Der SBB-Chef pocht auf höhere Billettpreise

Die SBB-Infrastruktur verschlingt immer mehr Geld. Höhere Billettpreise seien deshalb unausweichlich, sagt Konzernchef Andreas Meyer.

SBB-Chef Andreas Meyer

SBB-Chef Andreas Meyer
Bild: Keystone

Die SBB transportiert Jahr für Jahr immer mehr Personen. Aktuell zählt das Unternehmen rund 3 Millionen Bahnkunden. 2400 Züge rattern täglich durch die Schweiz. Das bedingt einerseits einen stetigen Ausbau des Schienennetzes. Andererseits muss die SBB die bestehende Infrastruktur erhalten. «Hier haben wir Nachholbedarf», sagte CEO Andreas Meyer gestern am Züpfe-Zmorge der Langenthaler Bauausrüsterfirma Ammann. Bereits sind 15 Prozent aller Störungen im Netz auf die veraltete Infrastruktur zurückzuführen.

«Mobility Pricing ist okay»

Doch der «Nachholbedarf» kostet. Heute verschlingen Betrieb und Unterhalt der Infrastruktur jährlich 1,6 Milliarden Franken. Bereits für 2011 und 2012 rechnet Meyer mit knapp 2 Milliarden pro Jahr. «Die Situation ist düster», sagte Meyer. Und er forderte mehr Geld vom Bund. «Die Finanz- stimmt nicht mit der Verkehrspolitik überein.»

Mehr Steuergelder reichen allerdings nicht, um die SBB fit zu machen. Gestern sind erste Sparpläne bekannt geworden (siehe Text oben). Auch die Bahnkunden müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Das Zauberwort heisst Mobility Pricing. Die Idee, die Verkehrsminister Moritz Leuenberger vor kurzem lanciert hat, sieht so aus: Pro gefahrenen Bahnkilometer zahlen Kunden eine Zusatzgebühr auf den Billettpreis. Das Geld investiert die SBB in die Infrastruktur.

«Um höhere Preise kommen wir nicht herum», sagte Meyer, «Mobility Pricing ist okay.» Er rechnet «mittel- bis langfristig mit schrittweisen Erhöhungen». Ins Detail gehen wollte er am Rande seines Vortrags aber nicht: «Die Mobility-Pricing-Modelle sind noch nicht scharf gerechnet.»

800 Millionen Verlust

Der Personenverkehr ist allerdings nur die eine Baustelle der SBB. Sorgen bereitet CEO Meyer auch der Güterverkehr: Die Tochterfirma SBB Cargo erzielte in den letzten zehn Jahren einen Verlust von 800 Millionen. Laut Meyer stehen die «Eigenständigkeit mit punktuellen Partnern» sowie der Verkauf einer 49-Prozent-Beteiligung an die französische SNCF oder die Deutsche Bahn zur Debatte. Bis Ende Jahr will der SBB-Verwaltungsrat entscheiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.11.2009, 11:13 Uhr

32 KOMMENTARE

Frank Stämpfli

24.11.2009, 09:02 Uhr

Da wollen immer alle das man auf ÖV umsteigt, jedoch erhöht mann immer alles, das Familien sich das Bahnfahren gar nicht mehr leisten können und man halt weiterhin das Auto nimmt. Politisch wieder mal ein völliger Usus was da gefordert wird. Der Gute Herr Meyer kann schon höhere Billetpreise fordern, wenn ich ein GA gratis oder zu einem Spottpreis habe im Jahr kein Problem.


Cyril Wendl

20.11.2009, 17:36 Uhr

Mit der ÖV-Initiative würde sich dieses Problem lösen.


Bruno Moser

20.11.2009, 17:21 Uhr

Sämtliche Preise werden aus der Sicht der Singles festgelegt. Wer denkt denn überhaupt noch darüber nach, ob sich eine Familie das Bahnfahren (aber auch Anderes) überhaupt noch leisten kann? Also doch besser das Auto nehmen.


Bruno Bänninger

20.11.2009, 17:14 Uhr

Jetzt wird klar, die SBB will nicht nur bis zu 300 Stellen abbauen sondern sie will auch weniger Kunden! Die Preiselastizität bei den Ticketpreisen lässt keinen Spielraum nach oben offen. Wenn ein Markt den Kunden gute Alternativen (z.B. Fahrgemeinschaften) anbietet, werden diese intensiv genutzt. Das steigende Mobilitätsbedürfnis lässt sich nicht durch hohe Ticketpreise einschränken.


