Der Jobabbau erfolgt scheibchenweise
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 22.11.2011 45 Kommentare
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Der Blick in die Arbeitsmarktstatistik des Sekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigt vor allem eines: Die Schweizer Arbeitnehmer stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch vergleichsweise gut da. Die Arbeitslosenquote liegt europaweit auf dem Rekordtief von 2,9 Prozent. Das sind um 17,4 Prozent weniger Arbeitslose als im Oktober 2010. Doch die Arbeitslosenquote steigt langsam – aber sicher. Für 2012 prognostiziert das Seco 3,4 Prozent.
Tausende Mitarbeiter auf der Strasse
Grosse Unternehmen im Inland mussten bei den Mitarbeitern bereits deutlich Federn lassen. Die grössten Jobverluste hat es bis jetzt in der Finanzbranche gegeben. Bei UBS, Credit Suisse, EFG oder Julius Bär mussten insgesamt mehr als 1600 Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Und so geht es weiter: Die Maschinen-, Metall- und Elektrobranche hat mehr als 1000 Mitarbeiter in der Schweiz verloren, der Pharmariese Novartis circa 1100, bei Roche sind es seit 2010 fast 500. Im Energiebereich haben Alpiq und BKW zusammen rund 280 Mitarbeiter auf die Strasse gesetzt. Und Verkehrsbetriebe wie die SBB oder das Flugunternehmen Jet Aviation haben hierzulande insgesamt fast 500 Mitarbeiter in der Schweiz entlassen.
Die Branchenstatistik lässt da wenig hoffen. Nach Sektoren sind die Bereiche Dienstleistung und Industrie aktuell die grössten Verlierer. Im Gastgewerbe steht die Arbeitslosenrate im Oktober bei 7,5 Prozent. Die Freizeitwirtschaft verzeichnet einen Arbeitslosenstand von 4,6 Prozent. Auch die Vorzeigebranche der Schweizer Wirtschaft, die Uhrenindustrie, hat eine Arbeitslosenquote von immerhin 4,1 Prozent.
Exporte gehen zurück
Die Konjunkturabkühlung und der anhaltend starke Franken werden vor allem für die exportorientierte Industrie zum Dauerthema: Das Exportwachstum hat sich von drei Prozent plus auf nur noch 1,5 Prozent verlangsamt. Diese Zahl hat die Eidgenössische Zollverwaltung heute veröffentlicht. Das Ergebnis folge einem seit Monaten anhaltenden Trend, so die Behörden.
Die Gewerkschafter schlagen Alarm. Immerhin werde jeder zweite Franken im Ausland verdient. «Derzeit sind vor allem noch Leiharbeiter in der Industrie und im Baugewerbe betroffen», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizer Gewerkschaftsbunds. Bei den Festanstellungen sei der Trend noch nicht so deutlich ausgeprägt. «Aber die Lage verschärft sich merklich. Die Aufträge werden weniger, die Industrie rückt immer mehr in den Fokus.»
«Radikale Konsequenzen»
Nicht nur die Grosskonzerne werden von der schwächeren Konjunktur erfasst. Besonders hart trifft es immer mehr kleinere Unternehmen. «Insbesondere die Bereiche Textil und Papier, weil es diesen Branchen schon vor der Konjunkturabkühlung nicht sehr gut ging», sagt Lampart. «Der starke Franken kommt dazu, das erhöht den Margendruck, und die Unternehmen müssen radikale Konsequenzen ziehen.»
Während einige Exportunternehmen bereits nach dem Strohhalm greifen, setzt die amtierende Regierung weiterhin auf ihr Massnahmenpaket von 500 Millionen Franken für die Unternehmen. Sollte wieder Kurzarbeit notwendig werden, um die Auftragsrückgänge abzufedern, dann können die Unternehmen bei den kantonalen Arbeitsmarktbehörden Kurzarbeitsentschädigung beantragen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.11.2011, 13:56 Uhr
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45 Kommentare
Auch wenn es einige hier nicht gern hören: Jetzt wird die PFZ zum Boomerang. Ich sehe eh keinen einzigen grossen Kostenblock (Mieten, Krankenkassen etc.) für den Bürger der seit PFZ geringer geworden wäre. Ganz im Gegenteil. Bis jetzt hat mir noch kein Politier die PFZ plausibel erklären können. Jetzt mit der Wirtschafts-Misere werden noch die Sozailwerke drankommen. Auf steigende Steuern! Antworten
Natürlich ist ein Jobverlust immer schmerzlich und ich wünsche ihn niemanden. Doch sind Hoch und Tiefs in der Wirtschaft genauso normal wie in der persönlichen Gefühlslage.
Haben wir in der Schweiz nicht in den letzten Jahren ob dem rasanten Wachstum und den Folgen (viele Zuwanderer, Bauboom, Stau) geklagt, wenns nun ein bisschen ruhiger wird ist das vielleicht auch gut.
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