Biketec verkauft 40'000 Velos pro Jahr
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 26.05.2010
Preis für kreative Betriebe
Am 9.Juni verleiht der Swiss Venture Club (SVC) zusammen mit der Espace Media AG (Herausgeberin der Berner Zeitung) den Unternehmerpreis Espace Mittelland bereits zum achten Mal. Ausgezeichnet werden Firmen aus dem Wirtschaftsraum Bern-Solothurn-Freiburg, die innovativ sind und die Zeichen der Zeit erkannt haben. Heute: Biketec AG, Huttwil.
Es ist eine Erfolgsgeschichte, die sich in der hügeligen Landschaft zwischen Emmental und Oberaargau abspielt: Die Firma Biketec, Herstellerin der Flyer-Elek-trovelos, spürt die Wirtschaftskrise in keiner Weise. Die Produktion läuft auf Hochtouren, der Markt für elektrobetriebene Fahrräder wächst in der Schweiz jährlich um das Doppelte. Genau das ist auch der Grund, weshalb sich Biketec letztes Jahr in Huttwil angesiedelt hat: Der vormalige Produktionsstandort in Kirchberg war zu klein geworden und drohte, aus allen Nähten zu platzen.
Die neue Produktionshalle in Huttwil schliesslich, die erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, schien grosszügig genug konzipiert, um der grossen Nachfrage Herr zu werden. Nur: Das war eine Fehleinschätzung. Die Anlage ist bereits wieder zu klein, weshalb sich hinter dem Neubau mittlerweile ein zweites Werk im Bau befindet.
Bald 50'000 Flyer pro Jahr
Die Zahlen machen Eindruck: Hat Biketec im Jahr 2001 noch 1000 Flyer pro Jahr produziert, sind es inzwischen fast ebenso viele pro Woche. Geschätzte 45'000 bis 50'000 Flyer werden das Werk in diesem Jahr verlassen. In die Höhe geschossen ist in den letzten Jahren auch die Mitarbeiterzahl: 2007 beschäftigte Biketec noch 25 Angestellte, heute sind es mit 125 bereits fünfmal mehr. Tendenz weiter steigend, falls der Flyer-Boom anhält.
Kurzum: Die Biketec AG ist gesund und hat rosige Perspektiven. Oder in den Worten von Geschäftsführer und Mitinhaber Kurt Schär ausgedrückt: «Es ist Wahnsinn, was hier im Moment abgeht.»
Schlauere Kunden?
Und wie erklärt sich Schär den grossen Erfolg mit den akkubetriebenen Velos? «Der Zeitgeist kommt uns sicher entgegen. Die Menschen wollen heute gesünder, schlauer, öko-bewusster leben als früher.» Und auch für sportliche Menschen sei der Flyer geeignet. «Klar wird der Fahrer durch den Elektroantrieb unterstützt, pedalen muss er aber trotzdem noch selber», erklärt Schär. Und auf den nicht gerade billigen Verkaufspreis des Flyers von 3000 bis 6000 Franken angesprochen, meint er: «Das muss ich relativieren. Die Leute kaufen den Flyer nicht als teures Velo, sondern als günstiges und umweltfreundliches Transportmittel, als Alternative zum Auto und zum öffentlichen Verkehr.»
Eigene Stromproduktion
Zum Gesamtpaket von Biketec gehört es auch, dass der Strom, der für die Produktion und den Unterhalt der Flyer benötigt wird, vom eigenen Dach kommt. Die Photovoltaikanlage produziert jährlich so viel Solarstrom, dass damit 15 bis 20 Einfamilienhäuser versorgt oder 10 Millionen Flyer-Kilometer abgespult werden könnten. Jeder Flyer-Käufer kann sich, wenn er will, mit 1000 Franken an der Photovoltaikanlage beteiligen und sich so für seinen Flyer den eigenen Solarstrom erwerben.
Marktleader in der Schweiz
Mit einem Umsatz von 68 Millionen Franken (2009) ist Biketec im Verkauf von Elektrovelos heute unangefochtene Marktleaderin in der Schweiz. Damit gibt sich der umtriebige Schär allerdings nicht zufrieden. «Unser Ziel ist es, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren jedes dritte Fahrrad auf Schweizer Strassen ein Elektrovelo ist.» Das ist ein ehrgeiziges Ziel, denn heute liegt dieser Anteil in der Schweiz erst bei rund fünf Prozent.
Anders sieht es im Ausland aus: Bereits heute wird jeder zweite Flyer exportiert, die wichtigsten Märkte für Biketec sind Holland und Deutschland, aber auch in Kanada und Österreich läuft das Geschäft langsam an.
Um das ambitionierte Ziel in der Schweiz zu erreichen, hat Biketec schon 2003 den Tourismus entdeckt: Über die ganze Schweiz verteilt stehen 1500 Flyer bereit, die vermietet werden. Auf diese Weise machen viele Touristen mit dem Flyer Bekanntschaft. Besonders beliebt sind die verschiedenen Flyerrouten mit Wechselstationen für die Akkus, die von Biketec mitinitiiert wurden. Die bekannteste Strecke ist sicherlich die «Herzroute», die durchs Emmental, Entlebuch und Teile des Berner Oberlandes führt.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 25.05.2010, 07:24 Uhr
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