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BP im Klammergriff russischer Oligarchen

Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 16.04.2011 4 Kommentare

Der britische Ölkonzern wollte in Russland das Debakel vom Golf von Mexiko ausbügeln. Stattdessen droht ein weiterer Rückschlag.

Eine der schwersten Umweltkatastrophen der letzten Jahre: Ölverschmutzung am Strand von Louisiana nach der Explosion der Deepwater Horizon (Oktober 2010).
Bild: Keystone

Ein doppelter Rückschlag: Falls das Abkommen scheitert, wäre dies für den neuen BP-Chef Bob Dudley verheerend.

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Nichts bringt die Anwohner im Golf von Mexiko mehr in Rage als die Expansionspläne von BP. (BPAM 5.1 -0.10%) Nur wenige Monate nach der verheerenden Explosion der Offshore-Plattform schloss der Konzern in Moskau bereits wieder einen Vertrag ab, um die Ölvorkommen in der Arktis auszubeuten. Dieses Projekt sei noch tückischer als das riskante Bohren auf hoher See und angesichts der Unternehmenskultur von BP nicht zu verantworten, kritisieren Umweltschützer in Louisiana.

Nun haben sie unverhofft Schützenhilfe erhalten: Russische Oligarchen wollen den Vertrag zwischen Rosneft und BP blockieren, allerdings nicht aus Umweltschutzgründen. Sie wollen die Öl- und Gasreserven des Landes in den eigenen Händen behalten.

Bis zu 100 Milliarden Fass Rohöl

Sollte das Abkommen scheitern, wäre dies für den neuen BP-Chef Robert Dudley ein doppelter Rückschlag. Er hatte nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko seinen Vorgänger Tony Hayworth mit dem Auftrag abgelöst, den Konzern auf neue, bessere Bahnen zu lenken. Ihm wurde die Führung aber auch anvertraut, weil Dudley in den 90er-Jahren in Russland gearbeitet und ein Joint Venture mit den russischen Oligarchen geführt hatte, bevor er das Land wegen schwerer Konflikte über Nacht verlassen musste.

Dudley schritt letztes Jahr sofort zur Tat und handelte mit der russischen Ölgesellschaft Rosneft ein als wegweisend geltendes Abkommen aus: Demnach sollten die beiden Ölkonzerne die in der russischen Arktis vermuteten Reserven von bis zu 100 Milliarden Fass Rohöl zusammen ausbeuten. Ein Deal, mit dem BP seine bereits starke Präsenz in Russland weiter auszubauen hoffte. Unterlegt werden sollte die Partnerschaft mit einer Kreuzbeteiligung im Wert von 16 Milliarden Dollar. Premierminister Wladimir Putin unterstützte das Abkommen und schickte einen seiner Vertrauten direkt an den Verhandlungstisch mit BP.

Putins leise Warnung

Dem britischen Konzern allerdings waren die Hände durch das Joint Venture TNK-BP gebunden. Die für BP hoch rentable Partnerschaft gibt den Oligarchen das exklusive Recht, als Erste die russischen Vorkommen auszubeuten. Das hat letzte Woche ein Gericht in London explizit bestätigt. Warum Dudley diese Klausel vernachlässigte und Milliardäre vom Kaliber eines Mikhail Fridman und Viktor Vekselberg nicht ausreichend über das Abkommen mit Rosneft unterrichtete, ist schleierhaft. Klar ist nur, dass die Oligarchen jetzt ihre ganze Macht ausspielen und das Arktis-Abkommen bis auf weiteres blockiert haben. Unklar ist, ob BP die Oligarchen auskaufen kann, wie hoch der Preis dafür wäre und ob Rosneft überhaupt noch am Deal interessiert ist. BP will gemäss Dudley bis zu 28 Milliarden für den Auskauf der russischen Milliardäre zahlen. Diese pokern aber höher und deuten Zahlungen von bis zu 40 Milliarden Dollar an.

Putin erklärte gestern zwar, dass Russland weiterhin an der Präsenz von BP interessiert sei. Aber der Premier hatte zuvor auch das Abkommen mit Rosneft unterstützt, ohne einzuschreiten, als die Oligarchen ihre Ansprüche durchzusetzen begannen. Bei einem Treffen im Januar in Moskau hatte Putin gegenüber Dudley bereits angedeutet, der Abschluss des Rosneft-Abkommens folge eigenen Gesetzen. Es wäre zu einfach, anzunehmen, dass der Kreml alles kontrollieren könne. BP und Rosneft haben nun bis Mitte Mai Zeit, das Abkommen zu überarbeiten und zu besiegeln. Sollte es scheitern, warten Total, Shell und möglicherweise auch Exxon darauf, mit den Russen ins Geschäft zu kommen. Marktkenner glauben indessen, dass das Kartell der Oligarchen auf jeden Fall an der Ausbeutung der letzten grossen Ölreserven der Welt beteiligt sein will. Wie im Golf von Mexiko ist BP auch in Russland die grösste Fördergesellschaft. Rund ein Viertel der gesamten Öl- und Erdgaslieferungen des Konzerns und gut zehn Prozent des Gewinns kommen aus Russland. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2011, 22:48 Uhr

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4 Kommentare

Ignaz Schweizer

16.04.2011, 07:02 Uhr
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Super CEO. Wie konnte er nur ... Aber Hauptsache, er verdient viel Geld. Es sind allerdings nicht die letzten Ölreserven der Welt. Vor der Küste Brasiliens lagern noch so grosse Mengen, dass der komplette Sauerstoff der Erde zu CO2 umgewandelt werden kann. Antworten


Jörg Müller

16.04.2011, 10:54 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Es ist doch schön zu wissen, dass sich die Russenmafia die Zugriffsrechte auf Teile der letzten Ölreserven bereits gesichert hat. Und die Mafia hat schon immer die maximalen Preise aus Angebot und Nachfrage herausgeholt. Ebenso sind sie nicht zimperlich, um ihre Märkte zu sichern. Das wird spannend.
Ein weiterer Grund, verstärkt über Alternativen zum Öl nachzudenken.
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