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«Banken müssen wieder bankrottgehen können»

Aktualisiert am 18.11.2009

«Too big to fail» soll nicht mehr gelten. Diese Forderung ist nicht neu. Jetzt kommt sie aber von einem, den es selber betreffen könnte.

«Niemand kann ein Interesse daran haben, dass das Finanzsystem die Weltwirtschaft noch einmal beinahe in die Knie zwingt»: Jamie Dimon.

«Niemand kann ein Interesse daran haben, dass das Finanzsystem die Weltwirtschaft noch einmal beinahe in die Knie zwingt»: Jamie Dimon.
Bild: Keystone

«Niemand kann ein Interesse daran haben, dass das Finanzsystem die Weltwirtschaft noch einmal beinahe in die Knie zwingt. Also müssen wir es reparieren», sagte der Chef der amerikanischen Grossbank JPMorgan, Jamie Dimon, dem «Manager Magazin» laut Vorabmeldung vom Mittwoch.

Als wichtigsten Schritt, um die von der Bankenbranche ausgehenden Gefahren zu mindern, nannte Dimon die Errichtung einer «starken Aufsicht, die verhindert, dass aus einzelnen Bankpleiten Risiken für das Gesamtsystem entstehen. Wir müssen dafür sorgen, dass auch eine grosse Bank wieder bankrottgehen kann.» Dann müsse man das Institut abwickeln können, ohne dass die gesamte Wirtschaft und der Steuerzahler Schaden nähmen, sagte er.

Ackermann stiess ins gleiche Horn

Eine ähnliche Forderung hatte am Montag der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, auf einem Bankenkongress in Frankfurt am Main erhoben. Der Chef der grössten deutschen Privatbank sprach sich für Arrangements aus, mit denen im Krisenfall notfalls auch grosse Institutionen abgewickelt werden könnten. Dazu sei eine internationale Angleichung des Insolvenzrechts notwendig, «auch wenn das schwierig ist».

Dimon bezeichnete die von verschiedenen Regierungen geplanten Massnahmen zur Eindämmung exzessiver Gehälter im Bankgewerbe als nachvollziehbar. «Die meisten Vorschläge, die ich von Politikern und Regulatoren zu diesem Thema gehört habe, sind ganz vernünftig», sagte er. JPMorgan habe vieles davon bereits umgesetzt: «Unsere Boni zahlen wir zu einem grossen Teil in Aktien aus, und wir bemessen sie am langfristigen Erfolg unserer Mitarbeiter.»

Nasenrümpfen über höheres Eigenkapital

Die geplanten strengeren Anforderungen an das Eigenkapital der Banken sieht Dimon hingegen kritisch: «Prinzipiell halte ich es für richtig, auf diese Weise allzu riskante Geschäfte zu erschweren oder sogar zu eliminieren. Aber die Regulatoren müssen aufpassen, dass diese Massnahmen nicht zulasten der Kreditvergabe gehen», warnte der Topbanker. Dann zahle am Ende der Kunde einen unverhältnismässig hohen Preis für die zusätzlich gewonnene Sicherheit. (cpm/ap)

Erstellt: 18.11.2009, 14:32 Uhr

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