Edwin Merki

20.11.2009, 16:00 Uhr

An Hr. Ben Müller, Sie sollten in Ihren Betrachtungen miteinbeziehen, dass die Arbeitslosenversicherung einen Arbeitsweg von zwei Stunden als zumutbar erklärt - oder soll jemand der in Zürich wohnt und für 3 Monate in Basel Arbeit hat umziehen? Es gibt nur eine Lösung wenn der Umweltschutz wichtig ist - die SBB über den Staat finanzieren und keine Billete und Abos mehr !!!


Jürg Thoma

20.11.2009, 15:24 Uhr

Höhere Preise, Personalabbau, schlechterer Service. Setzt diesen Chef ab, bevor er die SBB auch ins Elend reitet, wie den Nahverkehr der Deutschen Bahn.


eugen bissegger

20.11.2009, 14:34 Uhr

Reorganisation 2014( zum X-ten). Stellenabbau + Preisaufschläge. Stellenabbau über natürliche Fluktuationen, dieses Märchen kann man nicht mehr hören. "Die SBB fit machen", auch so eine Floskel. Es wird richtiggehend suggeriert, das alles kurz vor dem Verlottern sei. CO2 Abgaben, Energiepreiserhöhungen, MWSt, usw. Offenbar die Zeche für die Milliardenverluste.


Ben Müller

20.11.2009, 14:24 Uhr

Wenn ich die Kommentare lese, komme ich zum Schluss, dass pendeln und herumreisen ein Menschenrecht sein muss. Ist es aber nicht. Ich bin überzeugt, dass generell Mobilität schlicht viel zu billig ist. Dieser Umstand fördert geradezu die Zersiedelung unseres Landes. In Bern wohnen, in Zürich arbeiten oder umgekehrt? Kein Problem, locker machbar. Aus meiner Sicht nicht korrekt.


tom knife

20.11.2009, 14:16 Uhr

es ist wie bei einem haus, wenn man jahrzehnte nichts macht kann man es abreissen. das ist mit der sbb geschehen, der meyer hockt nun im bagger und ist der dumme im misthaufen! hier spricht der staat, die privatwirtschaft, die superbänkler, pfaffen und weiss nicht noch wer vom stammtisch asl super ceo drein. eigenständig oder subventionieren, meyer macht es richtig!


Hugo Ferrari

20.11.2009, 14:01 Uhr

1. Diesen unfähigen Chef absetzen. 2. Die Preise der 'normalen' Billete unverändert lassen. 3. Die Abos massiv verteuern, z.B. Streckenabos um 50% und GA um 75%. Man kann den Verrkehr nicht einfach weiterhin in diesem Ausmass steigern, das ist unbezahlbar. Auch der Öffentliche Verkehr belastet die Umwelt.


Paul Dettling

20.11.2009, 13:24 Uhr

wie bitte? was wird da geschrieben? schlechtes Leistungsangebot? niemand steigt auf den ÖV um? Gerade wegen des hervorragenden Leistungsangebots (Taktplan) nutzen so viele wie noch nie die SBB. Daraus ergeben sich ja gerade die Probleme. SNCF als Beispiel hinzuziehen ist ein Witz, brauchbar und ungefähr pünktlich ist der TGV auf den Hauptachsen, ansonsten das blanke Grauen, habs jahrelang erlebt.


Pascal Bassu

20.11.2009, 13:21 Uhr

Was mich bei dieser Diskussionen immer wieder erstaunt ist, dass man wegen der stärker genutzten Infrastruktur dafür mehr Geld benötigt. Was selten bis nie erwähnt wird ist aber, dass die rund 30% mehr Passagiere in den letzten 5 Jahren sicher auch um die 20% Mehreinnahmen generiert haben. Reicht das nicht aus?


