BKW: Abbau bei den grünen Energien
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 09.02.2012 11 Kommentare
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Bis März 39 Kündigungen
Stellen abbauen wird die BKW bis Ende 2013 in allen fünf grossen Geschäftsbereichen: insgesamt 60 in den Bereichen Konzernsteuerung und Finanzen, 80 im Konzernbereich Energie Schweiz, 55 im Bereich Netze und 30 im Bereich Energie International und Handel. Weitere 30 Stellen werden laut BKW geschäftsübergreifend abgebaut.
Einige Stellen wurden in den letzten Monaten bereits abgebaut. Nach wie vor nicht klar ist aber, wie vielen Mitarbeitern die BKW im Rahmen des Programms tatsächlich kündigen wird.
Eine erste Abbaurunde erfolgte im Dezember und Januar. In dieser Zeit bekamen insgesamt 35 Mitarbeiter das Kostensenkungsprogramm direkt zu spüren: 23 Angestellte erhielten die Kündigung, 8 wurden frühpensioniert, und 4 wurden in in andere Geschäftseinheiten verschoben, wie Konzernsprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage sagte.
Jetzt folgt die zweite Runde: Betroffen sind in dieser Runde 25 Mitarbeiter, 16 von ihnen erhielten die Kündigung, die restlichen werden frühpensioniert. «So gut es irgendwie geht, versuchen wir Stellen abzubauen, indem wir Vakanzen nicht mehr besetzen», sagt Sommavilla. Laut dem BKW-Sprecher konnten seit Beginn des Kostensenkungsprogramms insgesamt 60 Stellen reduziert werden, indem Abgänge nicht besetzt wurden. Bis Ende 2013 wird die BKW noch über 100 weitere der 255 Stellen abbauen. Weitere Kündigungen werden gemäss Sommavilla kaum zu umgehen sein.
Panne in Mühleberg
Wegen einer Panne bei einer Messung ist es gestern Mittwoch zu einer Schnellabschaltung des AKW Mühleberg gekommen.
Radioaktivität wurde dabei nach Angaben der Betreiberin BKW nicht freigesetzt. Bereits am Abend konnte der Reaktor wieder hochgefahren werden.
Die Messungen am Speisewassersystem wurden im Rahmen von wiederkehrenden Prüfungen durchgeführt. Der Kommandoraum sei über die Messungen an einem Strang des Speisewassersystems im Bild gewesen. Die Mitarbeitenden hätten dann aber das Messgerät an einem anderen Strang angebracht als im Kommandoraum erwartet, teilte die BKW mit. Darauf habe der Reaktor kurz vor 14 Uhr bestimmungsgemäss mit einer Schnellabschaltung reagiert.
Der Zwischenfall sei also nicht etwa wegen eines Defekts aufgetreten, betonte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Bereits am Mittwochabend hat die Atomaufsichtsbehörde Ensi grünes Licht gegeben, den Reaktor wieder hochzufahren.
Stichworte
Nun ist klar, wo das Messer angesetzt werden soll. Bereits im letzten Jahr hatte die BKW angekündigt, im Rahmen eines Kostensenkungsprogramms 95 Millionen Franken einzusparen und 255 von insgesamt rund 2800 Stellen abzubauen. Dies um den Konzern wieder in die Gewinnzone zu bringen. 2011 schrieb die BKW einen Verlust von 150 Millionen Franken.
Das grüne Dilemma
Bei der gestrigen Konkretisierung des Abbauprogramms zeigte sich nun das Dilemma des Unternehmens: Um schnell wieder wirtschaftlich zu werden, setzt die BKW den Rotstift ausgerechnet bei jenem Geschäftsteil besonders stark an, der langfristig dem Trend entsprechen dürfte – kurz und mittelfristig aber unrentabel ist: bei der Tochtergesellschaft Sol-E Suisse AG.
