Bei der einstigen Vorzeigefirma ist ein dubioser Financier im Spiel
Von Clara Brachvogel. Aktualisiert am 19.01.2012 1 Kommentar
2008 war für das Bieler Unternehmen Axsionics das Jahr der ergiebigsten Finanzierungsrunde seiner Geschichte. 10 Millionen Franken hatte es zusammengetragen, wie das «Bieler Tagblatt» in seiner heutigen Ausgabe berichtet. Axsionics hatte die Investoren mit seiner Neuentwicklung überzeugt: Das Unternehmen hatte ein Gerät entwickelt, das fähig ist, den Fingerabdruck des jeweiligen Kunden zu speichern. In Kombination mit weiteren Schritten garantierte Axsionics damit einen sicheren Anmeldeprozess. Die erste Kundin des Unternehmens war die Berner Kantonalbank. Wie am Montag bekannt wurde, hat Axsionics kürzlich Konkurs angemeldet.
Financier in U-Haft
Rund neun Millionen Franken des Geldsegens von 2008 stammten von der Private-Equity-Gesellschaft Core Capital aus Zürich. Ein Anruf in Zürich ergibt jedoch: Die Büros sind bis auf weiteres nicht besetzt. Der Chef, Martin Gloor, sitzt in Untersuchungshaft. Der Verdacht, so berichtete die Nachrichtensendung «10vor10» Anfang Dezember: Gloor soll mindestens 16 Investoren um ihre Gelder betrogen haben. Das Geld habe Gloor für die Finanzierung von Start-ups akquiriert, schliesslich aber in die eigene Tasche gesteckt.
Millionen, die nie ankamen
Wurden auch Investoren der Axsionics auf diese Weise geschädigt? Kam nicht jeder Franken in Biel an? Der ehemalige Geschäftsführer Alain Rollier hat keine entsprechenden Verluste zu beklagen. Dem Hightechunternehmen gegenüber habe sich Gloor nichts zuschulden kommen lassen und alle Versprechen erfüllt, sagt Rollier. Kein Wunder, dass der Betrug in Biel nicht auffiel.
Ein Zürcher Anwalt, der mehrere Geschädigte im Fall Martin Gloor vertritt, weiss allerdings mehr. Michael Werder von der Anwaltskanzlei Werder Viganò: «Ja, es trifft zu, dass ich auch mehrere Mandanten habe, die in die Firma Axsionics investiert haben. Sie kommen aus der ganzen Schweiz.» Der Chef der Investmentfirma Core Capital soll an Präsentationen versprochen haben, gleichzeitig in die schwach kapitalisierten Unternehmen zu investieren. Stattdessen habe er sich selbst beteiligt und die Anteile dann teurer an die Investoren weiterverkauft. «Ein verdeckter und damit rechtswidriger Kursschnitt», wie Anwalt Werder das angenommene Delikt nennt.
Wenn also 2008 neun Millionen bei Axsionics ankamen, dann verbergen sich dahinter Investitionen in mutmasslich weitaus grösserem Umfang. Nach Schätzungen von Werder «können Sie auf den angekommenen Betrag 50 bis 80 Prozent draufhauen». Teils seien Anteile gar um 120 Prozent teurer verkauft worden.
Geschädigte zweiter Reihe
Die Bieler Axsionics wird somit, wohl ohne dass sie davon etwas merkte, zu einer Geschädigten der zweiten Reihe. Denn die Investoren, die hinter der Core Capital in Zürich standen, haben womöglich 15 statt 9 Millionen investiert. Nur, dass das Geld eben niemals Biel erreichte, sondern, so die Vermutung der Zürcher Staatsanwaltschaft, in den Taschen des Financiers Gloor selbst landete. Geld, das die Axsionics am Jahresende dringend gebraucht hätte. Welche Chancen die geschädigten Geldgeber haben, je wieder an ihr Geld zu kommen, dazu lässt sich bisher nichts sagen. Bis auf weiteres ist Martin Gloor in Untersuchungshaft, die bis zu drei Monate andauern kann. Seiner Festnahme Anfang Dezember hatte er sich durch Flucht entziehen wollen.
Auch die Investitionen der Berner Kantonalbank in die Axsionics verpufften mit der Deponierung der Bilanz. Eine Stiftung der BEKB hat der Bieler Firma in den Jahren 2006 und 2007 Darlehen in der Höhe von 500'000 Franken gewährt. Die BEKB erwägt laut Mediensprecher Hanspeter Merz, ihre Gelder im Konkursverfahren zurückzufordern. Die Staatsanwaltschaft Zürich wollte keine Stellung nehmen. (Bieler Tagblatt)
Erstellt: 19.01.2012, 11:04 Uhr
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