CS zahlt keine Steuern – trotz Milliardengewinn

Der Credit Suisse geht es wieder blendend. Laut einem Medienbericht hat der Staat aber nichts von den riesigen Gewinnen der Grossbank.

Wieder im Aufwind: CS-Sitz am Zürcher Paradeplatz.

Wieder im Aufwind: CS-Sitz am Zürcher Paradeplatz.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Vier Milliarden Bonus bei der UBS

Einerseits hat die UBS die Fixlöhne teilweise massiv erhöht, andererseits werden dieses Jahr auch wieder mehr Boni ausgeschüttet. So hat UBS bereits für das erste Halbjahr 2009 Bonuszahlungen für etwa 1,7 Milliarden Franken zurückgestellt, total siteg die Lohnsumme trotz Stellenabbau um 9 Prozent.

Gemäss Insiderberichten die dem «Sonntag» vorliegen soll dies Zahl im zweiten Halbjahr noch ansteigen. Offenbar plant die Bank im Moment Boni für 4.1 Milliarden auszuzahlen. Die UBS Pressestelle sagt, die Höhe der Vergütungen werde erst nach Vorliegen des Jahresergebnisses festgelegt.

Die Credit Suisse (CS) hat am Donnerstag alle überrascht: Der Quartalsgewinn betrug stolze 2,4 Milliarden Franken, nachdem im vergangenen Jahr noch ein Verlust von mehr als 8 Milliarden Franken ausgewiesen wurde. Doch laut Geschäftsbericht bezahlt das Schweizer Mutterhaus keine Steuern, wie die Zeitung «Sonntag» berichtet. CS-Sprecher Marc Dosch bestätigt: «Die Credit Suisse dürfte dieses Jahr wegen der Verlustvorträge keine Einkommenssteuern zahlen.» Dasselbe dürfte auch für das nächste Jahr gelten. Bei der UBS, die wohl auch dieses Jahr keinen Gewinn erzielen wird, sind die Verlustvorträge noch viel höher – und somit werden noch Jahre vergehen, bis die Grossbanken wieder Steuern zahlen.

«Befremdlich erscheint, dass die Credit Suisse laut ihrem Quartalsabschluss in den USA 372 Millionen Franken Steuern abrechnet», schreibt die Zeitung «Sonntag». Laut CS seien dies aber rein «technische Buchungen», auch die amerikanische Steuerbehörde IRS erhalte nichts von der Grossbank.

Sehr problematisch ist die Situation für die Haushalte von Stadt und Kanton Zürich sowie für den Bund. Diesen fehlt nicht nur die UBS als Steuerzahler, sondern auch die hoch rentable Credit Suisse. Der Zürcher Finanzvorstand Martin Vollenwyder sagte der «NZZ», dass die Stadt innerhalb von zwei Jahren ihr gesamtes angehäuftes Eigenkapital von einer Milliarde verlieren werde.

«Total daneben»

Politiker auf der Linken sind «entsetzt», dass die CS trotz Rekordgewinnen keine Steuern zahlt. Nationalrat Daniel Vischer (Grüne/ZH) findet dies «total daneben», für Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL) kommt erschwerend hinzu, dass die Bank auf den meisten ihrer Dienstleistungen nicht einmal Mehrwertsteuer bezahlt. Zudem seien noch immer Vorschläge auf dem Tisch, mit denen die Spitzenverdiener der Grossbank entlastet würden.

Nationalrat Philipp Müller (FDP/AG) kritisiert die Kommunikation der CS. Der jetzt ausgewiesene Gewinn sei viel zu hoch, denn die Ursache dafür, dass die Steuern nicht bezahlt werden müssten, liegen in den Verlusten des letzten Jahres. Damals hätten sie auch verbucht werden müssen. (vin/bru)

Erstellt: 25.10.2009, 08:06 Uhr

9 KOMMENTARE

Gustav Kunz

11.11.2009, 15:14 Uhr

Die Mitarb. bezahlen Steuern, wie wenn nichts geschehen wäre. Dass die CS den Verlust vorträgt, steht so im Gesetz. Ich finde das gut so, dass die SP (Notter) nicht mehr einfach Leistungen des Kt. bestellen kann, sondern dass man sich heute wieder fragt, von wem diese Steuern stammen. Im Gesetz ist auch ein Wurm geblieben. Es kann sein, dass wohlhabende ZH-Gden in steuergünst. Kantone abwandern.


Thomi Horath

26.10.2009, 19:31 Uhr

Wenn sie sich wenigstens aus dem Investment-"Geschäft" raushalten könnten, aber nein, es geht alles genau gleich weiter wie vorher, bis zur nächsten Blase. Und ganz bös wird's dann, wenn der Dollar so richtig eingeht. Ich sehe eine rosige Zukunft vor mir. Wer nicht hören will, muss fühlen...


Stefan Müller

26.10.2009, 12:13 Uhr

War nicht letztens hier auf dem Tagi zu lesen, dass die CS den höchsten Lohn pro Kopf bezahlt (Schnitt)... Glauben sie wirklich, dass diese Köpfe keine Steuern zahlen (Stichwort: Progressive Steuer) ? Also bitte, die CS muss keine Steuern zahlen, da sie Verlustvortrag hat, trotzdem zahlt sie indirekt Steuern, und zwar über ihre Mitarbeiter...


Andreas D. meier

26.10.2009, 11:07 Uhr

Im Fall UBS musste der Staat erst Milliarden einschiessen und einen riesigen Haufen Schrottpapiere, von denen niemand weiss ob sie je gewinnbringend zu verkaufen sein werden, übernehmen. Beim Verkauf der WA konnte wenigstens ein Gewinn realisiert werden.Künftig sollen Gutbetuchte noch weniger Steuern bezahlen, wenn es nach dem Willen der Neoliberalen Ideologen geht! Das muss verhindert werden!


Thomas Meier

26.10.2009, 10:27 Uhr

Es gelten für alle die gleichen Steuergesetze: auch ein KMU, welcher Verlust geschrieben hat, kann zuerst den Verlustvortrag abtragen (innerhalb der gesetzlichen Fristen) bevor wieder Steuern bezahlt werden müssen.


Thomi Horath

26.10.2009, 09:13 Uhr

Steuergesetze? Und welches Gesetz galt, als man der UBS aus der Patsche half? Wenn die Banken trotz Gewinnen keine Steuern zahlen wollen, sollte man vielleicht schnellstens die 60 Mia Ramschpapiere an die UBS zuückverkaufen. Keine Solidarität für Unsolidarische!


Ruok Admundsson

26.10.2009, 08:55 Uhr

Die CS wird nie Einkommenssteuern bezahlen. Als juristische Person unterliegt sie nämlich der Gewinn- und Kapitalbesteuerung... Schwer vorstellbar, dass sich der CS-Sprecher so dilettantisch in der Terminologie vergriffen hat.


Arthur Spieser

26.10.2009, 08:37 Uhr

Tja, so sind nun mal die Steuergesetze. Jeder wird nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit belastet. Jetzt jammern die Linken, dass keine Steuern bezahlt werden und in der Blütezeit der Banken kritisierten die gleichen Kreise die hohen Gewinne und Bonuszahlungen. Dass davon aber hohe Steuern und Sozialabgaben bezahlt wurden, wird glatt tot geschwiegen. Alles hat eben zwei Seiten.


Franz Meier

26.10.2009, 07:34 Uhr

@Vischer/Oberholzer; bitte zuerst einmal die Steuergesetze studieren, bevor so ein 08/15-Links-Kommentar kommt!






© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten