Credit Suisse schickt ihre Kunden zum Steuerberater

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 04.02.2010 7 Kommentare

Immer wieder fällt der Name CS, wenn es um die gestohlenen Bank-Daten geht. Die zweitgrösste Schweizer Bank versucht nun, die Vermögen ihrer Kunden zu legalisieren.

Neue Weisung zum Umgang mit undeklarierten Geldern: CS-Chef Brady Dougan, fotografiert im Oktober 2009.

Neue Weisung zum Umgang mit undeklarierten Geldern: CS-Chef Brady Dougan, fotografiert im Oktober 2009.
Bild: Keystone

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Stammen die geklauten Daten von der CS?

Ist die UBS die Hauptbetroffene oder die Genfer Privatbank HSBC, führt die Spur zur Credit Suisse oder gar zu Julius Bär? Seit Tagen bringen vorab deutsche Zeitungen immer neue Namen und Theorien ins Spiel. Starreporter Hans Leyendecker von der «Süddeutschen Zeitung» kündigte gestern gegenüber der ARD an, er werde in der heutigen Ausgabe Belege dafür vorlegen, dass die Daten von der Credit Suisse stammen.

Den Startschuss zur Betroffenensuche hatte am Freitag die «Frankfurter Allgemeine» gegeben, als sie von einer CD mit 1500 Namen von Steuerflüchtlingen mit Konten in der Schweiz schrieb, die ein Händler den deutschen Behörden angeboten hatte. Die Enthüllung dürfte eine gezielte Indiskretion der deutschen Regierung sein. Seither jagen sich die Gerüchte. Am Samstag behauptete das «Handelsblatt», die UBS sei die Hauptbetroffene. «Spekulation», dementierte diese umgehend, sie habe «keine entsprechenden Informationen». Die «SonntagsZeitung» brachte mit HSBC und Julius Bär weitere Namen ins Spiel. Die Banken sagten, ihnen sei nichts bekannt.

Deutsche Regierung schweigt

Zu Wochenbeginn behauptete die «Financial Times Deutschland» (FTD), die Scheibe enthalte einen Teil des Datenschatzes, den Hervé Falciani bei der HSBC in Genf entwendete und letztes Jahr Frankreich übergab. Am Dienstag legte die «Frankfurter Allgemeine», die sich bis dahin mit Namen zurückhielt, nach und behauptete, die 1500 Datensätze stammten von der Credit Suisse. Sie habe keine Hinweise auf einen Datenverlust, dementiert die CS. Darauf wärmte die FTD die Story der «SonntagZeitung» auf, brachte Julius Bär erneut ins Spiel und setzte in die Welt, es kursierten mehrere CDs mit gestohlenen Schweizer Bankdaten.

Derweil schürt die Regierung in Berlin die Unsicherheit. Sie schweigt sich über die Herkunft der CD weiter aus, und sagt auch nicht, wie viele und welche Banken betroffen sind. Finanzminister Wolfgang Schäuble erhöhte stattdessen den Druck: Er könne nur jedem Steuerhinterzieher raten, Selbstanzeige zu machen. Die gestohlenen Daten sind auch bei anderen Ländern heiss begehrt. Österreich, Holland und Belgien haben Kopien der CD angefordert.

CS-Sprecher Andres Luther bestätigt, dass es bankintern eine Weisung gibt, ausländische Kunden zum Steuerberater zu schicken, sobald man weiss, dass sie undeklariertes Geld bei der Bank angelegt haben. Luther: «Wenn ein Neukunde oder ein bestehender Kunde dem Bankberater sagt, er habe Schwarzgeld, dann rät dieser dem Kunden, eine unabhängige Steuerberatung einzuholen.» Wenn er das nicht tut oder wenn er nach der Beratung seinen Status nicht legalisiert, dann muss er damit rechnen, dass ihm die Bank das Konto kündet.

Die meisten betroffenen Kunden befolgen den Rat. Offenbar schätzen sie genau wie die Bank das Risiko, entdeckt zu werden, höher ein als den möglichen Gewinn aus dem Geschäft mit unversteuertem Geld. Immerhin wird die Bank immer wieder genannt, wenn es um die gestohlenen Daten von Deutschland geht. Luther: «Wir bauen unser Geschäftsmodell nicht auf steuerlichen Aspekten auf.»

Paradigmenwechsel

Was den Neugeldzufluss betrifft, hat der Paradigmenwechsel bereits Folgen. Von den 100 Milliarden Neugeld, das bei der CS im letzten Jahr angelegt wurde, stammen nur noch 5 Prozent aus den Nachbarländern. Was die CS noch nicht macht, ist eine systematische Befragung der Kunden über ihre Steuersituation. Hier fürchtet man sich offenbar vor Haftungsklagen. Luther: «Als Bank haben wir weder die Möglichkeit noch die Verpflichtung, die Steuersituation unserer Kunden zu kennen.»

Bei der Zürcher Kantonalbank ist man seit längerem dazu übergegangen, neue Kunden zu fragen, ob ihr Geld versteuert sei. Bei den alten Kunden fange man nun auch bei der ZKB an, sie zum Steuerberater zu schicken, wenn man weiss, dass sie Schwarzgeld haben, sagt ZKB-Sprecher Urs Ackermann. Doch noch gibt es keinen Entscheid darüber, wie man mit jenen verfährt, die nach der Beratung ihr Geld nicht legalisieren.

Hoffnung, den Sturm gut zu überstehen

Einer der Steuerberater, der sich um solche Kunden kümmert, ist Rainer Krieg. Laut Krieg muss ein reuiger Deutscher damit rechnen, zwischen 20 und 50 Prozent seines Vermögens an den deutschen Staat abzuliefern, wenn er sich selber anzeigt. Dafür muss er nicht ins Gefängnis.

Laut Krieg zieht der deutsche Staat nun nochmals die Schraube an, denn auf der Steuererklärung 2009 taucht explizit die Frage nach einer ausländischen Bankverbindung auf. Wer hier Nein sagt und lügt, muss mit Konsequenzen rechen, wenn das Konto auffliegt. Seit die Datenaffäre bekannt wurde, verzeichnet Krieg eine deutliche Zunahme von Anfragen deutscher Kunden.

Bei der CS hofft man, dank der neuen Politik den Sturm ums Bankgeheimnis einigermassen gut zu überstehen. Luther: «Wir haben uns seit längerer Zeit auf diese Veränderungen vorbereitet, unter anderem haben wir detaillierte Verhaltensregeln für unsere Kundenberater im Cross-Border-Geschäft festgelegt, und wir halten unser Compliance-Regime für sehr solid.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.02.2010, 07:23 Uhr

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7 Kommentare

Peter Stoll

04.02.2010, 07:55 Uhr
Melden

Wiso legalisieren??? Unsere Regierung erzählt doch immer das alles völlig legal ist und man das Geld halt nur mal so vergessen hat. Sind jetzt plötzlich nicht mehr die Deutschen die bösen? Wäre ja schade. Antworten


Ulrich Scheidegger

04.02.2010, 07:47 Uhr
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Dieses Grossbankwesen ist völlig entartet und muss resektiert werden. Eine Resektion -die auch Teile der Politik bis hin zu Kleinaktionären betrifft. Der Kern dieses entarteten Kapitalismus beruht auf höchst kriminellen Machenschaften -die in ihrem Radius hin bis in die Landesregierungen ihre Wege finden. Ein System im Sinne socher Abzockereien und Bertruge, verdient nicht mehr geehrt zu werden. Antworten



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