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«Das regnerische Juli-Wetter hat auch nicht gerade geholfen»

Interview: Norbert Raabe. Aktualisiert am 08.10.2011 17 Kommentare

Im August ist die Zahl der Hotelübernachtungen in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken. Daniela Bär von Schweiz Tourismus über Gründe, Aussichten – und neue Märkte für die Zukunft.

Kampf gegen den Eurokurs: Bei den Jungfraubahnen werden online gebuchte Pauschalreisen mit Übernachtungen in sechs Hotels in Interlaken mit einem Wechselkurs von 1.50 verrechnet.

Kampf gegen den Eurokurs: Bei den Jungfraubahnen werden online gebuchte Pauschalreisen mit Übernachtungen in sechs Hotels in Interlaken mit einem Wechselkurs von 1.50 verrechnet.
Bild: Keystone

Hoffnung auf bessere Zeiten: Daniela Bär ist Mitglied der Geschäftsleitung von Schweiz Tourimus und Leiterin der Unternehmenskommunikation. (Bild: Keystone )

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Frau Bär, die Zahl der Übernachtungen in der Hotellerie ist im August gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 6,3 Prozent gesunken. Vor allem Gäste aus Europa blieben weg; für Deutschland beträgt das Minus sogar 13 Prozent. War aus Ihrer Sicht mit einem solchen Verlust zu rechnen?
Auch wenn uns das Minus schmerzt, haben wir damit gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir mit der Parität von Euro und Franken den Währungstiefpunkt erreicht. Ausserdem hatten wir schon in den Monaten davor unter dem starken Franken gelitten. Das regnerische Juli-Wetter hat für Spontanbuchungen im August auch nicht gerade geholfen. Die Kurzentschlossenen hat es eher in Richtung Süden gezogen.

Lässt sich der Rückgang alleine durch den starken Franken erklären?
Wir gehen davon aus, dass die Gründe zu einem überwiegenden Teil auf die Frankenstärke zurückzuführen ist: Der Rückgang der Logiernächte verläuft parallel zur Erstarkung der Währung. Allerdings hat auch das schlechte Wetter in Nordeuropa diese Auswirkungen noch verstärkt.

Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Asien ist unterdessen gestiegen. Wie sehen Sie das Potenzial dieses Marktes?
Bei den Besuchern aus China konnten wir von Januar bis August 47 Prozent an Hotellogiernächten zulegen; im August alleine waren es 65 Prozent. Daneben haben wir noch andere strategische Wachstumsmärkte wie Indien, Russland, die Golfländer, Korea oder Brasilien mit hohen zweistelligen Zuwächsen. Dort dürfen wir auch in den kommenden Jahren mit einem markanten Wachstum rechnen.

Könnte der Zuwachs die Verluste im europäischen Raum künftig ausgleichen?
Heute können diese Märkte die Rückgänge aus dem Euroraum noch nicht kompensieren. Aber sie helfen durchaus schon dabei, das Minus abzufedern.

Schweiz Tourismus hat mit einer aufwendigen Sommerkampagne bereits versucht, Gegensteuer zu geben – vor allem auf dem inländischen Markt. Glauben Sie, dass langfristig immer mehr Schweizer lieber im Ausland Ferien machen werden?
Nein, das glaube ich nicht. Die Schweizerinnen und Schweizer lieben ihr Land, sind sehr loyale Kunden und führen noch immer die Gästeliste an. Obwohl sie durch das preiswertere Ausland angelockt wurden, haben wir insgesamt ein fast gehaltenes Resultat, nämlich ein Minus von 0,2 Prozent von Januar bis August. Das darf man als Erfolg bezeichnen.

Im August waren es im Vorjahresvergleich aber rund 300'000 Übernachtungen weniger…
Den aktuellen Rückgang führen wir vor allem auf das schlechte Wetter im Juli zurück. Diejenigen, die ihre Ferien noch nicht gebucht hatten, wollten wegen des regnerischen Wetters nicht hier bleiben. Ausserdem sind die Zahlen nicht vollständig. Die gesamte Parahotellerie fehlt in der Erfassung, also die Übernachtungen ausserhalb von Hotels in privaten Pensionen, auf Campingplätzen und an anderen Orten.

Mit einem neuen Webauftritt und einer Social-Media-Kampagne war Ihre Organisation auch online präsenter als zuvor. Wie waren die Reaktionen darauf?
Die Reaktionen waren sehr positiv. Die Schweiz hat sich überraschend und humorvoll in diesen neuen Medien positioniert. Und das hat wiederum zu vielen zusätzlichen Anfragen geführt.

Könnten Sie das beziffern?
Bei unserer Kampagne «Ferien ohne Internet», bei der man einen Urlaub gewinnen konnte, haben wir fast 400'000 Visits registriert. Und wir haben rund 40'000 neue «Friends» auf Facebook dazugewonnen.

Wie schätzen Sie die Aussichten für die kommende Wintersaison ein?
Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang im Winter. Allerdings dürfte er deutlich moderater ausfallen als im Sommer. Und dann hoffen wir, den Boden für eine positive Entwicklung erreicht zu haben. Mitentscheidend werden die Wetter- und Schneeverhältnisse sein: Wenn diese Bedingungen stimmen, dürfte das vor allem im Inland zu zusätzlichen Spontanbuchungen führen.

Das Parlament hat die Mittel für die Standortförderung für die Jahre 2012 bis 2015 bereits deutlich erhöht. Wie sieht Ihre Strategie für diese Zeit aus?
Wir werden die Diversifizierung mit höchster Priorität in Märkten vorantreiben, die weniger währungsempfindlich sind. Zum Beispiel in Indien, China, Brasilien aber auch in den nordischen Ländern. In diesen Wachstumsmärkten werden wir auch überproportional investieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.10.2011, 15:56 Uhr

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17 Kommentare

Bernd Rudi

06.10.2011, 17:33 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Warum soll ich als Deutscher in die Schweiz zum Skifahren oder in den Urlaub wenn ich auf das Preis- Leistungsverhältnis sehe? Wenn die Fremdenverkehrsexperten die Kommentare die sich mit Deutschland befassen hier mal durchlesen wissen sie gleich warum gerade die Deutschen in den Grenzregionen nicht mehr kommen. Um angepöbelt zu werden brauche ich nicht nach CH fahren. Antworten


Jörg Müller

06.10.2011, 18:22 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Die Schweiz war schon immer etwas teurer und jetzt ist sie noch teurer geworden. Und dann können die Deutschen die Wahlkampfplakate hier lesen und die Kampagne einer gewissen Partei stösst gerade in D auf sehr viel Missfallen. Ich hatte jetzt Besuch aus D und wurde entsetzt gefragt, was hier gerade passiert. Die Schweiz baut gerade am Image "teuer und ausländerfeindlich". Antworten



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