«Der Kapitalismus ist ein bisschen veraltet»
Aktualisiert am 18.01.2012 27 Kommentare
(rub)
-
6 Bundesräte in Davos
Widmer-Schlumpf eröffnet
Nicht weniger als sechs Mitglieder des Bundesrats reisen während des World Economic Forum (WEF) nach Davos. Am Mittwoch eröffnet Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf zusammen mit Klaus Schwab die Veranstaltung.
Während des WEF trifft sie sich zu Gesprächen mit verschiedenen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs. Nach Angaben der Bundeskanzlei will sie ausserdem bilaterale Kontakte auf höchster Ebene pflegen. Widmer-Schlumpf hält sich während des ganzen WEF – mit Ausnahme des Freitags – in Davos auf.
Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bleibt fünf Tage vor Ort. Er will Gespräche mit Wirtschafts- und Handelsministern aus verschiedenen Staaten führen. Am Samstag ist er Gastgeber eines informellen Arbeitstreffens auf Ministerebene. Rund 25 Minister wollen dabei über Möglichkeiten diskutieren, wie innerhalb der Doha- Runde der WTO ein Ausgleich unter den beteiligten Ländern gefunden werden könnte.
Auch Berset in Davos
Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), leitet am 28. Januar 2012 die WEF-Veranstaltung «Energy Summit» zum Thema nachhaltige Energiemodelle für die Städte. Leuthard besucht zudem weitere Veranstaltungen zum Thema Energie und führt bilaterale Gespräche.
Aussenminister Didier Burkhalter trifft im Rahmen des WEF die Amtskollegen verschiedener Staaten und bespricht mit diesen bi- und multilaterale Themen. Im Vordergrund stehen Treffen mit Aussenministern europäischer Staaten sowie der Länder der G20.
Der neu gewählte Innenminister Alain Berset nimmt die Gelegenheit wahr, in Davos erste Kontakte zu knüpfen mit wichtigen Akteuren namentlich aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Forschung. Verteidigungsminister Ueli Maurer plant neben einem Truppenbesuch Treffen mit Amtskollegen aus verschiedenen Ländern.
Die Details des Programms der Bundesrätinnen und Bundesräte werden erst nächste Woche bekannt. Justizministerin Simonetta Sommaruga reist als einziges Regierungsmitglied nicht nach Davos. -
Zusammenfassung
Merkel hält Eröffnungsrede
Das diesjährige Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wird wieder zu einem Stelldichein der Elite aus Politik und Wirtschaft. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Eröffnungsrede. Insgesamt kommen 2600 Teilnehmer in den Bündner Ferienort. Das ist ein neuer Rekord, wie das WEF am Mittwoch vor den Medien im Genfer Vorort Cologny bekanntgab.
Insgesamt reisen 40 Staats- oder Regierungschefs an. Neben der deutschen Regierungschefin Merkel kommen beispielsweise der britische Premierminister David Cameron sowie Regierungschefs aus Mexiko, Niederlande und Südafrika. Auch der US-Finanzminister Timothy Geithner und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon stehen auf der Teilnehmerliste.
Das diesjährige Jahrestreffen im Bündner Ferienort vom 25. bis 29. Januar steht im Zeichen der Schuldenkrise. In Davos geht es darum, Auswege aus der Krise zu finden, ohne eine Rezession heraufzubeschwören. Unter dem Motto «Der grosse Wandel: Die Gestaltung neuer Modelle» soll über Lösungen nachgedacht werden, weil die Zwangslage eine Abkehr von bisherigen Gewohnheiten unvermeidlich macht.
Nichts gelernt aus Finanzkrise
«Der Kapitalismus in der bisherigen Form passt nicht länger zu unserer Welt», erklärte WEF-Gründer Klaus Schwab. «Wir haben es verpasst, die Lehren aus der Finanzkrise von 2009 zu ziehen.» Der globale Wandel sei dringend nötig.