Diese Einheit ist zuständig für die sogenannt neuen erneuerbaren Energien – also für Windparks, Solarkraftwerke, Geothermieprojekte, Biomasseanlagen und Kleinwasserkraftwerke.
Bei dieser grünen Tochter baut die BKW rund 16 Prozent der Stellen ab – nämlich 8 von rund 50 Stellen. Spareffekt: 4 Millionen Franken.
Solarenergie wird Stiefkind
Gleichzeitig schränkt die BKW das Tätigkeitsfeld dieser grünen Konzerneinheit ein: «Mit Blick auf die teilweise noch ungenügende Wirtschaftlichkeit einzelner Technologien» werde die Sol-E Suisse ihre Aktivitäten künftig «primär auf die bereits intensiv bearbeiteten Bereiche Kleinwasserkraft, Windenergie und Wärmeversorgung fokussieren», sagte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla gestern.
Umgekehrt heisst das allerdings konkret: Neue Solar-, Geothermie und Biomasseprojekte haben bei der BKW in Zukunft keine Priorität mehr. Sommavilla bestätigt dies, versucht aber zu relativieren: «Bestehende Solaranlagen und bereits angefangene Geothermie- und Biomasseprojekte führen wir weiter.» Und: «Wenn wir Möglichkeiten für Partnerschaften in Sachen Fotovoltaik oder Geothermie finden, werden wir diese selbstverständlich prüfen.»
Solarstrategie birgt Zündstoff
Die BKW hat ihre Ausbaupläne für erneuerbare Energien in der Schweiz bereits vor einem Jahr um 40 Prozent reduziert respektive Teile ins Ausland verlegt. An machbaren Projekten mangle es in der Schweiz nicht, liess sie damals verlauten. Doch im Gegensatz zum benachbarten Ausland seien im Bewilligungsprozess bis zu 30 Stellen involviert, was die Bewilligungsverfahren unnötig verlängere und Projekte zum Teil wegen Einsprachen auch scheitern lasse.
Bei Umweltverbänden und Politikern stiess der Entscheid der BKW damals auf massive Kritik: «Widerstand gibt es sowohl gegen Projekte für erneuerbare Energien wie auch gegen den Ersatz von Atomkraftwerken», sagte etwa der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «Da ist es wichtig, dass die Energieproduzenten an beiden Fronten kämpfen.» Nur so könne man die Versorgungssicherheit garantieren. Selbst etwa der Glarner SVP-Ständerat This Jenny zeigte sich bereits damals enttäuscht über die Reduktion des BKW-Engagements.
Kein Risiko für AKW
Um kein Sicherheitsrisiko einzugehen, verzichtet die BKW hingegen auf den Abbau jener Konzerneinheit, die wohl längerfristig am wenigsten Zukunft hat: Beim Betrieb des AKW Mühleberg wird keine einzige Stelle gestrichen, wie Sommavilla am Mittwoch erneut betonte. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 07:30 Uhr
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11 Kommentare
"... weil sie nicht wirtschaftlich sind ..."
Photovoltaik ist nicht wirtschaftlich? Was sind den dass für überraschende Neuigkeiten? Ich dachte immer, die exorbitant teuren, siliziumbeschichteten Platten mit ihren unglaublichen 15% Wirkungsgrad seien die Lösung aller Stromprobleme?
Achtung: Ironie.
Ist es also doch so, dass sich AKWs nicht durch Windrädchen und Solarplättchen ersetzen lassen!
Antworten
Jetzt wird klar: Das ganze Engagement der BKW im Bereich der erneuerbaren Energien war ein Feigenblatt und intern unter PR und Marketing abgebucht. Wann merkt dieser Staatsbetrieb endlich, dass er nicht eine gewöhnliche Unternehmung ist, sondern eine wirtschaftspolitische Aufgabe hat: Die Energieversorgung der Bevölkerung und Wirtschaft nachhaltig zu sichern. Antworten
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