Bürokratie treibt Berner Solartüftler nach Frankreich
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 13.04.2011 5 Kommentare
Imposant: Ein Blick von oben auf die elf Dächer des Gemüselagers in Perpignan. (Bild: Montage zvg)
Erneuerbare Energien
In der Schweiz ist die Förderung blockiert Blockierte Förderung Seit 2009 fördert die Schweiz den Strom aus erneuerbaren Energien über die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) aktiv. Rund 250 Millionen Franken fliessen jährlich in den staatlichen Fördertopf. Diese werden über den Strompreis finanziert. Aktuell unterstützt jeder Schweizer die Förderung der erneuerbaren Energien mit 0.45 Rappen pro Kilowattstunde Strom, die er verbraucht.
Wer eine Wind-, Wasser- oder Fotovoltaikanlage baut, kann sein Projekt bei der KEV-Stiftung anmelden. Wird es gutgeheissen, wird der eingespeiste Strom mit einem Beitrag von 20 bis 59 Rappen pro Kilowattstunde vergütet, je nach Energieträger. Die höchste Vergütung erhalten momentan Fotovoltaikanlagen.
Die KEV-basierte Stromförderung ist in der Schweiz jedoch blockiert. Das Hauptproblem: Der Fördertopf ist jeweils sehr schnell leer. Zurzeit befinden sich deshalb knapp 9800 Projekte in der Warteschlaufe. Über 8600 davon sind Fotovoltaikvorhaben.
Ein schmucker Bauernhof in Gasel. Hier hat vor fünf Jahren alles begonnen. André Posnansky steht vor der Scheune und zeigt aufs Dach. Auffallend: Das Dach ist nicht mit Holzschindeln ausgekleidet, sondern mit Solarziegeln aus Glas, welche den Jahresstrombedarf von sieben Familien abdecken. An diesem Solardach hat der Berner Solarunternehmer gemeinsam mit seiner Firma Solaire Suisse SA zwei Jahre lang herumgetüftelt, bevor er dafür 2008 den Schweizer Solarpreis erhielt. Das Spezielle an der Anlage: Die Solarziegel sind nicht auf einem bestehenden Dach montiert, sie ersetzen das Dach vollständig. Sie schützen das Innere der Scheune vor Regen und Hagel und produzieren gleichzeitig Strom für sieben Familien.
Was damals vielversprechend begonnen hatte, sollte in einer Ernüchterung enden. Posnansky hätte in der Schweiz gerne weitere vergleichbare Anlagen gebaut, darunter ein Nachfolgeprojekt auf demselben Areal in Gasel. «Wir haben aber vom Bund keine kostendeckende Einspeisevergütung erhalten», sagt der 33-Jährige. Wegen der grossen Flut an Projekten für Wasser-, Wind- und Fotovoltaikanlagen hatte Posnansky mit seinen Vorhaben keine Chance, in den Genuss der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zu kommen. Dieser staatliche Fördertopf ist in der Schweiz nach oben begrenzt (siehe Kasten).
Expansion nach Frankreich
André Posnansky kehrte der Schweiz fortan beruflich den Rücken und suchte den Erfolg in Frankreich. Dort war es damals bedeutend einfacher, für grosse Fotovoltaikprojekte staatliche Fördergelder zu bekommen. Eine Beschränkung nach oben, wie wir sie in der Schweiz kennen, gab es in Frankreich nicht.
Posnansky startete in Perpignan in Südfrankreich sogleich ein Grossprojekt: Auf den Dächern eines Logistikzentrums für Gemüse und Früchte baute er auf einer Fläche von 70'000 Quadratmetern ein Solardach mit seinen «ästhetischen Solarziegeln», wie er sie nennt. Die Anlage erstreckt sich über elf Dächer. Seines Wissens sei dies das weltweit grösste gebäudeintegrierte Solarkraftwerk, sagt Posnansky.
Das Sonnenkraftwerk in Perpignan wurde von Posnanskys neu gegründeter Firma Solaire France entwickelt und konzipiert. Von ihr stammt auch ein Teil des Eigenkapitals. Die Gesamtkosten der Anlage beliefen sich auf 55 Millionen Euro. Wobei Posnansky betont, dass darin auch Kosten für die Entsorgung der alten Dachfläche, die zum Teil mit Asbest behaftet war, enthalten seien. «Heute würde eine vergleichbare Anlage vielleicht noch 35 Millionen Euro kosten.» Posnansky rechnet diesen Betrag auf die Fläche eines Einfamilienhauses herunter: «Ein integriertes Solarkraftwerk auf einer Fläche von 100 Quadratmetern ist für rund 65'000 Franken erhältlich. Damit lässt sich der Strombedarf von zwei bis drei Familien abdecken.»
Strom für 10'000 Menschen
Zurück zu der riesigen Anlage in Südfrankreich: Sie hat eine Leistung von 9 Megawatt und liefert Strom für 10'000 Menschen. Anders gesagt: Die Gemeinde Belp könnte mit diesem Solarkraftwerk ihren kompletten Jahresstrombedarf abdecken.
Die Begeisterung für die Fotovoltaik hat André Posnansky von seinem Vater Mario mit auf den Weg bekommen. Mario Posnansky machte im Kanton Bern vor rund zehn Jahren Schlagzeilen, als er an einem Hochhaus in Wittigkofen die damals grösste Solarfassade der Welt installiert hatte. Allerdings kam es bei diesem revolutionären Projekt auch zu Unstimmigkeiten zwischen Posnansky und einigen Mitarbeitern, woraufhin Posnansky als Verwaltungsrat seiner Firma abgewählt wurde.
1500 Kilometer pro Woche
André Posnansky pendelt seit vier Jahren zwischen Bern und Südfrankreich hin und her. Pro Woche kommen so rund 1500 Kilometer zusammen. «Höchste Zeit, dass wir in der Schweiz Projekte verwirklichen können», sagt er. Er wolle jetzt hier gemeinsam mit Partnern konkrete Projekte aufgleisen. Dabei hofft er auch auf die Politik. «Mit den heutigen Rahmenbedingungen kann die Stromproduktion durch Solarenergie nicht im grossen Massstab erfolgen.» Seine Forderung: Die Politik müsse die quantitative Obergrenze der kostendeckenden Einspeisevergütung kippen. «Nur dann können die erneuerbaren Energien eine wirkliche Alternative zur Kernenergie werden.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.04.2011, 07:24 Uhr
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Die Schweizer sind ein Volk von Ignoranten geworden und träge wie die Dinosaurier. Nichts bewegt sich bis eines tages die Schweiz in der Form nicht mehr existiert. Ich habe aufgehört mich zu ärgern, ich denke bis zu meinem Ableben läufts ja noch. Antworten
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