Auto-Werbespot bringt die Republikaner in Rage
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.02.2012 86 Kommentare
Ein TV-Spot sorgt in den USA für Aufsehen: Clint Eastwood und die amerikanische Autoindustrie.
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Der Reagan-Spot
Politische und Marketing-Legende: «Morning in America» von 1984.
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Ronald Reagans Werbespot «Morning in America» (siehe Box links) wurde beides: Eine politische Legende und eine Legende in Sachen Marketing. Er hat das Image des alten Gippers, wie er in Anlehnung an eine seiner Filmrollen genannt wurde, geprägt wie kaum etwas sonst und den Menschen nach einer langen Wirtschaftskrise wieder Optimismus eingeflösst. Jetzt erregt erneut eine Werbespot die Gemüter in Washington. Diesmal wird allerdings für eine Automarke die Trommel gerührt, für Chrysler. Nun sind die Republikaner entsetzt. Worum geht es?
Im Werbespot «Halbzeit in Amerika» wandert Clint Eastwood durch eine zerstörte Industrielandschaft. Dabei äussert er mit seiner rauen Stimme Fragen wie: «Wie können wir einen Rückstand aufholen? Wie werden wir zusammenfinden? Wie können wir gewinnen?» Dann schaut der alte Haudegen in die Kamera und erklärt pathetisch: «Dieses Land kann nicht mit einem Hieb k. o. geschlagen werden. Wir stehen ganz einfach wieder auf und wenn wir das tun, dann wird die Welt das Gebrüll unserer Motoren hören.»
Obamas Rettungsaktion als Trumpf
Clint Eastwood ist die Idealbesetzung für einen solchen Spot. Mit seiner Mischung aus Männlichkeit und Aufrichtigkeit trifft er die Wertvorstellungen der weissen US-Männer perfekt. Einer seiner grössten Filmhits der letzten Jahre, «Gran Torino», spielt zudem in der Autostadt Detroit und handelt vom schmerzvollen Niedergang der Autoindustrie. In diesem Film legt sich der alternde Filmheld mit einer asiatischen Strassengang an.
Der Spot kommt aber auch der Regierung von Präsident Barack Obama mehr als gelegen. Sie hat – gegen den Widerstand der Republikaner und ihres Spitzenkandidaten Mitt Romney – Chrysler und General Motors ( 22.44 1.81%) vor dem sicheren Bankrott gerettet und damit auch Zehntausende von Arbeitsplätzen gesichert. Chrysler und GM haben inzwischen ein spektakuläres Comeback gefeiert. Die Rettungsaktion in Detroit ist daher einer der stärksten Trümpfe Obamas im kommenden Wahlkampf.
Eastwoods Sympathien für die Republikaner
Kein Wunder, sind die Republikaner ausser sich vor Wut. Karl Rove, einst das strategische Gehirn der Regierung von George W. Bush und heute Berater des konservativen TV-Senders Fox-News, tobt und spricht von Mafia-Methoden: «Es ist ein Zeichen dafür, was passiert, wenn die Gang-Politik von Chicago, der Präsident der Vereinigten Staaten und seine politischen Untergebenen zusammenfinden und mit Steuergeldern Werbung für ein Unternehmen kaufen.»
Eastwood selbst findet das Blödsinn. «Der Spot hat keine politische Botschaft», lässt er per E-Mail ausrichten. «Es geht um den amerikanischen Geist, um Stolz und um Arbeitsplätze.» Das Honorar hat er wohltätigen Zwecken gespendet. Eastwood selbst ist ein politisch interessierter Mensch. Er war lange unabhängiger Bürgermeister im kalifornischen Städtchen Carmel und hat nie einen Hehl aus seinen Sympathien für die Republikaner gemacht.
Romneys Image: Jobkiller
Diesmal könnte er aber den Demokraten helfen. Der Spot mag zwar keine direkte politische Botschaft haben, aber unterschwellig deckt er sich mit den neuen Zielen des Präsidenten und seiner Partei. Sie machen den Untergang des industriellen Amerikas und die Auswüchse der Superreichen und der Finanzindustrie zur zentralen Botschaft ihres Wahlkampfs. In seiner «State of the Union»-Rede hat sich Barack Obama ganz bewusst als Anwalt der traditionellen Industriearbeiterschaft positioniert und kämpft gegen Globalisierung und Outsourcing von Jobs.
Sein voraussichtlicher Widersacher Mitt Romney hingegen muss gegen sein Image als Jobkiller ankämpfen. Er hat als Partner einer Private-Equity-Firma massenhaft Arbeitsplätze vernichtet und ist dabei sehr reich geworden. Wie Eastwood im Werbespot setzt auch Obama darauf, dass die USA alles andere als eine Macht im Niedergang sind. «Wer das sagt, der weiss nicht, wovon er spricht», erklärte er in seiner Rede. Das passt bestens zu Eastwoods trotziger Aussage: «Wir können nicht mit einem Hieb k. o. geschlagen werden.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.02.2012, 12:26 Uhr
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86 Kommentare
"I have a dream". Nämlich, dass die Republikaner bei den nächsten Präsidentschaftswahlen eine schallende Ohrfeige einkassieren und in beiden Parlamenten massiv abgestraft werden. Falls dies eintrifft, besteht noch Hoffnung für die USA. Antworten
Der Spot ist perfekt gemacht und trifft den Nerv der durchschnittlichen US-Bürger durch den optimal dosierten Pathos wahrscheinlich punktgenau. Vielleicht kapieren sie ja, dass skrupellose Profiteure wie Romney und Seinesgleichen sie ins Verderben geführt haben und diesen verhängnisvollen Kurs weiter beibehalten wollen, wenn man sie gewähren lässt. Bin gespannt auf die "second halftime". Antworten
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