CEO der Jungfraubahnen: «Ich mache auf Verbesserungspotenzial aufmerksam»
Von Alex Karlen. Aktualisiert am 27.01.2012 2 Kommentare
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Zur Person
Urs Kessler kennt die Region des Unternehmens, dem er als CEO vorsteht, schon von frühester Kindheit an. Geboren wurde er am 27. Januar 1962 in Gsteigwiler, wo er auch aufwuchs. Auch heute wohnt der zweifache Vater mit seiner Familie noch mitten im Herzen der Jungfrauregion, in Wilderswil.
Nach der Handelsschule arbeitete Kessler als Betriebsdisponent bei der BLS, wo er schon bald zum Kommerziellen Dienst wechselte.
1987 dann der entscheidende Wechsel: Die Jungfraubahnen verpflichteten ihn als Leiter der Verkaufsförderung. Sieben Jahre später, bei der Gründung der Jungfraubahn Holding AG, wurde er deren Marketingchef. Der eidg. dipl. Marketingleiter und Absolvent des Schweizerischen Kurses für Unternehmungsführung (SKU) profilierte sich weiterhin mit grossem Engagement nicht nur, aber vor allem auf den asiatischen Märkten (im Bild mit der Kickbox-Legende Andy Hug 1997 in Tokyo) und mit spektakulären Grossanlässen wie dem Snowpenair und Kickoff zur Fussball-Euro 2008. Im November 2007 wurde Urs Kessler zum neuen Direktor der Jungfraubahnen gewählt, und 2008 trat er das Amt an.aka
Zuerst eine Schätzung: Wieviele der 700 Mitarbeitenden der Jungfraubahnen werden Ihnen heute die Hand schütteln?
Urs Kessler: Da ich trotz Geburtstag viele Termine habe, ist das sehr schwer abzuschätzen.
Kennen Sie jeden Mitarbeiter persönlich und mit Namen?
Ja, fast. Mindestens 95 Prozent.
2012 feiern Sie aber nicht nur Ihren 50. Geburtstag und das 100-Jahre-Jubiläum der Jungfraubahn, sondern auch 25 Jahre Firmenzugehörigkeit. Wann wurde der Direktionsposten zum Karriereziel – schon vor 25 Jahren?
Mein Wunsch war es damals, in die Region zurückzukehren, weshalb ich mich 1986 spontan für die Verkaufsförderung der Jungfraubahnen bewarb. Der Direktionsposten war beim Eintritt aber noch lange nicht das Ziel.
Aber ehrgeizig sind Sie bestimmt, und Aufgaben zu delegieren scheint Ihnen oft schwer zu fallen, beispielsweise beim Marketing oder bei der Organisation von Events wie dem Snowpenair.
Für die Aus- und Weiterbildung braucht es einen Ehrgeiz, so wie auch im Sport. Als mir 1987 der damalige Direktor Roland Hirni die Chance gab, durfte ich das ganze Marketing aufbauen. So entstanden in sämtlichen Märkte, von den USA über Australien und Asien bis Europa , viele Beziehungen...
... die Sie nicht delegieren?
Aus Geschäftsbeziehungen wurden Freundschaften. Diese zu delegieren ist schwierig. 2007, als ich zum Direktor gewählt wurde, sorgten sich viele unserer wichtigsten Kunden, ob ich noch Zeit für Sie hätte.
Im November 2007 sagten Sie bezüglich den Events: «Ich werde von der vordersten Front zurücktreten.» Warum haben Sie das bis heute nicht geschafft?
Beispiel Snowpenair, das heuer 15 Jahre alt wird: Auch hier ist es schwierig zu delegieren. Im Laufe der Jahre sind enge Beziehungen zu Künstlern und Sponsoren entstanden, von denen das Snowpenair profitiert.
Spielt nicht auch der Ehrgeiz eine Rolle oder sogar ein bisschen Egoismus, den Erfolg persönlich einheimsen zu können?
(schmunzelt:) Im Vordergrund steht ganz klar der Erfolg der Anlässe und der Jungfraubahnen.
Also gefällt Ihnen die Einschätzung von VR-Präsident Thomas Bieger besser, der bei Ihrer Wahl zum CEO sagte: «Urs Kessler ist voller Energie und von einer positiven Emotionalität, die motivierend wirkt»?
Die Jungfraubahnen sind ein grosser Teil meines Lebens und ich fühle mich mit der gesamten Region sehr verbunden.
