Coop macht weiter Druck mit Parallelimporten

Neue Zahlen zeigen: Der Einkaufstourismus wird für Schweizer immer beliebter. Coop gerät unter Zugzwang und will nun mit noch mehr Parallelimporten die Preise von Produkten ins Rutschen bringen. Doch das birgt auch Risiken.

Haarpflege: Gewisse Produkte der Marke Syoss lässt Coop neu parallel importieren.

Haarpflege: Gewisse Produkte der Marke Syoss lässt Coop neu parallel importieren. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schweiz ist nach wie vor eine Hochpreisinsel. Migros und Coop betonen zwar, sie würden von den Lieferanten tiefere Preise einfordern. Doch das Ganze kommt nicht so richtig in Schwung.

«Wenn die Preisverhandlungen mit dem Generalimporteur scheitern, wollen wir die Händler noch stärker mit Parallelimporten unter Druck setzen», so Philipp Wyss. Der Coop-Marketingleiter sagte an der gestrigen Medienkonferenz in Basel, man müsse immer noch mit vielen Lieferantin für faire Preise in der Schweiz kämpfen. «Die Lieferanten stellen sich auf den Standpunkt, Schweizer verdienten mehr, deshalb sollten sie auch mehr bezahlen. Das akzeptieren wir nicht», sagte Wyss entschieden.

Parallelimporte sind legal, solange es nicht um patentgeschützte Produkte geht. Beim Parallelimport beschafft Coop die Ware nicht über den Generalimporteur, sondern billiger bei einem Zwischenhändler. «Wir weichen auf den sogenannten grauen Markt aus. Das ist aufwendig und bringt zusätzliche Hürden und Aufwand mit sich», so Wyss.

Man müsse zum Beispiel dafür sorgen, dass der Zwischenhändler genügend Ware hat, um rund 900 Coop-Filialen über längere Zeit zu beliefern. Wechselt der Detailhändler vom offiziellen Generalimporteur zu einem Zwischenhändler mit Sitz in der Regel im Ausland, riskiert er einen Verlust an Liefersicherheit. «Parallelimporte kann man nur wagen, wenn man einen verlässlichen Alternativkanal findet», sagt Wyss.

Das letzte Mittel ist Rauswurf

Seit ein paar Tagen importiert Coop Haarpflegeprodukte von Syoss des Lieferanten Schwarzkopf Henkel parallel. Die durch den Parallelimport tieferen Preise gebe man Kunden weiter. «Senkt der Generalimporteur von Schwarzkopf die Preise der Syoss-Produkte auch in Zukunft nicht, werfen wir ihn aus dem Sortiment. Das ist unser letztes Mittel», sagt Wyss.

Es könne nicht sein, dass die Produkte in der Schweiz 40 bis 50 Prozent teurer seien als in Deutschland. «Schweizer Kunden orientieren sich genau an diesen Preisen ennet der Grenze. Es ist unser Ziel, dass die Unterschiede zu Deutschland in Zukunft massiv kleiner werden», so Wyss. Die ­Generalimporteure wehren sich gegen die Umgehung des offi­ziellen Kanals. Den Graumarkt versuchen sie zu unterbinden, indem sie den inoffiziellen Zwischenhändler mit Sitz im Ausland nicht mehr beliefern.

«Mehr Druck ausüben»

Für Sara Stalder vom Konsumentenschutz gehen die Schritte von Coop zu wenig weit. «Coop ist als Player in grossen europäischen Einkaufgemeinschaften selber in der Lage, mehr Druck auf die Lieferanten auszuüben», sagt sie. Aus ihrer Sicht werde viel zu wenig gemacht.

Schweizer Konsumenten würden im Vergleich zum Ausland immer noch viel zu viel für Bekleidung, Spielwaren oder Kosmetik bezahlen. «Coop betreibt lediglich eine Schaufensterkampagne.» Darunter verstehe sie eine Werbeaktion, die gegen aussen viel Wirbel erzeuge, gegen innen aber kaum etwas nütze. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 24.02.2016, 06:35 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Coop mit weniger Gewinn und Umsatz

Der Detailhändler Coop verdiente letztes Jahr 416 Millionen Franken. Das ist ein Einbruch um mehr als 11 Prozent. Grund dafür ist auch der starke Franken. Mehr...

Coop eröffnet Filiale im Post-Parc

Bern Im Gebäude der ehemaligen Schanzenpost in Bern eröffnet Coop morgen eine neue Filiale. Der Grossverteiler hat in diesen Standort im ­neuen Post-Parc 4,5 Millionen Franken investiert. Mehr...

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Ein Künstler streicht am Strand von Tijuana den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA himmelblau an (10. Dezember 2016).
(Bild: Jorge Duenes) Mehr...