Bankberater gehen nur noch «nackt» zu Kunden nach Deutschland

Der Respekt vor deutschen Steuerfahndern nimmt zu. Schweizer Bankberater nehmen nichts Schriftliches mehr mit nach Deutschland.

Die Reise nach Deutschland ist nicht mehr wie früher: Ein Geschäftsmann wartet am Zürcher Hauptbahnhof auf die Abfahrt seines Zuges Richtung Norden.

Die Reise nach Deutschland ist nicht mehr wie früher: Ein Geschäftsmann wartet am Zürcher Hauptbahnhof auf die Abfahrt seines Zuges Richtung Norden.
Bild: Keystone

Die Steueraffäre verändert den Alltag der Bankberater in der Schweiz. Ihre Besuche bei Kunden in Deutschland sind inzwischen heikel. «Die Berater sind vorsichtiger geworden», sagt der deutsche Steueranwalt Rainer Krieg. «Wenn sie können, reisen sie lieber nicht mehr nach Deutschland.» Krieg berät Kunden, die die Steuerhinterziehung leid sind und sich selber anzeigen.

Die Vorsicht der Bankberater hängt mit der deutschen Gesetzgebung zusammen, die besagt, dass auch sie von den Behörden wegen Beihilfe belangt werden können. Und Bankgeschäfte dürfen sie ohne spezielle Lizenz vor Ort gar nicht abschliessen.

Wer die Reise trotzdem wagt oder wagen muss, wappnet sich. Ein Banker erzählt: «Die Berater haben keine Unterlagen dabei. Nicht einmal eine Visitenkarte. In der Branche heisst es, man gehe nackt. Und die Meetings werden nur telefonisch abgemacht.»

Der Grenzverkehr ist rückläufig, seit die deutschen Behörden vor Jahren gegen deutsche Banken vorgingen, die mithalfen, unversteuerte Gelder in Luxemburg zu verstecken. Die Strafen waren beträchtlich: Über 100 Millionen Euro mussten die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Dresdner Bank bezahlen. Auch eine Freiheitsstrafe - auf Bewährung - wurde ausgesprochen.

Besuche bei Freunden

Der Datenskandal um die liechtensteinische Bank LGT verschärfte dann vor zwei Jahren die Lage. Seither laufen bei der Bochumer Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen etliche Bankmitarbeiter der LGT. Die liechtensteinischen Berater meiden nun deutschen Boden, so die «Süddeutsche Zeitung».

«Die Besuchsrate ging seit diesem Fall auch aus der Schweiz dramatisch zurück», sagt ein zweiter Banker. Beim Bundesamt für Justiz haben sich in der Vergangenheit einige Bankangestellte mit der Frage gemeldet, ob eine Reise ins Ausland noch zu empfehlen sei. «Spezifisch wegen Deutschland ist allerdings keine eingegangen», sagt Folco Galli, Sprecher bei der Abteilung Rechtshilfe im Justizdepartement. Im Vordergrund steht hier noch immer Amerika. Der ehemalige UBS-Topmann Raoul Weil ist als flüchtig ausgeschrieben, Berater Bradley Birkenfeld sitzt im Gefängnis.

Doch nicht alle Bankiers fürchten sich vor den deutschen Steuerfahndern. «Wer keine Bankgeschäfte in Deutschland selber macht, kann entspannt in den Norden reisen», sagt Christian Rahn von der Zürcher Privatbank Rahn & Bodmer. Oftmals gehe es bei den Kundenbesuchen auch darum, soziale Kontakte zu pflegen. «Manchmal geht es um Freundschaften, und die Gespräche bei einem Nachtessen drehen sich um Familie, Kinder und Ferien», so Rahn. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.02.2010, 07:26 Uhr




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