Wirtschaft

Der «Datenklauer» bei der Genfer HSBC hat sich geoutet

Völlig überraschend hat sich am Sonntag jener Mann der Öffentlichkeit präsentiert, der als Mitarbeiter der Genfer Filiale von HSBC Tausende Bankdaten gestohlen hat.

Bestohlen: Aus der Genfer Niederlassung der Bank HSBC wurden Kontodaten entwendet.

Bestohlen: Aus der Genfer Niederlassung der Bank HSBC wurden Kontodaten entwendet.
Bild: Reuters

Lange wurde um seine Identität spekuliert, jetzt hat er sich geoutet: Hervé Falciani.

Lange wurde um seine Identität spekuliert, jetzt hat er sich geoutet: Hervé Falciani.

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Hervé Falciani, ein französisch-italienischer Doppelbürger, schilderte in den Abendnachrichten des französischen Staatssenders France 2 seine Beweggründe.

Falciani, der von 2002 bis 2008 für die Bank arbeitete, sagte im Interview, er habe sich als Informatiker der HSBC (HSBA 69.3 -0.57%) empört über Praktiken seines Arbeitgebers, die allein «zur Unterschlagung und zur Vertuschung» gedient hätten. «Was machen Sie, wenn Sie so etwas herausfinden? Entweder stecken Sie den Kopf in den Sand, oder Sie versuchen zu verstehen.» Falciani sagte, er sei geschockt gewesen über das «dunkle System» und habe die Vorgesetzten mehrmals darauf angesprochen. Als diese nicht reagierten, habe er begonnen, Daten auf seinen Computer zu laden. «Ich sammelte Informationen in einem System, zu dem wir freien Zugang hatten.» Er kopierte Tausende von Files.

Am 22. Dezember 2008 wurde er in den Genfer Büros der Bank festgenommen, tags darauf wieder freigelassen. Falciani reiste mit Frau und Kind nach Nizza. Am 22. Januar 2009 wurde er auf Antrag der Schweiz erneut verhaftet. Die Justiz beschlagnahmte seinen Computer, konnte jedoch ohne Falcianis Hilfe nichts anfangen mit den Daten. Er half bei deren Entschlüsselung.

«Wir haben 130'000 Namen»

Insgesamt sind so 130'000 Namen zusammengekommen, sagte der Staatsanwalt von Nizza, Eric de Montgolfier, der vor einigen Monaten mit dem Fall betraut worden war, in einem Interview mit der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche». «Es handelte sich nicht um eine simple Liste mit Namen, sondern um ein komplexes, verschlüsseltes System», sagte Montgolfier. Und weiter: «Noch ist nicht klar, ob es sich hier um die Namen aller Kunden der HSBC handelt.» Die Bank hatte bisher behauptet, die gestohlenen Daten würden «weniger als zehn» Kunden betreffen.

Bisher war Identität und Aufenthaltsort Falcianis aus Sicherheitsgründen geheimgehalten worden. In den Medien wurde viel spekuliert über den Mann. Wurde er bezahlt für die Daten? Wo versteckt er sich? Was treibt ihn an? Falciani sagte nun: «Nein, ich habe kein Geld erhalten, nein, ich habe keine Listen übermittelt, nein, ich habe keine Angst, nein, ich verstecke mich nicht – nein, nein, nein, nein.» Unklar scheint noch, wann die Daten an die französischen Steuerbehörden gelangten und wer sie aushändigte: Falciani selber? Oder der Untersuchungsrichter? Davon könnte abhängen, ob die Steuerfahndung die Daten überhaupt nutzen darf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2009, 04:00 Uhr


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...