Das Phänomen Dubai
Von Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 28.11.2009
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Als der Dubai-Experte Christopher M. Davidson im Sommer 2008 sein Buch «Die Verwundbarkeit des Erfolgs» publizierte, wurde er als Schwarzmaler beschimpft.
Wenige Monate später traf die Finanzkrise Dubai mit voller Wucht. «Dubai steht ein Tal der Tränen bevor. Aber in den wichtigsten Sektoren ist bereits eine kritische Masse angehäuft. Das Phänomen Dubai hat ein solides Fundament», erklärte Eckart Woertz, Ökonom am Gulf Research Center in Dubai, als sich abzeichnete, dass die Wolkenkratzer nicht in den Himmel wachsen. Die Preise im Immobiliensektor, neben dem Tourismus die wichtigste Stütze der Wirtschaft, sind mit fast 50 Prozent stärker eingebrochen als erwartet. Die Vermögenswerte der Regierung und der mit ihr verhängten Immobilienfirmen übertreffen die Schulden zwar um ein Mehrfaches, aber mit den Erträgen können die Zinsen nicht bezahlt werden.
Abu Dhabi plante sorgfältiger
Dubai ist eines von sieben der Vereinigen Arabischen Emirate. Fünf sind sehr klein; das siebte, Abu Dhabi, ist unermesslich reich. Dubais Herrscher Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum hat früh auf die versiegenden Ölvorräte reagiert und diversifiziert. Heute steuert Öl nur noch 5 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Dubais Erfolg in den Boomjahren hat andere Golfländer bewogen, sein Modell teilweise zu kopieren. Sie haben aber auch aus den schlechten Erfahrungen gelernt. So hat Abu Dhabi sorgfältiger geplant: Es werden mehr Wohnungen für Normalverdiener gebaut und nicht nur Luxusresidenzen.
Auf Saudiarabien, das grösste Land in der Region, hatte die internationale Finanzkrise kaum Auswirkungen. Bei einem Wirtschaftsrückgang von 1,9 Prozent kann der private Nichtölsektor auch in diesem Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent ausweisen. Hohe Reserven aus den Boomjahren, eine gesunde Geld- und Steuerpolitik und einen streng regulierten Finanzmarkt nennt der neuste Quartalsbericht von Riyad Capital als die drei entscheidenden Faktoren für diese Krisenresistenz. Von den andern Nachbarn meldet Kuwait einen Rückgang von 1,5 bis 2 Prozent 2009. Qatar, das führend ist beim Export von Flüssiggas, glänzt dagegen auch in diesem Jahr mit einem Wachstum von fast 10 Prozent.
Bis jetzt hat Abu Dhabi, das über 97 Prozent der Ölreserven der Emirate verfügt, Dubai mit 20 Milliarden Dollar geholfen. Wie weit diese Unterstützung noch gehen könnte, darüber schweigt sich das Herrscherhaus von Abu Dhabi aus. Diese fehlende Transparenz ist ein Grund dafür, dass die Meldungen über einen Zahlungsaufschub beim hochverschuldeten Giganten Dubai World zu nervösen Ausschlägen auf den Märkten der ganzen Welt geführt haben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.11.2009, 06:36 Uhr
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