Wirtschaft

Der Mann mit den 300'000 Flaschen Wein im Keller

Mit 19 war Fabio Cattaneo Weinbroker in London. Mit 27 gehört der preisgekrönte Jungunternehmer zu den weltweit grössten Händlern edler Tropfen.

Preisgekrönter Weinhändler: Fabio Cattaneo lernte die Welt des Weines schon als kleines Kind kennen.

Preisgekrönter Weinhändler: Fabio Cattaneo lernte die Welt des Weines schon als kleines Kind kennen.
Bild: Remy Steinegger/Steineggerpix.com

Neben dem Wein sind die Zahlen die grosse Leidenschaft des Fabio Cattaneo. Bevor er den Wein zu seinem Beruf machte, hatte er sich an einer Handelsschule ins Finanz- und Rechnungswesen vertieft. Allerdings spricht er nicht gern über Zahlen, wenn es um seine Firma Arvi SA geht. Zu Umsatz und Gewinn des von ihm gegründeten Familienunternehmens will er partout nichts sagen. Oder höchstens, dass es sich beim Umsatz um grosse Zahlen handle. Mittlerweile beschäftigt er 25 Leute. 300'000 Flaschen Wein aus dem oberen und obersten Preissegment lagern in seinem Keller.

Soeben habe er einem Kunden 6000 Flaschen Bordeaux für zwei Millionen Franken verkauft, erzählt Cattaneo. Macht rund 330 Franken pro Flasche. In seinem Katalog finden sich aber auch Weine für 10'000, 20'000 oder 50'000 Franken. Der teuerste, den er derzeit am Lager hat, ist ein Château d’Yquem aus dem Jahr 1811. Kostenpunkt: 78 000 Franken. Und erst noch trinkbar. Der Weinguru Robert M. Parker habe diesen Jahrgang degustiert und ihm die Bestnote von 100 Punkten verliehen. Wie viel er an einer Flasche verdiene, hänge von Verfügbarkeit und Nachfrage ab, sagt Cattaneo. 5 bis 10 Prozent betrage die Marge bei leicht erhältlichen Weinen. Bei Raritäten könnten es bis zu 40 Prozent sein.

Eine Flasche jeden Jahrgangs

Der Sohn eines Italieners und einer Baslerin ist in Riva San Vitale am Südostzipfel des Luganersees aufgewachsen. Die Welt der Weine lernte Cattaneo bereits als kleines Kind kennen, betrieb doch bereits sein Vater eine Weinhandlung im Tessin. Mit 15 hatte er seinen ersten Sommelierkurs absolviert. Und er wollte so schnell wie möglich ins Berufsleben einsteigen. Während der Handelsschule arbeitete er bei einer asiatischen Handels- und Exportfirma in Lugano. Nach dem Abschluss wurde er Broker für edle Weine bei einer Firma in London. Und 2004, mit 21 Jahren, hat er Arvi gegründet. «Ich bin ein praktischer Typ», sagt Cattaneo. «Handel und Verkauf kann man nicht studieren, das ist eine Frage der Leidenschaft.»

Arvi steht für Arte e Vino, Kunst und Wein. Ursprünglich wollte Cattaneo die Firma mit seiner zwei Jahre älteren Schwester gründen, die Kunstwissenschaften studiert hat. Daraus ist zwar nichts geworden. Aber inzwischen haben sie die Idee in anderer Form trotzdem umgesetzt und sind mit ihrer ArTrust SA im Kunst- und Antiquitätenhandel tätig.

Chinesen kaufen wie wild

Eine Spezialität von Arvi sind vertikale Sammlungen, das heisst Weine, von denen je eine Flasche pro Jahr zu kaufen ist. Soeben hat Cattaneo zum Beispiel eine Serie Magnum Château Mouton-Rothschild von 1945 bis 2007 zusammengestellt, die 400 000 Franken kostet. Die neueren Jahrgänge finde er bei den Produzenten, die älteren bei Sammlern oder auf Auktionen. Eine solche Reihe zu komplettieren, könne zwei Monate dauern, aber auch mal zwei Jahre.

