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«BP wird sehr wahr­scheinlich pleitegehen»

Aktualisiert am 05.07.2010 36 Kommentare

Die Ölpest im Golf von Mexiko wird das Ende der Tiefseeölförderung sein. Das sagt Ölmarktanalyst Jeff Rubin und erklärt warum.

Verzweiflungstaten von BP: Teile des ausgelaufenen Öls werden einfach abgefackelt.

Verzweiflungstaten von BP: Teile des ausgelaufenen Öls werden einfach abgefackelt.
Bild: Reuters

«Wir können dreistellige Ölpreise wahrscheinlich nicht verhindern»: Öl-Experte Jeff Rubin.

Zur Person

Jeff Rubin (55) war 1992 bis 2009 Chefökonom der kanadischen Investmentbank CIBC World Markets. Seither schreibt er Bücher und Kolumnen über den Ölmarkt. Bekannt wurde er, als er 1990 den Einbruch des Immobilienmarkts Ontarios und 2000 steigende Ölpreise korrekt voraussagte.

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Nach dem Unglück im Golf von Mexiko hat die Obama-Regierung eine sechsmonatige Sperre für Tiefseebohrungen verhängt, ein US-Gericht hat sie vergangene Woche wieder aufgehoben. Wird die Entscheidung halten?
Über die Zukunft der Offshore-Bohrungen wird weder die US-Regierung noch der Supreme Court entscheiden, sondern der Markt. BP (BPAM 5.1 -0.10%) hat bereits mehr als 50 Prozent seines Werts verloren, die Firma wird sehr wahrscheinlich pleitegehen oder übernommen werden. Werden andere Firmen wie Shell oder Exxon ihre Bohrungen dann noch weiterführen? Wahrscheinlich nicht. Die Katastrophe ist vergleichbar mit dem Three-Mile-Island-Unfall in den USA 1979 (Unfall in einem Kernkraftwerk, Anm.): Danach war es unmöglich, Atomkraftwerke in den USA zu finanzieren oder zu versichern.

Könnte das das Ende der Tiefseeölproduktion sein?
Ja, die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt nicht mehr. Wenn ein Bohrloch leckt und es eine Ölpest gibt - und das können Firmen nicht ausschliessen - sind sie nachher pleite.

Was passiert, wenn kein Tiefseeöl mehr gefördert wird?
Wir müssen heute immer mehr Öl finden, nur um weiterhin gleich viel verbrauchen zu können. Das einfach zu fördernde Öl, das drei, vier Dollar pro Barrel kostet, geht aus. Derzeit ersetzen wir es mit Tiefseeöl, das mindestens 60 Dollar pro Barrel kostet. Wenn wir die Tiefseeförderung abdrehen, sind wir abhängig von Teersand - und dann kostet ein Barrel eine dreistellige Summe.

Was bedeutet das für die globale Wirtschaft?
Derzeit ist unsere Wirtschaft so organisiert, dass die Produktion von den Märkten getrennt ist. Das lohnt sich wegen der Lohnunterschiede, braucht aber enorm viel Energie. In einer Welt, in der Öl dreistellige Beträge kostet, macht es keinen Sinn mehr, Stahl von China nach Nordamerika zu importieren. Die Kosten übersteigen die Lohnunterschiede - auf einmal würden die Stahlwerke in die USA zurückkehren. Länder werden auch Agrarprodukte wieder vermehrt selbst erzeugen. Der globale Handel wird niemals mehr so wachsen wie früher, stattdessen wird regionaler Handel zunehmen.

Wann rechnen Sie mit dreistelligen Ölpreisen?
Nächstes Jahr, wenn die Weltwirtschaft weiter wächst. Wenn wir nicht die Art ändern, wie unsere Wirtschaft organisiert ist, wird sich die Grenze der Ölförderung sehr schnell in die Grenze des BIP verwandeln.

Europa und Nordamerika hatten für ihre Entwicklung jede Menge billige Energie. Was passiert mit Entwicklungsländern, die keine günstige Energie bekommen?
Fast jeder Entwicklungsindex ist gekoppelt an den Energieverbrauch pro Einwohner. Wenn Ölreserven nicht mehr wachsen, wird Ölverbrauch ein Nullsummenspiel: Für 13 Millionen neue Autos in China müssen irgendwo anders 13 Millionen Autos von der Strasse. Entwicklungsländer müssen einen Weg finden, wie ihr BIP wachsen kann, ohne dass ihr Energieverbrauch wächst.

Wird das die Entwicklung dieser Länder bremsen?
Ja, wahrscheinlich. Das gilt aber auch für entwickelte Länder. Wir können dreistellige Ölpreise wahrscheinlich nicht verhindern. Aber wenn wir unsere Wirtschaft regional organisieren, werden wir davon nicht so hart getroffen. (Tobias Müller/DerStandard.at)

Erstellt: 05.07.2010, 17:20 Uhr

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36 Kommentare

Beat Winiger

05.07.2010, 17:33 Uhr
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Hoffentlich wird BP pleite gehen, aber erst NACHDEM der letzte Liter Wasser, der letzte Zentimeter Küste und jedes rettbare Tier gereinigt worden sind und die Lokalbevölkerung wieder eine Zukunft hat. Erst dann soll BP Konkurs gehen. Bis dahin ist das operative Erdölgeschäft einzustellen und die die Ressourcen für die Schadensbekämpfung gebunden werden, für Investoren und Aktionäre kein Cent. Antworten


Dieter Wundrig

05.07.2010, 17:33 Uhr
Melden

Das ist nun wirklich keine Neuigkeit, BP wird pleitegehen, diese Schäden sind überhaupt nicht bezahlbar. Und so ist man fein raus, die Schäden werden dem Steuerzahler aufgebürdet und die Natur wird es tragen. Man fragt sich unwillkürlich, weshalb diese Bosse, welche ja angeblich immer die Verantwortung übernehmen, nicht schon längst im Gefängnis sitzen. Das gleiche Muster wie bei den Bankern . Antworten



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