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Das Verstummen der KPT-Delegierten

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 18.01.2012 1 Kommentar

Nächste Woche tagen die Delegierten der KPT. So viel ist klar: Sie werden dem neuen Verwaltungsrat viele Fragen zu den Mauscheleien des alten Verwaltungsrates stellen. Nach aussen hin geben sich die Delegierten aber zugeknöpft: Sogar der Termin der Delegiertenversammlung hätte geheim bleiben sollen.

Eine Mauer des Schweigens: Das Verwaltungsgebäude der Beamtenkasse KPT  in Bern.

Eine Mauer des Schweigens: Das Verwaltungsgebäude der Beamtenkasse KPT in Bern.
Bild: Christian Pfander

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Das sind die Delegierten

Hans Aliesch, pensioniert, ehemaliger KPT-Verwaltungsrat
Hans Bollet, pensioniert, langjähriger Mitarbeiter der KPT mit Organvertretung
Josef Bühlmann, Krankenkasse Malters AG
Philippe Delachaux , Pharmazeut, Ex-KPT-Verwaltungsrat
Ulrich Giezendanner, Unternehmer, SVP Nationalrat
Hanspeter Hofer, pensioniert, langjähriger Mitarbeiter der KPT mit Organvertretung
Walter Järmann, «login» Berufsbildung in Landquart, vormals langjähriger Mitarbeiter der KPT mit Organvertretung
Beat Kempter, Versicherungsfachmann
Daniel Kramer, VR-Delegierter Emch+Berger Holding AG
Paul Lenherr, pensioniert, langjähriger Mitarbeiter der KPT mit Organvertretung
Markus Loeffel, Finanzchef Eidg. Zollverwaltung, vormals langjähriger KPT-Mitarbeiter mit
Organvertretung
Hans Rudolf Matter, Geschäftsführer Krankenkasse Publisana
Danielle Merki, Übersetzerin, Hausfrau und Mutter
Peter Merz, Vorstandspräsident Krankenkasse Publisana
Claude Morel, pensioniert, langjähriger Mitarbeiter der KPT mit Organvertretung
Claude Portmann, Verwaltungswirtschafter
Peter Schär, pensioniert, früher Peugeot Schweiz AG
Fred Scholl, Stv. Generalsekretär Personalverband des Bundes
Emil Schuler, langjähriger KPT-Mitarbeiter mit Organvertretung
Maria Trittibach-Däppen, Sachbearbeiterin, vormals langjährige Mitarbeiterin der KPT mit Organvertretung
Hans Martin Tschudi, Rechtsanwalt, ehem. Regierungsrat BS

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Eigentlich bilden die 20 Delegierten der KPT-Genossenschaft das «Oberste Organ» der Krankenkasse. So steht es in den Statuten. Sie wählen den Verwaltungsrat, und dieser muss ihnen die Jahresrechnung zur Genehmigung vorlegen.

Doch nun, da die Finanzmarktaufsicht die unrechtmässige Bereicherung des Verwaltungsrates aufgedeckt hat, macht dieses oberste Gremium eher den Anschein eines verschüpften Haufens hilfloser Untergebener, die im Gefühl leben, ohne Erlaubnis nichts sagen zu dürfen über ihr Unternehmen: Nur gerade 2 der 12 kontaktieren Delegierten waren bereit, einen Kommentar zum letzte Woche bekannt gewordene Fehlverhalten ihres Verwaltungsrates abzugeben.

Der Delegierte Josef Bühlmann sagt: «Wir wurden zu wenig informiert.» Er habe nichts gewusst von den gesetzeswidrigen Mandatsverträgen. Der zweite und letzte Delegierte, der bereit ist, das Schweigen der Delegierten immerhin mit einem kurzen inhaltsarmen Satz zu brechen, ist Hans Martin Tschudi, ehemaliger Regierungsrat des Kantons Basel Stadt: «Möglicherweise ist es eine interessante Fragestellung, ob die Delegiertenversammlung im Lichte des Aufsichtsberichts noch den richtigen Stellenwert hat», sagt er. Mehr will auch er nicht sagen.