Während man mit grossen Risiken kämpfe, sei man immer noch belastet von den Sünden der Vergangenheit. «Wir haben eine moralische Kluft, wir sind überschuldet, wir haben die Investitionen in unsere Zukunft vernachlässigt, wir haben den sozialen Zusammenhalt unterminiert und wir laufen Gefahr, das Vertrauen künftiger Generationen zu verlieren», sagte Schwab.
Der Kampf gegen die Schuldenberge ist auch auf der Gästeliste sichtbar: So wird die griechische Regierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Lucas Papademos fehlen. Sein wegen der Schuldenkrise aus dem Amt gedrängter Vorgänger Giorgos Papandreou hatte in den beiden Vorjahren am WEF mehrfach zugesichert, dass Griechenland seine Staatschulden pünktlich und vollständig bedienen werde. Doch trotz aller Sparanstrengungen steuert das Land weiter auf den Staatsbankrott zu, weil die Gespräche über die Beteiligung von privaten Gläubigern an einem Schuldenverzicht in der Sackgasse stecken.
Fast ganze Schweizer Regierung da
Die Bedeutung der Finanzlage zeigt sich auch an der Beteiligung von den Finanzinstitutionen. Es kämen Minister aus 19 der G20- Länder, sagte der für die Beziehungen zu Regierungen zuständige WEF- Direktor Borge Brende. Alle Finanzminister der G8-Staaten hätten zugesagt.
Zudem kämen 18 Chefs der wichtigsten Zentralbanken nach Davos. An der Spitze steht der neue Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Auch sein Vorgänger Jean-Claude Trichet ist geladen. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) reist der interimistische Präsident Thomas Jordan an, nachdem Philipp Hildebrand letzte Woche abrupt zurückgetreten war.
Von den internationalen Finanzinstitutionen haben sich die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, und Weltbank-Chef Robert Zoellick angekündigt.
Aus der Schweiz reist praktisch die ganze Regierung nach Davos. Lediglich Justizministerin Simonetta Sommaruga kommt nicht. Hingegen wird IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in den Bündner Bergen erwartet.
Allerdings gibt es auch prominente Abwesende: Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff habe bereits vor dem Hochkochen seiner Affären abgesagt, hiess es am Rande der Medienkonferenz. Die Wahlen in Frankreich und Russland werfen ebenfalls ihre Schatten voraus. Weder der französische Präsident Nicolas Sarkozy noch Kreml-Chef Dmitri Medwedew reisen dieses Jahr an. Beide hatten im Vorjahr vielbeachtete Auftritte am WEF. -
Video
Aufzeichnung der Pressekonferenz
Watch live streaming video from worldeconomicforum at livestream.com -
Occupy WEF
Die Occupy-Bewegung wird während des World Economic Forum (WEF) in Davos keine Demonstration auf dem zentralen Arkadenplatz durchführen. Der Kanton Graubünden setzte sich mit seiner ablehnenden Haltung durch und einigte sich mit den WEF-Kritikern auf einen anderen Standort. Die WEF-Gegner haben als Alternative den etwas weniger zentral gelegenen Rathausplatz in Davos Platz akzeptiert, wie der WEF-Ausschuss der Bündner Regierung am Mittwoch mitteilte. Auch die Gemeinde Davos, welche die Veranstaltung auf dem Arkadenplatz bewilligen wollte, ist mit dem Kompromiss einverstanden. (sda)
-
12:00 Uhr
«Ist das WEF eine Art Weltregierung?», fragt ein Journalist. «Wir sind keine Weltregierung. Wir treffen keine Entscheidungen», antwortet Klaus Schwab. Der WEF-Präsident erklärt: «Es ist ein gigantisches Brainstorming. Davos ist ein Schmelztiegel für Ideen. Es gibt zahlreiche Themenbereiche. Doch wir brauchen ganzheitliche Ansätze. In Davos bringen wir die Leute zusammen, um über die Probleme zu diskutieren.» Schwab schliesst die Informationsveranstaltung in der Hoffnung, dass in einigen Bereichen dieses Jahr auch Lösungen gefunden werden.