90 Prozent von Cattaneos Kunden sind andere Weinhändler, 10 Prozent sind Private. Zu Beginn hat er seine Weine hauptsächlich in Europa abgesetzt, mittlerweile aber ist Asien zum grössten Markt geworden. Im laufenden Jahr werde er die Hälfte des Umsatzes in China erzielen. Eines seiner Erfolgsrezepte sei es, aktiv neue Märkte zu erschliessen: «Andere Weinhändler warten auf die Kunden, wir suchen sie», sagt Cattaneo. So sei die Firma auch einigermassen heil aus der Krise gekommen, welche die Preise für Spitzenweine habe zusammenbrechen lassen.

Alle Zahlen und Preise im Kopf

Für seine Aktivitäten hat Cattaneo den diesjährigen Jungunternehmerpreis des Swiss Economic Forum gewonnen. Diese Auszeichnung zeige ihm und seinem Team, dass sie auf dem richtigen Weg seien, sagt Cattaneo. Und er hofft, dass der Preis auch «andere Junge motiviert, die zwar gute Ideen, aber nicht genug Mut haben». Dies sei besonders wichtig, weil der Einstieg in die eigene Firma meist mit hohen finanziellen Hürden verbunden sei. Er selber habe das Glück gehabt, dass ihm die Familie das Startkapital zur Verfügung gestellt habe. Wer das Geld von Banken brauche, habe es viel schwieriger.

Und was plant einer im Leben, wenn er mit 27 Jahren bereits so viel erreicht hat? Fabio Cattaneo lacht. «Ich habe noch viele Ideen und Ziele.» Er will das Weingeschäft weiter ausbauen, zudem ist er auch an einer IT-Firma beteiligt. «Man weiss nie, was passiert, aber ich werde wohl auch in 20 Jahren noch etwas mit Wein zu tun haben», prophezeit Cattaneo nach einer kurzen Pause. Schliesslich seien die Weine ja seine grosse Passion. 70 Prozent des Umsatzes erzielt Arvi mit 30 Weinen, die fast alle aus dem Bordeaux stammen.

«Zu diesen Produkten habe ich alle Zahlen und Preise im Kopf», sagt Cattaneo. Zahlen und Weine: eine ideale Kombination seiner beiden Leidenschaften, könnte man anmerken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2010, 21:38 Uhr

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4 Kommentare

Hans Meier

08.09.2010, 07:40 Uhr
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Die Fakten sehen aber anders aus als im Artikel beschrieben, "5 bis 10 Prozent betrage die Marge bei leicht erhältlichen Weinen". Bei einem bestimmten 2003er Bordeaux verlangt Arvi Fr. 122.00 (plus MWST), macht für den Käufer somit satte Fr. 131.25. Im Ankauf werden jedoch lediglich Fr. 85.00 geboten... Antworten


Franz Bieri

06.09.2010, 20:05 Uhr
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Hr. Cattaneos Vater hat, als grösster Weinraritätenhändler der Schweiz, seine Firma veräussert und sich dabei wohl ein Konkurrenzverbot eingehandelt. Nun umgeht also der Filius, mit Adresskartei, Beziehungen und Geld des Vaters im Gepäck eben dieses.. Tja, so wird man gefeierter Jungunternehmer. Kompliment. Antworten


Merill Marauder

06.09.2010, 14:16 Uhr
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@ Max Wartenberg: Ja, schön. Nur muss man erst einmal Kapital verfügen für so eine Idee. Banken werden jungen Menschen vielleicht einen Kaffee offerieren und dann noch einen schönen Tag wünschen. Man könnte das Kapital auch zusammensparen. Aber für Normalver'dienende' liegt das so nah wie ein Lottohauptgewinn, das wissen wir beide. Antworten


Max Wartenberg

06.09.2010, 10:22 Uhr
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Einfach super, dass ein 27-jähriger eine Firma aufgebaut hat, die 25 Personen Arbeit bietet. Solche engagierte Jungunternehmer braucht die Schweiz, möge er vielen Jungen ein Vorbild sein. Antworten



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