Wirtschaft
Der Bond-Krimi um den 134-Milliarden-Dollar-Schmuggel
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Italienische Behörden haben letzte Woche zwei Japaner festgenommen. Die beiden sollen versucht haben, amerikanische Staatsobligationen in der Höhe von 134 Milliarden Dollar über die Grenze in die Schweiz zu schmuggeln. Die Papiere waren in Koffern mit doppelten Böden versteckt. Die Geschichte macht nachdenklich.
Das Ganze kann natürlich ein ganz banaler Betrug sein: Die Bonds (englisch für Obligationen) sind gefälscht, die beiden Männer wandern ins Gefägnis, das wars. Andere Erklärungen klingen eher fantastisch: Die beiden Japaner sind Agenten im Dienste des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il, der in der Schweiz Geld verstecken will. Oder der nigerianischen Mafia. Oder einer Terrororganisation, die damit Atomwaffen kaufen wollte.
Ernsthafte Sorgen
Jenseits der Fantasien gibt es jedoch auch ernsthafte Sorgen: 134 Milliarden Dollar, das sind rund 145 Milliarden Franken. Also mehr als ein Viertel des Schweizerischen Bruttoinlandprodukts von aktuell rund 520 Milliarden Franken. Wenn die Bonds echt sind, dann sind diese beiden Männer (oder ihre Hintermänner) die viertgrössten Gläubiger der USA.
Der Wert des Dollars entscheidet derzeit in einem hohen Ausmass über den weiteren Verlauf der Wirtschaftskrise. Er bestimmt vor allem das Verhältnis zwischen den USA und China. Die Chinesen sitzen inzwischen auf einem Dollar-Schuldenberg von sagenhaften 2000 Milliarden Dollar. Sie haben damit ihre Exporte in die USA erleichtert, indem sie ihre eigene Währung, den Renminbi, künstlich tief halten. Als Investition hingegen ist dies ein miserables Geschäft. Der Dollar hat im Laufe der Krise stets an Wert verloren. Die 2000 Milliarden sind also immer weniger wert. Sollte der Dollar weiter einbrechen, sind die Chinesen die grossen Verlierer.
Angst vor dem Dollar-Crash
Vor einem Dollar-Crash fürchtet sich die Welt am meisten. Es würde zwangsläufig einen Handelskrieg zwischen den USA und China auslösen. Das Finanzsystem mag sich stabilisieren, die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung mögen sich mehren: Wenn der Dollar nicht stabil bleibt, war alles für die Katz. Er ist und bleibt Dreh- und Angelpunkt des internationalen Finanzsystems. Angesichts der gewaltigen Verschuldung – der grössten in Friedenszeiten überhaupt – wächst die Angst, dass der Dollar abstürzen und damit eine weltweite Hyperinflation auslösen könnte.
So gesehen ist es alles andere als beruhigend, was an der Schweizer Grenze passiert ist. Hoffen wir, dass die Bonds gefälscht sind. Wenn nicht, dann haben zumindest die Italiener das Geschäft ihres Lebens gemacht: Sie dürften 40 Prozent des Wertes der Bonds für sich behalten. Das wären immerhin über 53 Milliarden Dollar. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 17.06.2009, 12:15 Uhr
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