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«Dann könnten wir ja gleich den Euro einführen»

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 16.08.2011 46 Kommentare

Verbandsvertreter kritisieren die Preisangaben in Euro zum aktuellen Kurs. Ob Euro-Angaben im grenznahen Handel und in der Gastronomie das Allheilmittel gegen den starken Franken seien, müsse sich erst weisen.

Händler führen Europreise ein, um nicht noch mehr Kunden an den Euroraum zu verlieren: Banknoten vor dem EZB-Emblem.

Händler führen Europreise ein, um nicht noch mehr Kunden an den Euroraum zu verlieren: Banknoten vor dem EZB-Emblem.

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Möbelhändler Urs Schubiger in Regensdorf bietet importierte Produkte neuerdings zum Tageskurs in Euro an. Um die Kunden wegen des starken Frankens nicht an die grenznahen Händler im Euroraum zu verlieren, werden Importprodukte sowohl in Schweizer Franken als auch in Euro ausgewiesen. «Ein Designerstuhl für tausend Euro wird bei uns auch für tausend Euro verkauft. Der Designerstuhl wird damit nicht mehr dem aktuellen Preisniveau in der Schweiz angepasst», erklärt Schubiger. So will der Händler verhindern, dass die Kunden zur Jagd auf Schnäppchen in Deutschland oder Österreich blasen.

Allerdings: «Wenn der Kunde will, kann er weiterhin in Schweizer Franken bezahlen, und das zum Tageskurs», so Schubiger. «Für Konsumenten ist das in dem Fall so, als ob sie mit Franken im Euroraum einkaufen würden.» Den Weg über die Grenze könne sich der Kunde damit sparen. Ein probates Mittel für Schubiger, um die Kunden zu behalten.

Möglich wird das durch günstigere Einkaufskonditionen im Vergleich zur Schweizer Konkurrenz. Schubiger ist Teil des grossen deutschen Einkaufsverbands Einrichtungspartnerring VME, der auch die Macht hat, mit den Herstellern günstige Lieferkonditionen auszuhandeln. Vier weitere Schweizer Möbelhändler hätten sich diesem Einkaufsverband bereits angeschlossen.

Lohnkosten bleiben in Franken

Natürlich knabbere der Umsatz in Euro auch etwas an den Margen: «Pro Möbelstück verdienen wir etwas weniger. Wir werden das über den Mehrumsatz kompensieren. Wir haben als Familienunternehmen eine schlanke Kostenstruktur deshalb können wir solche Preise überhaupt anbieten.» Die Löhne bleiben allerdings in Schweizer Franken, so der Möbelchef.

Der Trend mag neu sein, doch nicht alle Geschäfte im Grenzgebiet ziehen mit, weiss der Geschäftsführer des Detaillistenverbands SDV, Max Buchholzer. Nur vereinzelt ist von Textilläden oder Schuhhändlern die Rede, die nun ebenfalls die Preise in zwei Währungen angeben, um den Kundenabfluss aufzuhalten. Doch was diese Unternehmer gemäss Buchholzer dabei vergessen: «Die Löhne müssen weiterhin im höher bewerteten Franken ausbezahlt werden. So gesehen hat die Preisumstellung keinen Sinn. Dann könnten wir ja gleich den Euro einführen.»

Die ungünstigen Währungsverhältnisse seien nun einmal die Folge davon, dass die Schweiz nicht Teil der Eurozone ist. «Das hat aber auch Vorteile, wenn man sich nur mal die aktuelle Entwicklung des Euro ansieht», meint Buchholzer. Die meisten Detaillisten wüssten das auch, so der Verbandschef weiter. Die abtrünnigen Händler bezeichnet er als «Querschiesser» und «Überläufer», auch wenn manche wie Schubiger derzeit als «Vordenker» verkauft würden.

Wirte stöhnen unter Importbeschränkungen

Für Wirte und Hotelbetreiber hingegen ist im grenznahen Gebiet die Umrechung in Euro längst Usus. «Im Raum Basel haben wir schon vor dem Euro französische Francs und die deutsche Mark zum Tageskurs angenommen», sagt Maurus Ebneter, Vorstand des Basler Wirteverbands. «Der Euro ist für uns keine Parallelwährung, sondern ein gängiges Zahlungsmittel.» Ebneter sieht ähnlich wie Detaillisten-Verbandschef Buchholzer das Problem vor allem bei den Personalkosten. Die Verkaufspreise mögen im günstigen Euro ausgeschrieben sein, aber die Mindestlöhne sind im starken Franken gesetzlich vorgeschrieben.

Einen Designstuhl wie Schubiger zu importieren, sei kein Problem. Aber Gastronomen müssen im Einkauf das Doppelte bis Vierfache im Vergleich zu den Konkurrenten im benachbarten Ausland berappen. Gastrobetriebe sind aufgrund von gesetzlichen Auflagen dazu gezwungen, den Grossteil der Ware in der Schweiz zu kaufen. Ausweichmöglichkeiten gebe es kaum. «Importbeschränkungen, Schutzzölle und Handelshemmnisse machen uns das Leben schwer», klagt Ebneter.

Ausserdem sei früher die Mehrwertsteuer in der Schweiz niedriger gewesen als im angrenzenden Umland. Heute ist das umgekehrt: In Frankreich zum Beispiel sind es 5,5 Prozent, in der Schweiz dagegen acht. «Diese Steuer muss sinken, um die Betriebe sofort zu entlasten», fordert Ebneter.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.08.2011, 17:09 Uhr

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46 Kommentare

Beat Grüter

16.08.2011, 19:12 Uhr
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Die Frankenschwächung durch die SNB ist eine Tragödie. Millionen Sparer (auch die BVG Sparer) erhalten keinen Zins mehr und der Wert des Ersparten wird weginflationiert. In Deutschland und Österreich brechen trotz schwachem Euro die Wirtschaftszahlen ein. Die Schweizer Wirtschaft brummt weiter, trotz starken Frankens! Das Päckli der Wirtschaftsbosse mit der SNB kommt einem Insiderhandel gleich. Antworten


Peter Hallwyl

16.08.2011, 21:43 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Habt ihr es immer noch nicht gemerkt, dass wir schon längst in der EU sind (aber ohne Stimmrecht)? Uns jetzt folgt der Euro. Wir sind doch die Appenzeller Europas. Danke, SVP. In diese Situation habt ihr uns hineinmanövriert. Antworten



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