Beschreiben Sie bitte kurz und selbstkritisch Ihr Verhältnis zum Verwaltungsrat.
Für mich ist der VR ein ausgezeichneter Sparringpartner, der mich manchmal auch ein wenig bremsen muss.
So formulieren Sie es auch im neuen Buch «Jungfraujoch». Warum hat Sie der VR letztmals bremsen müssen?
Innerhalb der finanziellen Möglichkeiten musste ich manche Projekte nach hinten schieben. Meine Schwäche ist, dass ich zu ungeduldig bin und manchmal zu viel aufs Mal will.
2002 forderte der damalige VR-Präsident Georg Krneta von Verwaltungsräten «Mut zur Opposition, zum Hinterfragen». Hand aufs Herz: Solange die Jungfraubahn weiterhin von Rekord zu Rekord fährt, frisst Ihnen der VR doch aus der Hand?
Nein, das ist nicht der Fall. Wir führen immer wieder harte Diskussionen über finanzielle Möglichkeiten und Investitionsprioritäten.
Das Erfolgsrezept des früheren Direktors Roland Hirni lautete «Resultate – keine Ausreden», und zu seinem Führungsstil sagte er «Me muess d Mönsche gärn ha». Welches Motto haben Sie?
Ich befolge fünf Führungsgrundsätze: «sei loyal», «identifiziere dich voll mit dem Unternehmen», «Engagement geht über alles», «jeder Mitarbeiter ist ein Unternehmer», «lebe vor, was du von den anderen verlangst» und als Motto gilt «Marketing ist resultatorientiert, am Ende des Jahres zählen nur die Resultate».
Ihr Vorgänger Walter Steuri empfahl: «Alle sollen mitarbeiten und mitdenken, aber gewisse Leute müssen entscheiden.» Wie demokratisch sind Sie?
Ich suche immer wieder das persönliche Gespräch mit der Front, um mir ein Bild über die Anliegen der Mitarbeiter machen zu können. Dann rede ich mit ihren Vorgesetzten, und am Schluss werden in der Geschäftsleitung Entscheide gefällt. Der Einbezug der Basis ist wichtig, damit man nicht am Markt vorbei handelt.
Nicht nur intern, sondern auch extern, mit regionalen Partnern, müssen Sie integrativ wirken. Doch Tourismusdirektoren und Hoteliers müssen sich von Ihnen immer wieder Kritik gefallen lassen. Wie schlecht ist es ums Oberland tatsächlich bestellt?
Die grösste Gefahr ist der grosse Erfolg des Jungfraujochs in Kombination mit dem Rückgang der Feriengäste. In den letzten Jahren hat die Region markant an Gästen aus wichtigen Märkten wie Deutschland, Grossbritannien, Holland und USA verloren. Diese Ausfälle wurden dank der Übernachtungen der Jungfraujoch-Gäste weitgehend kompensiert. Gerade der Rückgang aus Grossbritannien zum Beispiel in Interlaken, wo die Zahl der Logiernächte in den letzten sechs Jahren um 50000 sank, und in Grindelwald wirkt sich negativ aus. Die Zahl der Joch-Besucher hingegen stieg von 500'000 auf über 750'000, alleine im letzten Jahr um 93000, also 13,8 Prozent. Sorgen macht mir auch, dass immer weniger Restaurants und Hotels von Schweizern betrieben werden. Damit geht ein Stück Swissness verloren.
Wer ist schuld – die Hoteliers ?
Mit der Einführung der Tourismusförderungsabgabe TFA 2002 wurde eine zusätzliche Steuer für das Marketing eingeführt. Aber: Diese Gelder flossen nicht ins Marketing, sondern zementierten vielmehr die Strukturen. Die Politik hat hier ihre Kontrollfunktion nicht wahrgenommen. Aber solange Zeit ist, über Strukturen und Prozesse zu lavieren statt sich mit dem Markt zu beschäftigen, gehts allen noch gut.
Und die Jungfraubahnen?
Wir zahlen über 170'000 Franken TFA und investieren viel Geld ins Marketing zugunsten der Region. Für die Akquisition von Feriengästen besteht dringender Handlungsbedarf in Form eines Marketings für die Jungfrauregion, da einzelne Orte bereits komplett vom Markt verschwunden sind.
Zum Beispiel?