Alle anderen angefragten KPT-Delegierten – zum Teil bekannte Persönlichkeiten – verweisen auf die Pressestelle. Etwa Claude Portmann, von Berufes wegen Leiter Truppenrechnungswesen beim VBS, und Daniel Kramer, Verwaltungsratsmitglied bei Emch+Berger.

Die «geheime» Versammlung

Allerdings: Auch die genannte Medienstelle hüllt sich bei wichtigen Fragen in Schweigen. Selbst, die Tatsache, dass nächste Woche eine Versammlung der Delegierten stattfindet, ist bei der KPT offenbar geheim. Sie wollte den Termin offiziell nicht bestätigen, obwohl es an der Delegiertenversammlung bloss um die Wahl neuer Verwaltungsräte geht. Die Geheimniskrämerei passt zur Kommunikation der ehemaligen Beamtenkasse: Auch über die vom Verwaltungsrat zu Unrecht veranlassten Finanzströme hat sie nie Rechenschaft abgelegt.

Zur Erinnerung: Letzte Woche stellte die Finanzmarktaufsicht (Finma) in einem Untersuchungsbericht fest, dass KPT-Verwaltungsratspräsident Walter Bosch und sein Vize Bernhard Liechti zusätzlich zu ihrem Verwaltungsratshonorar Geld aus Mandatsverträgen bezogen, für die sie nie eine Leistung erbracht hatten. Deshalb und wegen eines geplanten gesetzeswidrigen Aktienrückkaufs sprach die Finma für beide ein 4-jähriges Berufsverbot aus.

Mit der Auflage, nicht namentlich erwähnt zu werden, waren einige Delegierte immerhin bereit, sich anonym, zu äussern: Man werde dem neuen Verwaltungsrat an der Versammlung viele Fragen im Zusammenhang mit diesen Vorfällen stellen, sagten mehrere. Von anderer Seite war zu hören, dass die Vorfälle die Organisationsstruktur der KPT infrage stelle. Diese ist in der Tat reichlich kompliziert. Die KPT besteht aus einer Holding mit sechs Tochtergesellschaften. Die Holding wiederum ist im Besitz zweier KPT-Genossenschaften: der Genossenschaft KPT Versicherungen und der Genossenschaft KPT Krankenkasse.

Schuld der Delegierten?

Das Schweigen der KPT-Delegierten wirft Fragen auf: Sind sie mitverantwortlich an den Verfehlungen des Verwaltungsrates? Hatten sie den Verwaltungsrat zu wenig kontrolliert? Waren sie gar Mitwisser oder Trittbrettfahrer? Immerhin hätten sie von einem Teil der Mauscheleien des Verwaltungsrates selber auch profitiert – nämlich vom ominösen Aktienrückkaufsprogramm. Einige Delegierten hätten beim Aktienrückkauf bis zu 150'000 Franken verdient.

Trotz allem: Es sieht so aus, als dass sich die Delegierten nach derzeitiger Faktenlage nichts zuschulden kommen liessen. Bezüglich Kontrolle oder Mitwissertum kann man ihnen kaum etwas vorwerfen. Denn der Verwaltungsrat hat das Aktienrückkaufprogramm im Alleingang lanciert. Und die gesetzeswidrigen Mandatsverträge, über welche sich Verwaltungsräte bereicherten, waren so trickreich versteckt, dass über all die Jahre nicht einmal die offiziellen unabhängigen Revisoren stutzig geworden sind.

Autor> (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.01.2012, 12:14 Uhr

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1 Kommentar

Roland Hauser

18.01.2012, 13:14 Uhr
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Wenn ich so die Liste der Delegierten ansehe muss ich sagen ein echtes Altersheim.
Warum können solche Pensionierte noch immer solche Posten besetzen? Sicher wie bewiesen, nur wegen Ihrem Geldgier!
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