-
11:52 Uhr
Ein Journalist fragt, ob jemand von Occupy Wall Street eingeladen wurde. Kommunikationsbeauftragter Monck verweist auf das Open Forum im Rahmen des WEF, das leider oft in der Berichterstattung untergehe. Dort könnten Vertreter der Zivilgesellschaft über diverse Themen diskutieren. Klaus Schwab fügt an, dass das WEF immer offen sei, für alle die gute Ideen vorzutragen hätten. Er verweist auf die Schwierigkeit festzustellen, wer die jeweiligen Bewegungen vertreten dürfe.
Monck ergänzt, dass dieses Jahr auch zahlreiche Vertreter der arabischen Revolutionsbewegungen erwartet werden. Am WEF werden sie über die weiteren Perspektiven des arabischen Frühlings diskutieren. -
11:45 Uhr
Ein Journalist fragt, ob Klaus Schwab immer noch an den Kapitalismus als bestes Modell glaube. Schwab antwortet: «Der Kapitalismus ist ein bisschen veraltet». Das knappe Gut sei heute nicht mehr Kapital, sondern Talent. Er glaube schon an die freie Marktwirtschaft, aber er habe auch immer gesagt, Kapitalismus sei nicht mit der Maximierung des Sharholder Value gleichzusetzen.
Schon zuvor erklärte WEF-Gründer Schwab: «Der Kapitalismus in der bisherigen Form passt nicht länger zu unserer Welt». «Wir haben es verpasst, die Lehren aus der Finanzkrise von 2009 zu lernen.» Der globale Wandel sei dringend nötig. -
11:35 Uhr
Sarita Nayyar (im Bild) ist für die Konsumindustrien zuständig innerhalb des WEF. Top-Themen aus diesem Bereich werden Wasser- und Ernährungssicherheit sein. Hier wird ein Fokus auf der Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und Regierungen liegen. Ein Projekt aus Tansania, bei dem Bauern, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Regierung zusammenarbeiten, werde am WEF vorgestellt. Die Initiative habe 400'000 Arbeitsplätze geschaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt unter anderen wird die Internetsicherheit sein, sagt Sarita Nayyar. -
11:30 Uhr
Robert Greenhill (im Bild), der für die Wirtschaft zuständig ist, verspricht Diskussionen über grüne Technologien. Viele neue Ansätze kämen hier von südlichen Staaten. Auch das Thema Korruption sei oben auf der Agenda. Wirtschaftsführer werden auch über Ernährungssicherheit reden.
-
11:25 Uhr
Borge Brende (im Bild), der für die Beziehungen des WEF zuständig ist, kündigt 40 Staats- oder Regierungschefs an. Neben der deutschen Regierungschefin Merkel kommen beispielsweise der britische Premierminister David Cameron oder Regierungschefs aus Mexiko, Niederlande oder Südafrika. Auch der US-Finanzminister Timothy Geithner, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon oder die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, haben sich angekündigt. Alle Finanzminister der G8 werden anwesend sein.
Zahlreiche Vetreter der Zivilgesellschaft, Gewerkschaftsführer und Geistliche werden ebenfalls erwartet. Auch Brende unterstreicht die Anwesenheit junger Führer am diesjährigen WEF. -
11:20 Uhr
Lee Howell stellt die Themen des WEF-Treffens 2012 vor. Gesellschaftliche Themen, wie globale Risiken, Energiesicherheit werden auf der Agenda stehen. Auch eine Diskussion über Kapitalismus soll stattfinden. Managementfragen werden mit speziellem Fokus auf den jungen Führern diskutiert. Arbeitsgruppen werden sich unter anderem auch mit den Themen Ernährungssicherheit, Gesellschaft und Technologie beschäftigen.
-
11:16 Uhr
Lee Howell (im Bild), der Zuständige für die weltweiten Veranstaltungen des WEF freut sich, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die Eröffnungsansprache halten wird. Auch der südafrikanische Bischof und Nobelpreisträger Desmond Tutu werde nach Davos kommen.