Die Marke Wengen wird schon seit längerem nicht mehr auf dem Markt verkauft, und für Grindelwald sind erste entsprechende Tendenzen feststellbar.
Es gibt aber auch positive Beispiele, so grad in Wengen: die Lauberhornrennen. Wie wichtig sind sie für die Jungfraubahn?
Die Rennen sind der grösste und wichtigste Anlass für die gesamte Jungfrauregion. Hier zeigt sich aber auch, dass ein einzelner Event nicht genügt, also dass sich ein Ort ohne zusätzliche Massnahmen nicht positiv entwickeln kann.
Wie gut ist denn die Zusammenarbeit mit dem Renn-OK?
Wir sind dankbar, dass die Jungfraubahnen den Lead nicht übernehmen müssen. In anderen Orten wie St. Moritz oder Davos haben die lokalen Tourismusorganisatonen die Federführung bei der Durchführung von Events.
Ihre jüngste Kritik betraf die Region Grindelwald, deren touristischen Zustand Sie als «verschnupft» bezeichneten und der Sie eine neue Bahn, das so genannte Ypsilon, auf die Kleine Scheidegg empfehlen. Sind die Pläne nach der heftigen Gegenwehr der Landbesitzer in der Schublade verschwunden?
Ich kritisiere die Region nicht generell, sondern mache auf das Verbesserungspotenzial aufmerksam. Die Jungfraubahnen wollen das Projekt Ypsilon nach wie vor realisieren. Es steigert die Konkurrenzfähigkeit der ganzen Region, wovon viele Menschen profitieren würden.
Es bestand schon 1998 ein Luftseilbahn-Projekt auf die Scheidegg, das aber begraben wurde. Wollen Sie mit dem Kopf durch die Wand?
Nein, aber die Jungfraubahnen wollen die touristische Wettbewerbsfähigkeit für die nächsten Generationen sichern. Mit dem Ausflugsverkehr aufs Joch kann die Jungfraubahn den Wintersport mittel- und langfristig nicht quersubventionieren. Inklusive dem Neubau der Wixi-Anlage in diesem Jahr haben wir in den letzten Jahren zur Aufrüstung und Konkurrenzfähigkeit 65 Millionen Franken investiert, unter anderem in Sesselbahnen und Beschneiungsanlagen. In anderen Orten wie zum Beispiel in Gstaad investiert die Gemeinde Saanen 50 Millionen Franken oder der Kanton Bern schreibt einen Kredit von 15 Millionen ab. Solche Eingriffe der öffentlichen Hand führen auf dem stagnierenden Wintersportmarkt immer mehr zu einer Wettbewerbsverzerrung.
Wäre übrigens ein Ersatz des 1983 gebauten Fallbodenliftes bis auf Eigergletscher nicht dringender als das Ypsilon?
Die Talstation der Sesselbahn Wixi wird so gebaut, dass ein Neubau nach Eigergletscher möglich wäre. Schlussendlich entscheidet jedoch der Markt der nächsten Jahre, wobei mir das erwähnte Wegbrechen der Gäste aus Deutschland und Grossbritannien grosse Sorgen bereitet.
Nochmals: Ist ein Ersatz für den Fallbodenlift in Sicht?
Nochmals: Das wird der Markt entscheiden. Die Jungfraubahnen erarbeiten in den letzten Jahren einen Cashflow von rund 50 Millionen Franken. Davon stehen 25 Millionen für Investitionen zur Verfügung mit klaren Prioriäten.
Und das letzte Wort haben die Bergschaften, die mächtiger als jedes Bahnunternehmen sind?
Ohne Zustimmung der Landeigentümer kann kein Projekt realisiert werden. Es dürfen aber nicht emotionale Faktoren im Vordergrund stehen, sondern die Kundensicht und der langfristige Erfolg der Region, und auch die Bergschaften profitieren massgeblich vom Tourismus, zum Beispiel von den Restaurants und den Abgaben der Bahnen.
Zur Opposition zählen manchmal auch Naturschützer, so 1972, als sie den geplanten gläsernen Kristallbau als Ersatz für das abgebrannte Berghaus verhinderten. Wo gibt es heute noch weitere solche Fronten?
Bei neuen Projekten wie zum Beispiel für den Ostgrat ziehe ich grundsätzlich immer die Verantwortlichen von Umweltorganisationen in die Überlegungen ein. Und wir haben uns 2001 für die Mitgliedschaft beim Unesco-Welterbe entschieden, weil nur die Natur und die einzigartige Landschaft den zukünftigen Erfolg garantieren können.
