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CS schickt Händler aus Sicherheitsgründen in die Ferien

Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 28.12.2011 124 Kommentare

Als eine der letzten Grossbanken verordnet die Credit Suisse ihren Händlern längere Pausen ohne Computerzugang und Blackberry. So soll die kriminelle Versuchung gebremst werden.

Die Banken haben Angestellte, die kaum Ferien beziehen, als Risikofaktor identifiziert: Ein Börsenhändler vor seinen Computern.

Die Banken haben Angestellte, die kaum Ferien beziehen, als Risikofaktor identifiziert: Ein Börsenhändler vor seinen Computern.
Bild: Keystone

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Je weniger Ferien ein Börsenhändler nehme, umso grösser sei das Risiko eines Betrugs. Dies sagt der Franzose Jerôme Kerviel. Er muss es wissen, setzte er doch bei der Société Générale mit krummen Geschäften über sieben Milliarden Dollar in den Sand. Nun befolgt die CS als eine der letzten Grossbanken den Rat und verlängert die Zwangsferien für die Händler von einer auf zwei Wochen.

Der Urlaub dient nicht der Erholung und ist auch kein Bonus. Im Gegenteil: Viele Händler müssen gezwungen werden, mehr als nur einige wenige Tage Ferien einzuziehen, derart süchtig sind sie auf das Spiel an der Börse. Bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) ist es nicht anders. Der Entscheid, die Zwangsferien zu verlängern, sei schon 2010 gefallen, könne aber erst auf Anfang 2012 durchgesetzt werden, sagte eine CS-Sprecherin in New York dem «Tages-Anzeiger». Die Frist müsse gewährt werden, da zwei arbeitsfreie Wochen vielen ungewohnt vorkämen.

Kein Computer, kein Blackberry

Doch der Entscheid steht: Sämtliche Börsenhändler und ihre Aufseher müssen ab dem 1. Januar ihren Arbeitsplatz für zehn volle Arbeitstage räumen. Ihnen ist nicht nur der Zugriff zu den Computern untersagt, sie dürfen auch ihren Blackberry nicht benützen. Damit soll verhindert werden, dass sie ihre Handelsbücher anpassen und versuchen, Verluste zu verstecken oder Gegenparteien zu verschleiern. Während ihrer Absenz können unabhängige Kontrolleure ihre Geschäfte prüfen und sicherstellen, dass alles mit rechten Dingen zuging und keine doppelte Buchführung betrieben wurde, wie Betrüger dies auch schon taten. Mit dem Betrugsskandal bei der UBS habe dieser Schritt nichts zu tun, sagte die CS-Sprecherin zu einem Bericht der Finanzwebsite Easy Street, der Entscheid sei bereits zuvor gefallen.

Kein Rundumschutz

Konkurrenten der CS hatten diese Vorsichtsmassnahme noch früher eingeführt, so etwa die Deutsche Bank. «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser», sagte deren Risikochef Hugo Bänziger vor kurzem. Die Bank habe die zweiwöchigen Ferien aus solchen Sicherheitsüberlegungen heraus verordnet und sei deshalb zuversichtlich, betrügerische Händler rechtzeitig ausfindig machen zu können, so Bänziger auf Fragen zu unbestätigten Gerüchten über hohe Verluste. Jerôme Kerviel hatte kurz nach dem Auffliegen seines Betrugs gesagt, eine Grundregel des Bankengeschäfts müsse sein, die Ferienguthaben zu überprüfen. «Ein Händler, der keine Ferien beziehen will, versucht zu verhindern, dass jemand sein Buch überprüft», sagte der Franzose. Kerviel selber hatte lediglich vier Tage Ferien bezogen, als er der Bank mit unerlaubten Geschäften einen Verlust von 7,1 Milliarden Dollar zufügte.

Ein Rundumschutz sind auch die Zwangsferien nicht, wie die UBS feststellen musste. Ihr Händler Kweku Adoboli hatte in London Verluste von 2,3 Milliarden Dollar eingefahren, obwohl die Bank die zweiwöchige Zwangspause schon früher verordnet hatte. Die Regelung sei zum letzten Mal 2008 verschärft worden, sagt eine Bankensprecherin. Zudem seien die Kontrollen der Händler in diesem Jahr noch einmal angepasst worden. Adoboli muss im Januar in London vor Gericht erscheinen, sein Betrug kostete Konzernchef Oswald Grübel und mehreren direkten Vorgesetzten die Stelle. Das war ein klarer Hinweis darauf, dass die internen Kontrollen versagt hatten.

Zunehmend komplexe Systeme

Der sogenannte Block Leave geht auf jene Zeiten zurück, als die Händler ihre Aufträge auf Papierzetteln festhielten und nach Börsenschluss in einem Handelsbuch nachführten. Um die Handelspositionen nachzuprüfen und Unstimmigkeiten zu finden, führten Banken zunächst einwöchige Zwangsferien ein. Fünf Tage Abwesenheit genügten in den Regel, um betrügerischen Händlern auf die Schliche zu kommen. Nach dem Skandal bei der Société Générale von 2007 änderte sich dies: Die britische Finanzaufsicht und ein Jahr später auch die US-Notenbank forderten eine Verdopplung der Zwangsferien auf zehn Tage. Damit trugen sie den zunehmend komplexen elektronischen Handelssystemen Rechnung, deren Nachkontrolle mehr Zeit erforderte.

Heute werden die Handelspositionen per Computer erfasst und gespeichert; doch können Betrüger ihre Deals beispielsweise mit fiktiven Gegenparteien zu verbergen versuchen. Oder sie können Geschäfte nach Handelsschluss abschliessen, ohne sie nachzutragen.

Dies könnte möglicherweise Jon Corzine, dem Chef der bankrotten US-Firma MF Global zum Verhängnis werden. Corzine platzierte höchstpersönlich Aufträge für den Verkauf und Kauf von risikoreichen Euroanleihen im Markt. Seine Sucht war weit herum bekannt; sie stammt aus seinen Anfangszeiten als Hochrisikohändler bei Goldman Sachs. Corzine nahm keine Ferien und gab selbst während Geschäftstreffen auf seinem Blackberry Börsenaufträge durch. Seine Tätigkeit führte schliesslich zu Verlusten von über 6 Milliarden Dollar. Wohin 1,2 Milliarden Dollar an Kundengeldern verschwunden sind, kann oder will Corzine nicht sagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.12.2011, 21:40 Uhr

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124 Kommentare

Hansueli Zürcher

28.12.2011, 08:53 Uhr
Melden 53 Empfehlung

Jetzt haben wir es shwarz auf weiss, die Börse ein Casino und die Banker Spielsüchtige! Leider nehmen sie unser Geld für die Suchtbefriedigung! Noch Fragen? Antworten


Martin Balsiger

28.12.2011, 09:45 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Und wieder wird das gleiche Liedchen gesungen, Banker sind skrupellose Abzocker und wir arme, arme Anleger sind die Geprellten! Lassen sie uns ein Spiel spielen: wir platzieren eine Zeitungs-Annonce und versprechen mindestens 10% Zins. Was glauben sie, wieviele 'Anleger' uns überrennen und uns das Geld aufdrängen werden? Und die sich dann später als arme Opfer in den Medien ausweinen werden! Antworten



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