Beat Keller

20.11.2009, 13:18 Uhr

@Bergmann. Sie sind wohl nicht sehr oft mit der SBB oder z.b. dem ZVV unterwegs. Mal abgesehen davon, dass schon einige Pannen zuviel passieren: Die Züge sind in der Regel innerhalb eines tolerierbaren Zeitraums pünktlich. Und nur so zur Belustigung möchte ich mal Ihren Kommentar sehen, wenn - wie bei der SNCF auch schon geschehen - ein spontaner Streik für eine 35 Std-Woche stattfinden würde.


Tanja Müller

20.11.2009, 13:16 Uhr

Bahnfahren ist mühsamer geworden. Dreckige Züge, keine Armlehnen an Sitzen. Zu enge Doppelstöcker, bei denen man am Fensterplatz nicht einmal beide Füsse auf ebenen Boden stellen kann. Schlange vor dem Bahnhof, in der Unterführung, etc. Und dafür noch mehr zahlen? Typisch Staat. Weniger leisten, dafür mehr verlangen.


Tom Würgler

20.11.2009, 13:12 Uhr

Im Kanton ZH verdoppeln sich Häuserpreise in 10 Jahren auch schon mal, aber den SBB will man keinerlei Autonomie in der Preisfestlegung zugestehen? Dann erhält man von politischen Gutmenschen gesteuerte, zu tiefe Preise, die zu einer wunderbaren Übernutzung führen. Was stark nachgefragt wird, muss teurer werden - in diesem Fall sogar signifikant. Für Robin Hoods gibt's das Trottinet.


Sam Brown

20.11.2009, 13:11 Uhr

Meier und Leuenberger sind das Dreamteam des ÖV. Meier ist auf Grund seiner Einstellung zu Geld und Lohn untragbar, Leuenberger aufgrund seiner untragbaren Ideen. Beide gehören ausgewechselt, die SBB wieder verstaatlicht und die Kosten entsprechend korrigiert. Wieviele Züge stehen während des Tages leer herum? Weshalb kann nicht auf die Schiene verlagert werden? Die Probleme sind lange bekannt


Urs Pfäffli

20.11.2009, 13:04 Uhr

Wenn schön höhere Preise, bin ich aber dafür, dass die SBB pro Minute Verspätung jedem Passagier CHF 1.- zurückzahlt. Wie würde Euch das gefallen? Was sagt denn der Preisüberwacher dazu?


Renato Metz

20.11.2009, 12:58 Uhr

Wie wäre es wenn man die überdotierten SBB-"Manager" Löhne mal endlich senken würde. Aber davon redet Andreas Meyer nicht, weil es gerade ihn am meisten betreffen würde. Ich frage mich nur was sein Leistung überhaupt ist. Die Preise raufsetzen, damit er noch mehr kassieren kann? Oder überteuerte Bauunternehmen beschäftigen? Schlechtes Rollmaterial einkaufen? Neue Gebühren einführen?


Stefan Meier

20.11.2009, 12:56 Uhr

Wir Pendler aus dem Bündnerland hatten dieses Jahr mit dem ersten Zug insgesamt 30 Stunden Verspätung (60x30 Minuten!!). Mit einer solchen Dienstleistung soll ich mehr bezahlen. Nein Danke. Wie bei jedem Unternehmen muss auch bei der SBB zuerst die Leistung stimmen.


Beatrice Gamma

20.11.2009, 12:51 Uhr

Die Krankenkassen haben sehr schön demonstriert, wie man's macht: unsinnig hohe Aufschläge in den Raum stellen und einfach mal warten. Das Resultat wird sicher im gewünschten Rahmen sein. Alle werde am Schluss heilfroh sein, dass der effektive Aufschlag doch etwas kleiner ist als zu Beginn.


Heiri Müller

20.11.2009, 12:49 Uhr

@Joe.Walz. Bin genau ihrer Meinung. Ich würden noch weitergehen und den BR Leuenberger auch noch ersetzen. Solche Manager braucht niemand in der Schweiz! Das sind nur Quartalsplauderie die zuviel verdienen.


Erich Bergmann

20.11.2009, 12:34 Uhr

Die SBB hat bereits die höchsten Billettpreise Europas und dies bei einem sehr schlechten Service und einem vergleichsweise (SNCF, DB, FS) schlechten Leistungsangebot. Statt über Preierhöhungen sollte man über einen Lizententzug nachdenken.