Schlecht goutiert wurde ein Geburtstagsgeschenk, das sich die Jungfraubahn selber machte: Die Beleuchtung der Jungfrau löste in der auflagenstarken Migros-Zeitung sowie bei Naturschützern und Einheimischen Kritik aus – das ging in die Hose?
Nein. Das Schweizer Kreuz auf der Jungfrau, ein Stück Schweiz mit Eisenbahn-Geschichte, ging um die Welt. Hier handelte es sich um eine einmalige Aktion. Die Kommentare auf den wichtigsten Internetportalen waren überwiegend positiv. Es ist uns aber bewusst, dass es bei den vielen Aktivitäten der Jungfraubahnen auch negative Stimmen gibt. Die nehmen wir ernst und ziehen sie in künftige Uberlegungen ein.
2012 gibts ja noch mehr Geschenke, zum Beispiel ein Rollband durch den Rundgangsstollen und eine Sky Lounge auf der ehemaligen PTT-Station. Soll damit Thomas Biegers 2007 formuliertes Ziel erfüllt werden, «die Stärkung des Brands und des Angebotes Jungfraujoch»?
Wir haben 2008 Masterpläne erstellt für Kleine Scheidegg, Eigergletscher und Jungfraujoch mit einer Investitions- und Finanzplanungplanung bis ins Jahr 2023. Zur Einhaltung der Finanzziele ist die Realisation nur mit einer langfristigen Denkweise möglich. Der neue Rundgangsstollen Alpine Sensation, der am 30. März eröffnet wird, soll das beste Allwetter-Programm der Alpen werden. Zur weiteren Steigerung der Attraktionskraft der Marke Jungfrau Top of Europe gehört auch der Ausbau des Ostgrates. Diese Weltattraktion soll neue Kaufimpulse setzen.
Sie wollen also bei der Inszenierung der Bergwelt als Spielplatz munter mitmachen?
Im Berg innen arbeiten wir vermehrt mit Inszenierungen, ausserhalb des Berges jedoch steht auch in Zukunft die Natur im Vordergrund.
Bis 2008 fuhren 84 Prozent der Gäste zum ersten Mal aufs Joch. Gleichzeitig postulierten Sie bei Ihrem Amtsantritt mehr Stammkundschaft als Ziel. Gescheitert?
Nein, an diesem Ziel arbeiten wir, zum Beispiel mit der Steigerung der Weiterempfehlungs-Rate in Form eines exklusiven Jubiläumspasses und der Schaffung der erwähnten neuen Attraktionen.
Über 60 Prozent der Joch-Besucher stammen aus Asien – ein Klumpenrisiko?
Anfang der 90er-Jahre stammten 40 Prozent der Gäste aus Japan. Mit dem Aufbau in Asien haben wir es geschafft, dass andere Märkte gleich wichtig sind und wir eine breite Verteilung der Gästeherkunft haben.
2000 sagten Sie der Hotelrevue: «Der chinesische Markt könnte innert kurzer Zeit explodieren» – eine vergebliche Hoffnung?
Im Vergleich zum indischen Markt dauert es im chinesischen mindestens dreimal so lang und kostete bisher dreimal soviel wie erwartet. Von Indien kommen ein Drittel mehr Gäste als von China. Insgesamt sind es rund 150 000. Übrigens habe ich beide Märkte erstmals 1997 besucht.
Sie hatten einst auch auf Skandinavien und Russland gesetzt – und wurden bitter enttäuscht...
Das ist nicht vergleichbar. Russland bleibt für die Jungfrauregion ein interessanter Markt. Für Skandinavien waren wir aber tatsächlich zu optimistisch.
Rückt damit auch eines Ihrer anderen Ziele, zehn Monate Hochsaison, wieder in weite Ferne?
Nein, im Gegenteil. Die Visionen «10 Monate Hochsaison» und «jährlich 900'000 Joch-Besucher bis ins Jahr 2020», die ich beide 2007 formulierte, haben sich gut entwickelt. Es gab eine massive Steigerung von 250'000 Joch-Gästen. Beispiel November: Vor zehn Jahren waren es 14000 Besucher, heute bereits über 34'000. Und im Mai sind es statt 50'000 schon fast 90'000.
