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Der Steueroptimierer ist König

Von David Vonplon. Aktualisiert am 04.02.2010

Sie verschaffen ihren Kunden einen Wohnsitz und suchen für deren Kinder eine Privatschule: Um an die Vermögen reicher Kunden zu gelangen, tun Banker fast alles.

«Dienstleistungen, die über das reine Vermögensgeschäft hinausgehen»: Eine deutsche UBS-Filiale.

«Dienstleistungen, die über das reine Vermögensgeschäft hinausgehen»: Eine deutsche UBS-Filiale.
Bild: Reuters

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Der Fall eines reichen deutschen Kaufmanns wirft erneut ein schlechtes Licht auf die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) und die Schweizer Bankenwelt. Um sein Vermögen am deutschen Fiskus vorbeizuschleusen, hat die Grossbank ihm nicht nur geraten, Stiftungen in Singapur und weitere Gesellschaften in Panama zu gründen. Sie hat ihm laut der «Handelszeitung» auch einen Scheinwohnsitz in Zürich verschafft.

Das wirft die Frage auf, welche Dienstleistungen überhaupt in den Aufgabenbereich von Vermögensverwaltern im Privatbankengeschäft fallen. Gehört zum Job, dass sie einem Kunden beim Steuersparen, respektive Steuerhinterziehen, helfen? Dass sie für ihn Immobilien suchen, selbst wenn der Kunde dort gar nicht wohnen will, sondern Wohnungen und Häuser nur zwecks Pauschalbesteuerung kaufen? Oder dass sie ihm bei der Gründung von Offshore-Vehikeln zur Seite stehen?

«Gierige Banker tun fast alles»

Für Bankenkritiker René Zeyer ist klar: Schweizer Banken und ausländische Kunden machen seit jeher gemeinsame Sache, um deren Geld vor dem ausländischen Fiskus zu verstecken. Beihilfe zur Steuerhinterziehung sei «keine Ausnahme, sondern vielmehr die Regel». Es sei üblich, dass sich die Vermögensverwalter informell mit potenziellen reichen Kunden in Deutschland träfen. Oberste Priorität habe dabei das Thema, wie die Bank mit seinem Schwarzgeld umgehen will.

«Gegebenenfalls empfehlen die Banker einen Scheinwohnsitz in der Schweiz. Geht es um viel Geld – und sind die Banker sehr gierig – weiten sie ihren Service aus und verschaffen ihm auch einen Scheinwohnsitz», sagt Zeyer. Jeder Privatbanker hierzulande wisse, dass 50 Prozent der angelegten Privatvermögen auf Schweizer Banken «Schwarzgelder sind, die Vermögen von Diktatoren nicht einmal mitgezählt».

«Gierige Banker tun fast alles»

Auf der anderen Seite klingt es freilich ganz anders. «Bei guten Kunden, mit denen man Geschäfte betreibt, gehört auch die Beratung in Steuerfragen dazu», unterstreicht Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung. Dies gelte aber nur, sofern die Geschäfte im legalen Bereich blieben, fügt er an. Und auch die UBS betont, sie biete Kunden grundsätzlich keine Unterstützung bei Handlungen, die der Umgehung ihrer Steuerpflichten dienen.

Auf ihrer Website schreibt die UBS, dass sie ihre Privatkunden bei ihrem Wohnsitzwechsel in die Schweiz gerne unterstützend zur Seite steht. Oder konkreter: Die UBS besorgt ihren ausländischen Kunden nicht nur ein «Gesuch um Aufenthaltsbewilligung», sie unterstützt ihn auch «bei Verhandlungen mit Schweizer Steuerbehörden» und «beim Immobilienerwerb». Zum Service gehört auch eine «vollumfängliche Steuerberatung in der Schweiz.»

Banker organisieren Kindern einen Platz in der Schule

Andere Banken gehen noch weiter, um die Wünsche der Kunden zu befriedigen: Neben der Suche nach geeigneten Immobilien, sind sich beispielsweise die Anlageberater bei der Privatbank Pictet auch nicht zu schade, einem Kind eines Kunden eine Privatschule zu organisieren. «Wir bieten guten Kunden durchaus auch Dienstleistungen an, die über das reine Vermögensgeschäft hinaus gehen», erklärt Pictet-Kommunikationschef Simon Roth.

Geht es darum, Kunden mit Schwarzgeld zu bedienen, höre diese Liebesdienerei allerdings schlagartig auf: «Unsere Bank würde nie einem Kunden einen Scheinwohnsitz oder andere Scheinkonstrukte verschaffen», sagt Roth. Wenn ein Kunde dies verlangen würde, würden die Bank auf dieses Geschäft verzichten.

Interne Untersuchungen

«Wenn in einem konkreten Fall dem Kundenberater bekannt ist, dass ein neues Konto zum Zweck der Steuerhinterziehung eröffnet werden soll, darf das Konto nicht eröffnet werden», erklärt UBS-Sprecher Dominique Gerster. Zu den eingangs erwähnten Vorwürfen bezüglich Steuerfragen und Wohnsitz hat die UBS eine interne Untersuchung eingeleitet, um die damaligen Ereignisse zu überprüfen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.02.2010, 17:43 Uhr

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