Wirtschaft
CS überrascht mit Gewinn von 2,4 Milliarden
Aktualisiert am 22.10.2009 10 Kommentare
Artikel zum Thema
- Weniger Boni für 7000 Banker bei der CS
- 43 Millionen für CS-Chef Dougan
- CS will die «am meisten bewunderte Bank» für Superreiche werden
Keine Erhöhung der Rückstellungen für Kredite nötig
Obwohl die Wirtschaftskrise die Schweizer Unternehmen hart getroffen hat, sieht die Credit Suisse keine Notwendigkeit, die Rückstellungen für Kredite zu erhöhen. Die hiesigen Firmen hätten immer noch eine starke Bilanz, sagte CS- Finanzchef Renato Fassbind. Bei den Firmen- und institutionellen Kunden beliefen sich die Netto-Kreditrückstellungen im dritten Quartal 2009 trotz einer weiteren Verschlechterung des Kreditumfelds auf lediglich 40 Mio. Franken, sagte Fassbind am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. In den drei Monaten zuvor hatte die Grossbank dafür noch netto 59 Mio. Fr. zurückgestellt. Das Vorsteuerergebnis bei den Firmen- und institutionellen Kunden schrumpfte allerdings auf 144 Mio. Franken. Dies entspreche einem Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal. Schuld seien vor allem Marktwertanpassungen bei einem bestimmten besicherten Kreditportfolio, hiess es. Auch bei der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden sank der Vorsteuergewinn im Vergleich zum zweiten Quartal um 5 Prozent auf 723 Mio. Franken. Grund seien geringere Nettoerträge, sagte Fassbind. Trotz dieses leichten Rückgangs bleibe die Vermögensverwaltung ein sehr attraktiver Wachstumsmarkt. Mittelfristig werde sich die Nachfrage nach integrierten Lösungen wieder erholen. «Wir werden deshalb weiterhin investieren in unsere Expansion, sowohl international als auch in unseren Schweizer Heimmarkt», sagte Fassbind.
Die Credit Suisse hat im dritten Quartal einen Reingewinn von 2,4 Milliarden Franken erzielt. Damit hat die Grossbank weit mehr verdient als drei Monate zuvor, als sie einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken eingefahren hatte. Mit dem Resultat hat sie die Erwartungen weit übertroffen.
Analysten hatten gemäss der Finanznachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Reingewinn von 1,7 Milliarden Franken gerechnet. Selbst die optimistischsten Prognosen von knapp 2 Milliarden Franken hat die Grossbank deutlich hinter sich gelassen.
Damit hat die Credit Suisse zwischen Januar und Ende September einen Gewinn von 5,9 Milliarden Franken angehäuft, nachdem sie noch im gleichen Vorjahreszeitraum wegen der Finanzkrise einen Verlust von 2,2 Milliarden Franken erlitten hatte.
Starke Investment Bank
Insbesondere im Investmentbanking sprudelten die Gewinne, das im Vorjahr der Bank noch einen Riesenverlust beschert hatte. Hier erzielte die Credit Suisse im dritten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Franken. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorquartal. Dieser Anstieg sei der auf das Kundengeschäft ausgerichteten Strategie zu verdanken.
Credit Suisse-Finanzchef Renato Fassbind bezeichnete das Ergebnis in einer Telefonkonferenz als stark. Man habe Marktanteile bei den meisten Produkten und in allen Regionen gewonnen. Gute Ergebnisse habe die CS unter anderem bei Zinsprodukten und Devisen oder im Sekundärhandel mit verbrieften US-Privathypotheken (RMBS) erzielt, die teilweise vor einem Jahr noch die Sorgenkinder gewesen waren.
Gleichzeitig habe die CS die Risiken in der Investment Bank weiter reduziert. Die risikogewichteten Aktiven sanken zwischen Juli und Ende September von 139 Milliarden auf 137 Milliarden Franken. Der Personalaufwand schrumpfte um über ein Fünftel, weil die Bank weniger Boni ausbezahlt hat.
Auch in der Vermögensverwaltung für institutionelle Anleger und alternative Anlagen (Asset Management) legte die CS deutlich zu. Hier stieg der Gewinn gegenüber dem Vorquartal von 55 Millionen auf 311 Millionen Franken.
Allerdings polierte der Verkauf eines Bereichs das Ergebnis um 207 Millionen Franken auf. Er sei vorsichtig damit, zu sagen, dass das Asset Management den Turnaround geschafft habe, sagte Fassbind.
Viele Neugelder
Nicht ganz mithalten konnte die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden sowie das Firmen- und Privatkundengeschäft in der Schweiz (Private Banking). Dort sank der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorquartal um 7 Prozent auf 867 Millionen Franken.
Insbesondere das Geschäft mit Firmen- und institutionellen Kunden musste einen Gewinnrückgang vor Steuern von 18 Prozent auf 144 Millionen Franken hinnehmen. Schuld seien vor allem Marktwertanpassungen bei einem bestimmten besicherten Kreditportfolio, hiess es.
Auch bei der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden sank der Vorsteuergewinn im Vergleich zum zweiten Quartal um 5 Prozent auf 723 Millionen Franken. Grund seien geringere Nettoerträge. Dennoch sei das Ergebnis im Private Banking solide, sagte Fassbind.