Es herrscht also Optimismus. In den bisher 100 Jahren schrieb die Jungfraubahn nur einmal rote, sonst immer schwarze Zahlen, und unter ihrer Leitung fährt sie von Rekord zu Rekord. Ist man wirklich «zum Wachstum verdammt», wie es Walter Steuri einmal ausdrückte?
Wachstum und Grösse alleine kann nicht das Ziel sein. Entscheidend ist die Rentabilität. Dies sichert nachhaltige und langfristige Investitionen.
Es wird also nur dann investiert, wenn Aussicht auf eine Rendite besteht?
Grundsätzlich ja. Wir sind uns aber bewusst, dass wir langfristig nur wachsen können mit einer starken Hotellerie, Parahotellerie, Hostellerie und starkem Camping. Genau deshalb – ich wiederhole mich – macht uns der Rückgang der Feriengäste grosse Sorgen. Klar, es wäre verlockend gewesen, für sechs Millionen Franken im Oberhasli eine Winter- sportregion zu kaufen. Wir haben aber noch zahlreiche wichtigere Projekte in unserem Kerngebiet wie die Beschaffung von neuen Panozügen bei der WB und den Ausbau der Kleinen Scheidegg, Grindelwald Grund, Lauterbrunnen und das Ypsilon.
Schon die Pioniere bauten die Bahn bekanntlich nicht aus Idealismus und Liebe zu den Bergen, sondern aus reiner Gewinnsucht.
Nun, dazu fällt mir spontan nur Folgendes ein: ohne unternehmerisches Risiko kein Erfolg.
Da darf man sich dann aber auch nicht wundern, wenn das Unternehmen zum Objekt der Begierde von Spekulanten, von Grossinvestoren wird. Wie hoch ist das Risiko eines unfriendly Takeovers der Aktien?
Mit gezielten Massnahmen wie einem Aktionärsclub streben wir eine möglichst breite Aktionärsschaft an. In den letzten Jahren haben wir die Zahl unserer Aktionäre von 8000 auf über 12'000 gesteigert.. Es liegt uns viel daran, dass die Jungfraubahn noch breiter auf die Region abgestützt wird. Bei der 100-prozentigen Übernahme des Parkhauses Lauterbrunnen hat die Gemeinde als Zahlungsmittel Aktien der Jungfraubahn Holding
(JFN
61
-3.79%)
statt Franken gewählt. Das zeugt von Vertrauen in unser Unternehmen.
Ist die JB-Aktie mit derzeit rund 57 Franken fair bewertet?
Der Aktienkurs widerspiegelt die Erwartungen der Zukunft für unsere Unternehmung. Das Kursziel der Bank Vontobel liegt bei 62 Franken..
Der Aktienkurs könnte in den zweiten 100 Jahren jedoch sinken, denn diese werden wohl sehr stark vom Klimawandel und damit von grossen Problemen geprägt sein. Erste Frage dazu: Wie lange hält sich die Sphynx noch auf ihrem Felsen?
Die Sphynx wird auch noch in den nächsten 50 Jahren Bestand haben, da wir die Klimaerwärmung bereits bei ihrem Bau 1996 technisch einbezogen.
Das bedeutet auch, dass das Gestein rund um den Liftschacht künstlich gekühlt werden muss. Doch wann wird denn der Aletschgletscher, das optische Highlight, verschwinden?
Auch in den nächsten 50 Jahren nicht, wie eine Studie ergeben hat. Gletscher wird es nirgends länger geben als auf dem Jungfraujoch.
Dritte Frage zum Klimawandel: Wird die Sicherheit der Tunnelstrecke wegen des auftauenden Permafrostes beeinträchtigt?
Das Gestein des Tunnels ist sehr stabil und seit 100 Jahren nahezu unverändert.
Wie hoch sind für die Jungfraubahn die Kosten, die schon heute durch den auftauenden Permafrost verursacht werden?
Es wurden und werden laufend punktuelle Massnahmen durchgeführt. Dazu gehört auch ein zusätzliches Pistenfahrzeug, das den Schnee bis zu den Ausgängen transportiert, weil es immer weniger schneit.
A propos Klima und Kosten: Wenn alles auftaut und zusammenbröselt, nützt auch das Unesco-Label Weltnaturerbe nichts mehr. Kann man Aufwand und Nutzen des Labels schon in Franken beziffern?