-
11:15 Uhr
Das WEF-Jahrestreffen sollte viel mehr sein, als nur ein Wirtschaftstreffen. Das sei seine Hoffnung, sagt Klaus Schwab. Es soll ein Forum sein, wo die Zukunft der Welt besprochen werde.
-
11:12 Uhr
Das WEF nimmt eine neue Gemeinschaft von jungen Machern auf. Die Hälfte der Weltbevölkerung sei jünger als 27 Jahre, begründet Klaus Schwab diesen Schritt. Die besten Talente zu fördern und zu integrieren sei wichtig. Man müsse auch einsehen, dass weder die Regierungen, noch die Wirtschaft, noch die Zivilgesellschaft alleine die Probleme lösen können. Es brauche neue Modelle, um die Welt zu ändern. Ziel sei eine grünere und sozialverträglichere Welt.
-
11:10 Uhr
Unter anderem sei auch die soziale Kohärenz strapaziert, sagt Klaus Schwab (im Bild). Die Occupy-Bewegungen des letzten Jahres seien nur eines von mehreren Zeichen für die wachsenden Spannungen. Man dürfe aber nicht einfache Antworten oder Schuldenböcke suchen.
-
11:05 Uhr
Kommunikationsbeauftragter Adrian Monck (im Bild) stellt die Teilnehmer der Informationsveranstaltung vor und gibt das Wort an WEF-Direktor Klaus Schwab. Dieser diagnostiziert eine Art weltweites Burnout. Er verweist auf einen Bericht, der 50 globale Risiken auflistet. Viele davon spitzten sich zu.
-
Ausgangslage
Das World Economic Forum orientiert heute um 11 Uhr in Cologny GE über das anstehende Jahrestreffen in Davos. Vom 25. bis am 29. Januar werden wieder zahlreiche Politiker und Wirtschaftsführer erwartet. Offenbar wollen auch sechs Bundesräte die Gelegenheit zur weltweiten Kontaktpflege nutzen, wie die Nachrichtenagentur sda mitteilte.
Abgesagt hat der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der wegen des Vorwurfs der Begünstigung und des Drucks auf Medienvertreter unter Beschuss steht.
Die Occupy Bewegung hatte am Montag über ihre Pläne informiert. In einem Iglu-Camp werden rund 50 Demonstranten erwartet. Es seien diverse Aktionen geplant. Die Kritiker des Treffens in Davos werfen den Mächtigen vor, ohne demokratische Legitimation Entscheide zu treffen.
«Die grosse Transformation»
Das Jahrestreffen des WEF steht 2012 unter dem Motto «Die grosse Transformation: Neue Modelle erschaffen». WEF-Gründer und Präsident Klaus Schwab (im Bild) schreibt auf der Homepage des Weltwirtschaftsforums, es fehlten Konzepte, um die gegenwärtigen Herausforderungen zu meistern. Es gehe darum, die westlichen Wirtschaften wieder ins Lot zu bringen, ohne in die Rezession abzugleiten. Und die aufstrebenden Länder stünden vor dem Problem, die Inflation in Schach zu halten und künftige Wirtschaftsblasen zu verhindern.
(rub)
Erstellt: 18.01.2012, 10:44 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
27 Kommentare
Unglaublich, dass es dieses Ferienlager immer noch gibt. Gebracht hat es bis anhin überhaupt nichts als gegenseitige Bauchpinselei und Gratisskiurlaub. Auch die EURO-Krise hats nicht verhindert. Soviel zur Kompetenz in diesem Lager. Antworten
das wef ist nichts anderes als ein "jet-set-treffen" wo selbsternannte wirtschafts-gurus und politiker dem "sehen und gesehen werden" frönen; nichts weiter. ich kann mich nicht erinnern, dass an diesem plausch jemals konkret etwas bewegt wurde, ausser dem schöngeistigen austausch im sinne von "sollte, würde, könnte." fazit abschaffen. kostet nur und bringt nix. nettes schulreisli für unsere bu's. Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Bitte warten

