Danke, UBS!
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 16.09.2011 190 Kommentare
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Fällt für Kengeter der Vorhang?»
- Er wollte Formel 1 im Banking
- Händler soll UBS selber gewarnt haben
- «Ich denke nicht an einen Rücktritt»
- Zu früh abgeschrieben
- UBS wirbt Banker von Merrill Lynch ab
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Es gibt zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse, doch vieles deutet darauf hin, dass der jüngste Milliarden-Flop der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) durch sogenannte «synthetische ETFs» möglich gemacht wurde. Sie wissen nicht, was synthetische ETFs sind? Grämen Sie sich nicht. Kaum jemand versteht die Dinger, möglicherweise selbst die obersten Bankbosse nicht. Es handelt sich um die jüngste Kreation aus dem Arsenal der «Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte».
Hier eine Annäherung:
Die Finanzkrise hat uns mit der Abkürzung CDO vertraut gemacht. Sie steht für «Collateral Debt Obligation», auf Deutsch spricht man von verschriebenen Hypotheken. Das heisst konkret: Hypotheken von verschiedensten Immobilien werden zerstückelt und neu zusammengesetzt. Ein Investor kauft damit nicht die Schuld eines einzelnen Gebäudes, sondern eines Korbes von Gebäuden. Das ist an sich sinnvoll, das Risiko wird verteilt und der Preis der Hypothek, der Zins, fällt. Doch die Superhirne der Finanzindustrie, die sogenannten «Quants», haben das Prinzip der CDOs auf die Spitze getrieben. Sie haben auch noch synthetische CDOs entwickelt, die reale CDOs virtuell imitieren. Diese synthetischen CDOs haben es möglich gemacht, dass man auf einzelne Tranchen der realen CDOs Wetten abschliessen konnte. Wie das im Detail geschieht, verstehen weder ich noch meine Katze, aber das Resultat lässt sich wie folgt umschreiben: Dank synthetischen CDOs kann man Feuerversicherungen auf Häuser abschliessen, die einem gar nicht gehören. Man zahlt die Versicherungsprämie und erhält im Schadensfall den Betrag des ganzen Hauses. Dieser Mechanismus ist sehr wirksam. Er hat in der Subprimekrise dazu geführt, dass die grösste Versicherung der Welt, AIG, über Nacht pleite war und umgekehrt die Welt ein paar Milliardäre mehr hatte.
ETFs sind eine Art CDO. Die Abkürzung steht für «Exchange Traded Funds» und wie die CDOs kauft man damit nicht einen einzelnen Titel, sondern einen gemischten Titelkorb. Auch das ist an sich eine sehr sinnvolle Idee. Mit ETFs können auch kleine Investoren eine breite Palette von Produkten kaufen, ohne überrissene Prämien bezahlen zu müssen. Doch wie bei den CDOs haben die Quants einmal mehr die Sache auf die Spitze getrieben und ebenfalls synthetische ETFs entwickelt. Sie waren sofort ein Renner: «In Europa beispielsweise wurden synthetische ETFs sehr begehrt und sind inzwischen für die Hälfte des Umsatzes verantwortlich», schreibt Gillian Tett in der «Financial Times».
Gillian Tett gehört zu den frühen Warnern. Sie hat schon im Frühsommer auf die Gefahren der neuen Wunderwaffen hingewiesen. Andere Publikationen wie der «Economist» haben später ebenfalls darauf aufmerksam gemacht. Wo genau liegt die Gefahr? Die Transaktionen mit diesen Instrumenten sind so komplex geworden, dass sie nicht mehr überwacht werden können. «Für Aussenstehende ist es unmöglich, den gewaltigen Handelsstrom zu verfolgen, der um die ETF-Industrie entsteht», stellt Tett fest.
Missbrauch mit CDOs und synthetischen ETFs haben uns die Finanzkrise eingebrockt. Seither diskutieren wir über die «Too big to fail»-Problematik – und darüber, dass es volkswirtschaftlich viel zu gefährlich geworden ist, wenn Investmentbanken mit einer Bürgschaft des Steuerzahlers gigantische Wetten eingehen. Bei grossen Universalbanken wie der UBS müssen deshalb das normale Geschäft und die Investmentbanken voneinander isoliert oder gar getrennt werden. Gleichzeitig müssen höhere Eigenkapitalquoten dafür sorgen, dass die Aktionäre und nicht die Steuerzahler das Risiko tragen.
Nachdem die Bankenlobby zunächst in Deckung gegangen ist, hat sie jüngst wieder aus allen Rohren gegen die neuen Auflagen geschossen. In der Schweiz steht der «Swiss finish» in der Kritik – ironischerweise hat sich gerade Oswald Grübel hier hervorgetan. In England wird der Vickers-Bericht, der ebenfalls mehr Eigenkapital und höheren Schutz für das normale Banking fordert, kritisiert. In den USA hat der Chef von JPMorgan, Jamie Dimon, die Vorschriften des Basel-III-Abkommens als «anti-amerikanisch» bezeichnet und die Regierung aufgefordert, es abzulehnen.
So gesehen kommt der erneute UBS-Flop zum bestmöglichen Zeitpunkt. Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass man die Investmentbanken an die Leine nehmen muss, dem ist nicht mehr zu helfen. Deshalb: Danke, UBS – aber nächstes Mal dürft ihr wieder eine andere Bank ranlassen, gell? (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.09.2011, 12:14 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
190 Kommentare
Ihr gestattet mir die berechtigten Zweifel am Mut der Politiker hier gross was zu ändern. Bei der Politik geht es um Macht und somit auch wieder um Geld.Fast alle dieser Politiker hängen am Tropf der Banken, Es ist schwierig die eigene Quelle zu unterbinden.Denn Geldverlust = Machtverlust. Und solange das Geld und die Macht und nicht das Wohl der Bevölkerung im Vordergrund steht, änder sich nichs Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.



Bitte warten

