Bieler Vorzeigefirma steht vor dem Ende
Von Philippe Müller, Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 17.01.2012 4 Kommentare
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Es begann vielversprechend: 2003 entstand aus der Forschung der Berner Fachhochschule in Biel das Start-up-Unternehmen Axsionics. Die Firma verfolgte von Anfang an nur ein Ziel: das Onlinebanking absolut sicher zu machen. Dazu entwickelte Axsionics ein Gerät, das fähig ist, den Fingerabdruck des jeweiligen Kunden zu speichern. In Kombination mit weiteren Schritten garantierte Axsionics damit einen sicheren Anmeldeprozess und eine sichere Abwicklung der elektronischen Zahlungen. Der Erfolg kam früh: Die Berner Kantonalbank (BEKN 252 -0.59%) stieg als erste Grosskundin ein, es folgten für Axsionics prestigeträchtige Auszeichnungen wie der Swiss Technology Award und Fernsehauftritte.
Nun ist die Erfolgsgeschichte wohl zu Ende: Am 5.Januar wurde über Axsionics der Konkurs eröffnet. Verwaltungsrat und Mitbegründer Alain Rollier gibt die Hoffnung noch nicht auf, dass sich mit bestehenden und eventuell neuen Investoren noch eine Lösung finden wird.
BEKB war Geldgeberin
Der Konkurs tangiert auch die Berner Kantonalbank. Sie hat als erste Bank das Fingerprintgerät von Axsionics ihren Onlinekunden zur Verfügung gestellt. Bis heute rund 16'500 Geräte an ihre Kunden ausgeliefert, sagt BEKB-Sprecher Hanspeter Merz. «Das Produkt überzeugt uns weiterhin, es funktioniert sehr zuverlässig.» Merz betont, dass sich für die Kunden der Berner Kantonalbank nichts ändern werde: Auch wenn Axsionics liquidiert werden sollte, würde das Produkt weiterhin tadellos funktionieren. Für die nächsten zwei bis drei Jahre könne man problemlos auf die heutige Lösung vertrauen, danach brauche es wohl ein Nachfolgeprodukt.
Die BEKB war nicht nur Kundin, sie war auch Förderin von Axsionics. Die Stiftung für technologische Innovation (STI) hat der Bieler Firma in den Jahren 2006 und 2007 Darlehen in der Gesamthöhe von 500'000 Franken gewährt. Weil die Kantonalbank die STI alimentiert, stammt ein erheblicher Teil des Betrags von der BEKB. Die Stiftung will nun prüfen, ob sie das Geld einfordert. Ähnlich tönt es bei der Wirtschaftsförderung des Kantons Bern. Auch sie hatte Axsionics am Anfang finanziell unterstützt, den Betrag behält der Chef der Wirtschaftsförderung, Denis Grisel, aber für sich. Man überlege sich nun, ob man eine Rückforderung stellen wolle.
Probleme begannen früher
Auch wenn sich Axsionics erst jetzt im Konkurs befindet: Um die Bieler Firma stand es schon seit längerem nicht mehr zum Besten. Bereits im September 2011 stand das IT-Unternehmen kurz vor dem Konkurs, weil es an liquiden Mitteln fehlte, sagt ein Firmenkenner. Zuvor war die Mitarbeiterzahl laufend von 30 auf zuletzt 10 gesunken. Es folgte im letzten Dezember die Übernahme durch die österreichische IT-Firma Agses. Nur durch eine Geldspritze der neuen Besitzerin in der Höhe von 750'000 Franken konnte Schlimmeres vorerst verhindert werden. Das Geld war jedoch schnell weg, zu schnell. Für die Stabilisierung der Finanzsituation sowie für Investitionen in die Weiterentwicklung des Produkts blieb nichts übrig. Es blieb nur der Weg in den Konkurs.
Das Hauptproblem von Axsionics schildert Mitbegründer Alain Rollier so: «Es ist uns nicht gelungen, die kritische Grösse und einen genügend grossen Kundenstamm zu erreichen.» Zwar habe man inzwischen rund 70'000 Fingerprintgeräte ausgeliefert, das genüge aber nicht. Verschärft hat sich das Problem, als einige Kunden fällige Anzahlungen nicht geleistet haben. «Das brachte uns, trotz aller Anstrengungen, endgültig in finanzielle Schwierigkeiten», so Rollier.
Ein Firmenkenner ortet noch ein weiteres Problem: «Axsionics hat ein technisch hervorragendes Produkt. Doch – und das ist typisch für die Schweiz – es hat niemand an die Vermarktung gedacht», sagt der Insider, der nicht mit Namen genannt werden will. Zudem seien die Kosten für Forschung und Infrastruktur «viel zu hoch» gewesen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.01.2012, 07:08 Uhr
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4 Kommentare
Hab ich mir gleich gedacht, als ich mal eine Produktpräsentation von denen gesehen habe.
Die Produktidee ist wirklich gut und gewiss auch sicher, aber einfach zu aufwendig in der Implementation.
Solche Identifikationssysteme sollen zwar möglichst sicher sein, aber sie dürfen nicht mehr als 50 Fr. pro Stück kosten. Alles, was teurer ist, kann dem Kunden fast nicht mehr schmackhaft gemacht werden.
Antworten
Abgesehen davon, dass das Gerät, das biometrische Daten verwendet, nicht sicher ist und eine Lücke aufweist, die jedes elektronische Zahlungsmittel aufweist. Der Moment der Datenverschlüsselung ist auch die Lücke. Dazu kommt, das man heute nur davon ausgeht, das Verschlüsselung sicher ist. Allerdings existiert Crackingsoftware und Rechnerleistung ist Rechenzentren günstig zu haben! Antworten
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