Martina Zürcher

20.11.2009, 12:24 Uhr

...oder man kürzt die SBB-Managerlöhne und trägt zu einer Abfederung der Verluste bei... Nehme nicht an, dass sich die Entschädigungszahlungen des VR nicht erhöht haben den letzten Jahren!


Reto Barandun

20.11.2009, 12:22 Uhr

Seit mehreren Jahren hat man dem Volk bei der SBB einen Gewinn von einigen Millionen vorgegaukelt. Dieser kam nur zu Stande , weil man die Milliarden Subventionen als normale Einnahmen ausgewiesen hat! Jetzt bekennt man endlich Farbe. Es sind ja genau die Leute am Werk die immer nach dem Verursacherprinzip rufen. Endlich werden auch diese Verursacher zur Kostendeckung beigezogen! Fahre auch SBB!


Ronnie König

20.11.2009, 12:17 Uhr

Wenn Neubau und Sanierung mit erhöhter Sicherheit einhergehen, dann werden viele Schweizer bereit sein auch mehr zu bezahlen! Aber die SBB sollten nicht vergessen, gilt auch für die bürgerlichen Besserwisser, dass sie primär dazu da sind einen Service Public anzubieten und nicht Gewinne zu erziehlen und Menschen auf die Strasse stellen! Wir brauchen und lieben unsere SBB.


Albert Gut

20.11.2009, 12:13 Uhr

Die SBB macht etwas falsch. Es kann doch heute nicht mehr davon die Rede sein, dass der öffentliche Verkehr sich über die Verkehrsteilnehmer finanziert. In Zeiten der Klimakatastrophe muss der öffentliche Verkehr aus Ökologie-Fonds und verkehrsplanwirtschaftlichen Geldern gestützt werden. Ich widerspreche CEO Meyer damit aufs Schärfste. Er sollte dafür sorgen, dass die Billette günstiger werden!!


Marco Perucchi

20.11.2009, 12:03 Uhr

Mir scheint, das Hauptproblem in der Schweiz sind nicht etwa generell zu tiefe Billetpreise des ÖV, sondern die billigen Abos. Mein zweijähriges Halbtaxabo ist z.B. nach zwei Fahrten Zürich-Lugano retour pro Jahr bereits bezahlt. Damit wird der halbe Preis fürs Bahnfahren praktisch zum Normalfall, während der volle Preis nur noch von wenigen Gelegenheitsfahrern sowie den Touristen bezahlt wird.


Edwin Merki

20.11.2009, 11:47 Uhr

Würde man die SBB voll über den Staat finanzieren, würden auch nicht so viele Züge leer in der Gegend herumfahren und es würden viele aus Kostengründen auf das Auto verzichten. Wenn aber die Bahn für den Einzelnen direkt immer teurer wird, bleibt er beim Auto und das Volk auf die Bahn zu bringen bleibt Wunschdenken. Genaugleich ist es mit dem Güterverkehr.


Aschy Furrer

20.11.2009, 11:46 Uhr

Das wahre Fass ohne Boden ist die Rentabilität im Güterverkehr. Doch hier gibt es klare Richtlinien auf Verfassungsbasis, aber die Lobby steht seitens der Lastwägeler, nicht seitens der Bahnpassagiere. Auch Leuenbergers eigene Pendler sind gewungen, in Städten Bildschirmarbeit zu machen, die auch zu Hause möglich wäre. Wer pendelt denn schon freiwillig, wer schafft gute Arbeitsplätze auf dem Land?


joe walz

20.11.2009, 11:46 Uhr

herr meyer...abtreten. wer als chef nur mehr geld verlangt oder menschen entlassen kann, ist für so einen posten ungeeignet.


uli Pulver

20.11.2009, 11:45 Uhr

......immer mehr Geld !! Erinnert mich irgendwie an die Krankenversicherung !


Roland Steiner

20.11.2009, 11:32 Uhr

Die Rechnung ist einfach. Ich leiste mir ein Auto und ein 1. Klasse GA. Wenn das GA so teuer wird, dass ich mir nicht mehr beides leisten kann, werde ich auf das GA verzichten. Mit dem gesparten Geld finanziere ich locker Benzin und Unterhalt. Niemand pendelt freiwillig - und ewig wird das querfinanzieren des ÖV mit steigender Belastung nicht toleriert, das sollten auch die Politiker einsehen




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