Stark war insbesondere der Neugeldzufluss im Private Banking von 13,1 Milliarden Franken. Insgesamt flossen der CS im dritten Quartal netto Neugelder von 16,7 Milliarden Franken zu. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich mit der Hälfte gerechnet.
Aktie taucht
Die sehr guten Quartalsergebnisse der Credit Suissen haben den Aktien der Grossbank dennoch keine Flügel verliehen. Bis gegen 10.45 Uhr gaben die Titel um 3,1 Prozent auf 58.2 Fr. nach. Gleichzeitig notierte der Gesamtmarkt SMI um 0,8 Prozent schwächer als am Vortag.
«Die Aktie ist so stark gestiegen. Jetzt nehmen die Anleger Gewinne mit», sagte ein Händler und sprach von einer ähnlichen Kursreaktion wie bei der Deutschen Bank. Deren Aktie hatte am Vortag ebenfalls mit Abschlägen auf ein besser als erwartetes Ergebnis reagiert. (cpm/vin/sda/ap/)
Erstellt: 22.10.2009, 10:58 Uhr
WRITE A COMMENT
10 Kommentare
Irgendwie ist es irre zur Zeit, CS meldet einen unerwartet hohen Gewinn und die Aktie saust in die Tiefe. Nestle melset einen Umsatzrückgang und Novartis einen Gewinnrückgang und die Aktien gehen hoch. Kein Wunder, dass die Banken zur Zeit gut verdienen, sie zahlen absolute Mickerzinsen und verleihen das Geld zu Höchstzinsen. Überzieht mal das Konto und schaut was dann passiert. Antworten
Zuerst erklärt man den Anlegern, dass ein Verlust eingefahren wurde und man nichts vergüten könne. Ein Jahr später spriesst 'das Gärtli' unanständigerweise wieder und legitimiert zu Bonuszahlungen. Hören Sie auf Steuern zu zahlen! Unser Staat verdient diese Steuern für die schludrige Aufsicht nicht! Antworten
Warten wir doch mal die Quartalszahlen der anderen Grossbank ab. Vielleicht sieht man dann, dass es im momentanen Markt doch nicht ganz so einfach ist, Geld zu verdienen UND vor allem neue Kundengelder zu erhalten. Denn dies ist ein nachhaltiger Vertrauensbeweis der Kunden. @Sergi Rafael: Wenn Sie sich über die CS informiert hätten, wüssten Sie um deren Engagement für nachhaltige Entwicklung Antworten
@Andreas Schnyder; so einfach wie sie sich das vorstellen ist es nicht...... Wenn die Banken das Geld für 3 % Zins aufnehmen müssen leihen sie es einfach für 5 oder 6 % aus. Die Zinsmarge bleibt genau gleich (oder ähnlich), dies heisst aber noch lange nicht das die Bank auch Gewinn macht. Antworten
Wenn Geld verdienen kein Problem sein soll, wieso haben dann trotzdem noch viele andere Banken "Probleme" ?!? Dass am Schluss der Steuerzahler für dieses Vorhaben den Kopf hinhalten muss, ist etwas SEHR weit hergeholt... Ausserdem wird meiner Meinung nach ein Wichtiger Punkt immer wieder vergessen ----> Die CS hat KEINE STÜTZE vom Staat benötigt... Antworten
Wie wäre es nun, dem Sparar und Anleger jetzt auch wieder einmal mehr Zins zu geben? Aber profitieren vom guten Geschäftsgang werden auch dieses mal nur die Aktionäre und Banker durch Dividenden und Boni. Die Sparar und Steuerzahler werden weiterhin hinhalten müssen, wenn es zum nächsten Crash kommt. Antworten
Jetzt in die Schweiz investieren!!!! Nun gut, die CS Credit Suisse hat das Credo = Vertrauen der Schweiz in ihrem Namen. Nun ist es an der Zeit, das die CS in die Schweiz und in Europa wie auch in die Zukunftstechnologien wie Solar, Energie und Umwelt Technologie investiert. Ich bete dafür, das die Gier hier mal dem Menschenverstand einhält für die kommenden Generationen. Antworten
Geld verdienen ist im Moment für Banken kein Problem. Die National Bank von EU, USA und Schweiz werfen das Geld den Banken nach. Zu praktisch Null Prozent Zins. Die Banken leihen das Geld den Staaten für vielleicht 3 Prozent Zins und Spekulieren mit Aktien und Rohstoffen, das ist der Gewinn. Mit der Realwirtschaft hat das herzlich wenig zu tun. Zahlen wird am Schluss der Steuerzahler und Konsument Antworten








Rainer Wegmüller
Irre - Allen, die es nicht kapieren, sei der Film von Michael Moore empfohlen. In "Capitalism A Love Story" findet er u.a.: "Präsident Obama weiss selber nicht, was Derivate sind". Und der kleine Börsianer kommt sicher nicht besser draus. Die ewig gleichen mischen die Börse schon wieder auf und kassieren ab. Ob unsere Pensionskassen bei den "Gewinnmitnahmen" auch rechtzeitig schalten? Diesmal? Antworten