Bald ist Schluss mit dem Hotel-Label-Salat
Von Andreas Valda. Aktualisiert am 21.08.2009
Hotels müssen Mitarbeiter korrekt behandeln, sonst gibts kein Label.
Was das Travelife-Logo verspricht
Will ein Hotel mit dem Travelife-Logo ausgezeichnet werden, so wird es regelmässig auf rund 100 ökologische und soziale Kriterien überprüft. Zum Beispiel:
Das Personal wird regelmässig auf umweltschonendes Verhalten trainiert.
Anlagen für erneuerbare Energien sind vorhanden, beispielsweise Bioreaktoren für die Herstellung von Gas oder Sonnenkollektoren für Warmwasser.
Zum Einsatz kommen umweltschonende Reinigungsmittel und umweltfreundliche Geräte sowie Sparlampen.
Technische Installationen verhindern die Verschwendung von Strom durch automatische Abschaltung von Klimaanlagen. Im Garten überwachen Feuchtsensoren die Sprinkleranlagen.
Teilgereinigtes Abwasser (Grauwasser) wird zur Bewässerung genutzt.
Einige wichtige soziale Kriterien sind:
Nur schriftliche Arbeitsverträge sind erlaubt. Strafen dürfen nicht willkürlich ausfallen.
Angestellte werden nicht mit illegalen Mitteln wie Ratenkrediten oder mit Pass-Entzug zur Arbeit gezwungen.
Sie werden für Überstunden bezahlt.
Sie erhalten Mutterschaftsgeld.
Die Mitarbeiter dürfen sich gewerkschaftlich organisieren. Sie werden durch eine Personalkommission vertreten.
Kinderarbeit unter 14 Jahren ist an spezielle Bedingungen gebunden.
Ein aktiver Schutz vor Kinderprostitution ist zu garantieren.
Das Hotel integriert sich in die lokale Gemeinschaft und ermöglicht dem lokalen Gewerbe, ihre Dienste anzubieten.
Seit Donnerstag sind zwei Auditorinnen von Kuoni in Ägypten unterwegs. Eine Woche lang haben sie Zeit, 26 Vertragshotels am Roten Meer auf Nachhaltigkeit zu kontrollieren. Es sind dies die 26 wichtigsten.
Kuoni überprüft nicht alle. «Das können und wollen wir aufgrund der schieren Zahl von 15'000 Hotels nicht. Wir fokussieren auf die Zielgebiete, wo wir die grössten Volumen generieren und die als potenzielle Risikodestinationen gelten. Dort suchen wir die Hotels mit den grössten Umsatzvolumen», sagt Matthias Leisinger, Chef für Nachhaltigkeit bei Kuoni. So wird Kuoni in Ägypten in sieben Tagen die Hotels überprüft haben, die 40 Prozent des Gesamtvolumens dort abdecken.
Einheitlichkeit als Fortschritt
Bisher hatte fast jeder Reiseveranstalter sein «eigenes» Umwelt- und Soziallabel für Hotels. Die Qualität war zweifelhaft und der Inhalt des Versprechens den Konsumenten meist nicht bekannt. Laut einem Fachmann des deutschen Reisekonzerns Rewe gibt es derzeit rund 140 Umweltlabels ohne eigentliche Favoriten.
Die britische Initiative Travelife ist 2007 angetreten, dies zu ändern. Dahinter steht die englische Firma International Tourism Services. Der Viermannbetrieb schaffte es mithilfe der EU, die grössten Reiseveranstalter der Welt auf einen einzigen Sozial- und Umweltstandard zu verpflichten. Darunter sind so namhafte wie FTI, Thomas Cook, Tui Travel (England) und Virgin Holidays. Kuoni als der viertgrösste Veranstalter trat im November bei und arbeitet jetzt mit Hochdruck an der Umsetzung.
«Vorteil für die Kunden»
Die Migros-Tochter M-Travel hat sich eben erst dafür entschieden. «Der Konzernchef Thomas Stirnimann fällte den Entscheid letzten Freitag», sagt Sprecherin Prisca Huguenin. Für den Kunden sei es ein Vorteil, auf ein einziges Label vertrauen zu dürfen, sagte die Chefin Nachhaltigkeit, Elina Fleischmann.
Schweizer Kuoni-Kataloge werden ab Januar für die kommende Sommersaison erste Hotels damit bewerben. M-Travel folgt voraussichtlich mit den Sommerkatalogen ab 2011 für Hotelplan und Travelhouse. Tui Suisse, Filialbetrieb von Tui Deutschland, hat sich noch nicht entschieden. Gleiches gilt für ITS Coop Travel, die Tochter der deutschen Rewe.
Bronze-, Silber- und Gold-Standard
Was wird dem Käufer von Reiseleistungen mit dem Logo versprochen? Hotels und Anbieter müssen einen Zertifizierungsprozess durchlaufen haben. Sie werden regelmässig kontrolliert, ob sie hundert sozialverträgliche und umweltschutzrelevante Bedingungen einhalten, davon sind 54 umweltbezogen und 46 sozial wichtig. Je mehr erfüllt sind, desto höher die Auszeichnung mit den Stufen Bronze, Silber und Gold.
Für jede Stufe sind bestimmte Kriterien Pflicht, für Bronze 14, für Silber 20 und für Gold 27. Auf jeden Fall müssen Hotels wirksam Kinderprostitution unterbinden, den Angestellten unter 14 Jahren den Schulbesuch ermöglichen und eine altersgerechte, nicht schädigende Arbeit zuweisen. Die beworbenen Hotels verpflichten sich auf Minimallöhne und auf maximale Arbeitszeiten gemäss den Normen des Gastlandes. Jeder Betrieb muss nach einem überprüfbaren Konzept Wasser und Strom sparen, Abfall minimieren und trennen, für gutes Einvernehmen mit Einheimischen sorgen und sich am Stadt- oder Dorfleben der Destination beteiligen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.08.2009, 06:33 Uhr
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