Das ist ein branchenweites Phänomen.» Die Bank Julius Bär reagiert darauf, indem sie mit Kooperationen und Zukäufen zu wachsen versucht, aktuell mit einem Angebot für die Bank Sarasin. (BSAN 26.25 -0.19%) Clariden Leu hat schon in den letzten Jahren mehrheitlich die Produkte der Credit Suisse vertrieben. «Jetzt soll die Profitabilität erhöht werden», sagt Venditti.
Mit dem Ende der Bank Leu geht eine Ära zu Ende. Sie war eine der allerersten Banken am Platz Zürich, gegründet vom späteren Bürgermeister Johann Jacob Leu. Man betreute Kunden aus aller Welt, gerne auch Aristokraten. Besonders bekannt waren die Löwen für ihre Angebot für Familien, denen sie bei Nachfolgeregelungen und Steuerberatung zur Seite standen. Mit den Jahren wurde die Bank immer bekannter mit ihrem Angebot an Fonds und Derivaten. Als die Credit Suisse 2007 zuschlug, begann eine turbulente Zeit: Innerhalb weniger Jahre kamen und gingen mehrere Geschäftsführer, ganze Teams wechselten zu den gegnerischen Bären. Die Aufgabe, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen zu verschmelzen, gelang nie wirklich. Jetzt wird der Löwe von seinem Leiden der letzten Jahre erlöst. Bis 2014 soll das Private Banking der Credit Suisse dann ingesamt 800 Millionen Franken mehr einbringen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.11.2011, 15:57 Uhr
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33 Kommentare
"Clariden Leu hat schon in den letzten Jahren mehrheitlich die Produkte der Credit Suisse vertrieben." Das sagt alles über diese Neo-Banken-Kultur. Sie verkaufen, schlimmer als jeder Gebrauchtwagenhändler. Sie sollten beraten, neutral sein. Die meisten Erben schnallen aber eh nichts und verquanten ihre Vermögen blind und naiverweise indirekt mit kreativ-klingenden Produkten. Schade eigentlich. Antworten
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