Bei Comparis ist Feuer im Dach

Arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen, hohe Fluktuation, Mitschnitte von Telefonaten – hinter der Kulisse des Internet-Vergleichsdienstes geschehen eigenartige Dinge.

«Sie versuchen, uns zu erpressen»: Comparis-Chef Richard Eisler.

«Sie versuchen, uns zu erpressen»: Comparis-Chef Richard Eisler. (Bild: Keystone)

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«Comparis.ch ist nur den Interessen der Konsumenten verpflichtet.» So stellt sich Comparis selbst dar. So wird das Vergleichsportal von vielen wahrgenommen: ein echter Dienstleister.

Doch hinter der Fassade brodelt es. Mehrere ehemalige und gegenwärtige Mitarbeitende erheben massive Vorwürfe an die Adresse der beiden Gründer und Mehrheitsbesitzer der Unternehmung, Johann Burkhard und Richard Eisler. Arbeitszeiten würden nicht eingehalten, Leute zu Wochenendeinsätzen gedrängt, in Aussicht gestellte Zahlungen von Boni oder Pensionskassen-Beiträgen nicht ausgerichtet. Mehrere, vor allem jüngere Mitarbeitende seien mit Burnout-Symptomen zusammengebrochen.

Eisler bestreitet Vorwürfe

«Es gibt da ein paar Leute, die ein privates Süppchen kochen und versuchen, sie zu instrumentalisieren», sagt Richard Eisler zum Journalisten. Es gebe einen ehemaligen Mitarbeiter, der mit einem Rechtsstreit drohe. Beim noch wenig bekannten Schwesterportal Checkcheck.ch (siehe Box) einen weiteren. «Sie versuchen, uns zu erpressen.»

Die Anwälte bemühten sich in den vergangenen Monaten erfolglos, eine gütliche Einigung zu finden. «Ich werde vor Gericht gehen», sagt einer der Betroffenen. Die andern geben sich ebenso entschlossen. Die Klageschriften sind in Vorbereitung.

Aussage gegen Aussage

Für den Beobachter steht Aussage gegen Aussage. Verschiedenes spricht allerdings gegen die Comparis-Chefs:

In fast jedem Unternehmen finden sich unzufriedene Mitarbeitende. Konflikte sind die logische Folge. Dass aber in einem Betrieb mit rund 100 Angestellten gleich drei führende Mitarbeiter Klagen erwägen, ist aussergewöhnlich. Kommt dazu, dass weitere Mitarbeitende die Vorwürfe bestätigen.

Ein intimer Kenner der Situation, der mit der Branche bestens vertraut ist und seit Jahren mit Comparis geschäftet, gibt ein vernichtendes Urteil ab: «Es ist unglaublich, dass eine Firma so viel Negativstimmung unter den eigenen Leuten schüren kann.» Eisler finde den Ton zu den Mitarbeitern nicht. Der Mann kennt nach eigener Aussage ein halbes Dutzend Leute, die bei Comparis weg wollen. «Keiner, der dort drin ist, ist glücklich.»

Mitarbeitende behaupten, dass Comparis eine ausserordentlich hohe Fluktuationsrate von rund 40 Prozent aufweise. Das würde bedeuten, dass jährlich vier von zehn Mitarbeitern das Unternehmen verlassen. Eisler weicht aus: «Da muss ich passen.» Die Höhe der Fluktuationsrate könne er nicht aus dem Ärmel schütteln. Auch schätzen könne er sie nicht. In einem zweiten Gespräch schiebt er nach, dass Comparis stark gewachsen sei. 2008 und 2009 seien je rund 40 Leute dazugekommen. «Ein derart grosses Wachstum stellt jedes Unternehmen vor organisatorische Herausforderungen. Da sind leider auch einige Leute wieder gegangen.»

Aufzeichnung ohne Information

Angestellte erheben den Vorwurf, dass Comparis den Telefonverkehr ohne Information der Mitarbeiter aufzeichnet. Eisler sagt, dass nur die Apparate, über die Beratungsgespräche der Hypothekenbörse laufen, von der Überwachung erfasst seien. Man tue das zu Schulungszwecken. Die fünf bis sechs betroffenen Mitarbeiter seien informiert. Aufgezeichnet wurden aber auch Telefongespräche von irgendwelchen Comparis-Mitarbeitenden, die auf einem der Hypothekenbörsen-Apparate angerufen haben oder von dort angerufen worden sind. Der «Tages-Anzeiger» hat zudem Kenntnis von Gesprächsaufzeichnungen zwischen dem IT-Chef und Mitarbeitenden, die nichts mit der Hypothekenbörse zu tun haben.

Richard Eisler hat zunächst nicht bestritten, dass nur die Mitarbeiter der Hypothekenbörse über die Telefonaufzeichnung informiert worden seien. Erst nach mehreren Kontakten erwähnte er ein allen Mitarbeitenden bekanntes Reglement, das auf die Aufzeichnungen hinweisen soll. Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, sagt dazu: «Grundsätzlich müssen alle betroffenen Mitarbeiter über solche Massnahmen informiert werden.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2009, 06:50 Uhr




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