Nein, in Franken ist das schwierig. Leider hat das Label insgesamt an Wert und Exklusivität verloren, weil inzwischen geradezu eine Flut an neuen Kandidaten aufgenommen worden ist.
Vom Klima zum Kunden, dem wohl wichtigsten Glied in der ganzen Kette. 2008 forderten Sie: «Wir wollen die besten Gastgeber der Schweiz sein.» Wie wollen Sie das überhaupt messen?
Einerseits mit einem Kundenorientierungs-Index. dabei handelt es sich um periodische Befragungen. Andererseits werten wir laufend die Beanstandungen aus und passen auch die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter entsprechend an.
Die so genannte Ecosign-Studie prangerte Ende 2011 die «unmögliche Situation» in den Zügen an, die langsam und unbequem seien. Was erwidern Sie?
Grundsätzlich ist eine Zahnradbahn ein einzigartiges Verkaufsargument. Aber sie verfügt über beschränkte Kapazitäten zur Abdeckung von Spitzenzeiten. Deshalb wäre eine Ergänzung durch eine Gondelbahn langfristig ideal, sowohl für den Sommer als auch für den Winter. Die Wengernalp-Bahn mit 80 Zentimetern Spurweite muss bei der Ausstattung einen grossen Spagat machen, um sommer- und wintersporttauglich zu sein ,
Sind nur fünf Minuten Aufenthalt sowohl in der Nordwand als auch beim Eismeer wirklich gastfreundlich? Früher gabs hier sogar Restaurants...
Unsere Marktforschung zeigt, dass die Bedürfnisse des Gäste erfüllt sind.
Eine Qualität von guten Gastgebern sind auch lange Betriebszeiten. Die letzte Bahn vom Joch fährt im Sommer um 17.40 und im Winter sogar schon um 16.40 Uhr – ist das kundenfreundlich?
Auch über die Betriebszeiten entscheidet der Markt..
Aber könnten denn mit einem Abendbetrieb nicht sogar noch mehr Gäste generiert werden?
Wir haben Abklärungen getroffen, ob eine Verlängerung der Betriebszeiten zu einer grösseren Nachfrage führen würde Nach Abwägung der zusätzlichen Kosten und der Kundenreaktionen haben wir uns für den heutigen Fahrplan entschieden.
An Spitzentagen fährt die Bahn bis zu 110 Mal in beide Richtungen. «Probleme mit der Höhe gehören hier fast zum Alltag», sagt Kondukteur Roman Glanzmann im Jubiläumsbuch. Was ist Ihre grösste Sorge bezüglich der Sicherheit der Fahrgäste – diese medizinischen Probleme wie Atemnot und Platzangst oder doch eher Brandgefahr oder technische Pannen?
Jede Panne ist eine Panne zu viel. Deshalb geniesst das Risiko-Management bei uns höchste Priorität. Doch auch so kann nicht restlos alles vorausgesehen werden. Meine grösste Sorge gilt also dem, was wir uns nicht vorstellen können.
Wie erholen Sie sich privat von Ihrer riesigen Verantwortung gegenüber den Kunden?
Die grösste Verantwortung trage ich gegenüber den rund 700 Mitarbeitern, für welche die Jungfraubahnen auch in Zukunft ein erfolgreicher Arbeitgeber sein will. Privat erhole ich mich mit meiner Familie und unter anderem beim Skifahren, Fitnesstraining und weiterem Sport.
Möchten Sie so alt werden wie nun die Jungfraubahn ist, also nochmals 50 Jahre leben?
Ja, gerne – sofern die Gesundheit mitspielt. Doch das liegt nicht in meiner Hand.
Interview: Zum 100-Jahre-Jubiläum der Jungfraubahn publiziert der Berner Oberländer in diesem Jahr mehrere grosse Beiträge. Der nächste Artikel erscheint Mitte Februar.> (Berner Oberländer)
Erstellt: 27.01.2012, 10:03 Uhr
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2 Kommentare
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"Ich mache auf Verbesserungspotential aufmerksam!": "gut gebrüllt, Löwe!". Die Gefolgschaft, die "human resources" können dann wohl mit den daraus resultierenden "Tips"/"Hints" wie folgt umgehen: wenn sie wollen, dürfen sie; wenn sie nicht wollen, müssen sie! Oder, HSG/HARVARD/YALE lassen grüssen: "MBNS", lies, "what means for non-experts": "Management by natural Supremacy" ("what else, folks!"). Antworten
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