Bieterkampf um Sarasin spitzt sich zu
Von Daniel Zulauf. Aktualisiert am 24.11.2011 16 Kommentare
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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Im Kampf um die Bank Sarasin (BSAN 26.25 -0.19%) könnte sich diese Volksweisheit bestätigen. Offenbar ist neben der Zürcher Julius-Bär-Gruppe und der genossenschaftlichen Schweizer Raiffeisen Bank ein dritter Bieter aus dem Ausland auf den Plan getreten. Die niederländische Rabobank soll fest entschlossen sein, die von ihr mehrheitlich beherrschte Basler Traditionsbank zu veräussern. Das vor allem für die 1600 Mitarbeiter, aber auch für manche Kunden der Bank Sarasin nervenaufreibende Gezerre um den Verkauf der Firma dürfte in den nächsten Tagen ein Ende nehmen.
Nachdem der Bank Julius Bär, (BAER 31.29 0.68%) die hinter den Kulissen schon seit Monaten um den Zuschlag buhlt und als erste Bieterin eine verbindliche Offerte in Utrecht deponierte, soll nun auch Raiffeisen ein definitives Gebot unterbreitet haben. Die «Finanz und Wirtschaft» berichtet in ihrer gestrigen Ausgabe, die Genossenschaftsbank habe der Rabobank im Rahmen einer definitiven Offerte angeboten, einen Drittel aller Sarasin-Aktien zu übernehmen. Die Niederländer halten über ihre privilegierten Stimmrechtsaktien 46 Prozent der Kapitalanteile und 68 Prozent der Stimmen von Sarasin. Gemäss Informationen der BaZ sieht das von Raiffeisen offiziell nicht kommentierte Angebot vor, 30 Prozent der Kapitalanteile von Rabobank zu übernehmen. Die verbleibenden 16 Prozent würden die Niederländer behalten in der Hoffnung, dass Sarasin an dem in Gang gekommenen Konsolidierungsprozess im Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft eine Wertsteigerung erfahren wird.
JP Morgan als möglicher Dritter
Doch weder Julius Bär noch Raiffeisen verfügen bisher im Poker um die Basler Bank über ein Siegesblatt. Während Bär mit Blick auf eine noch offene und möglicherweise hohe Rechnung im Steuerstreit zwischen der Schweiz und Amerika mit Finanzierungsproblemen konfrontiert werden könnte und zudem bei der Belegschaft der Bank Sarasin wenig Kredit geniesst, kann Raiffeisen den Niederländern keinen sofortigen und einfachen Ausstieg anbieten. Dies könnte nun die Gelegenheit für einen dritten Bieter sein.
Die Agentur Reuters berichtete gestern unter Bezugnahme auf Informationen aus Investmentbankkreisen, dass nun just ein solcher dritter Bieter auf den Plan getreten ist. Die Basler Zeitung hat sich diese Information von gut unterrichteter Seite bestätigen lassen. Es soll sich um eine nicht schweizerische Adresse handeln. Konkrete Namen sind bislang keine gefallen. Als mögliche Bieter infrage kommen könnte die amerikanische Grossbank JP Morgan, die eben erst Anfang dieses Jahres ein ambitioniertes Projekt zum Ausbau des Private-Banking-Geschäftes in der Schweiz vorgestellt hatte. Die Amerikaner verfolgen gemäss früheren Aussagen ihres Schweizer Co-Chefs Martin Schütz «sehr starke Expansionspläne» in der Schweiz. Trotz der Angriffe auf das Bankgeheimnis misst JP Morgan dem hiesigen Finanzplatz auch künftig eine hohe Bedeutung bei.
Von der Beraterin zur Bieterin?
JP Morgan agiert im Sarasin-Geschäft als Beraterin der Rabobank. Es sei auffallend, dass die Rabobank seit einiger Zeit in Sachen Sarasin stets selber als Verhandlungspartei auftrete, während die Beraterin JP Morgan in dem Prozess nicht mehr sichtbar sei, heisst es in Finanzmarktkreisen. Dies ist vielleicht ein Hinweis, dass sich die Amerikaner tatsächlich in die Reihe der Kaufinteressenten gestellt haben. Ein Kommentar von JP Morgan war gestern am späten Abend nicht mehr zu erhalten. Eine zweite mögliche Bieterin ist die britische HSBC-Gruppe, die mit ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft bereits die grösste Auslandbank der Schweiz ist und mit Alexandre Zeller vor noch nicht allzu langer Zeit einen Schweizer zum Leiter für das internationale Private Banking bestimmte.
Nach Informationen der BaZ dürfte das Sarasin-Management die Option mit einer ausländischen Bieterin einem Verkauf an Bär vorziehen, auch wenn keine der beiden Möglichkeiten als optimal angesehen wird. Am liebsten hätte die Sarasin-Führung gesehen, wenn die Rabobank im Frühjahr ihre Sarasin-Anteile im Markt platziert und die Bank so in die Freiheit entlassen hätte. Doch diese Variante soll den Niederländern damals noch zu wenig lukrativ erschienen sein. Heute würde man in Utrecht vermutlich anders entscheiden. Im Februar notierten die Sarasin-Aktien noch zu Kursen von über 45 Franken und der Börsenwert der Bank belief sich auf gegen 2,8 Milliarden Franken. Inzwischen kostet ein Aktien trotz Übernahmefantasie nur noch 32.15 Franken.
Gestern sackten die Titel um fünf Prozent ab. Offenbar gehen einige Marktteilnehmer davon aus, dass die Rabobank mangels guter Alternativen letztlich doch keinen Verkauf vornehmen will. Das scheint nach Informationen der BaZ aber nicht der Fall zu sein. Die Niederländer seien entschlossen, das Geschäft zum Abschluss zu bringen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.11.2011, 11:24 Uhr
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16 Kommentare
Ich bin für Julius Bär. Dann entsteht eine dritte grössere CH Bank hinter CS/UBS und es ist wahrscheinlich gut für Zürich. Dass Raiffeisen sich daran beteiligt macht nicht viel Sinn, sind die nicht eine Retailbank und Genossenschaft!?! Wozu machen die M+A? Was bringt das für die Genossenschaftler? JPM ist halt schon riesig und keine CH Bank, bin mir nicht sicher, ob das optimal ist. Antworten
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