Wirtschaft

Auch Swiss Re und Zurich könnten die Schweiz in den Abgrund reissen

Ein Gremium der G-20 hat festgelegt, welche Unternehmen als Systemrisiken gelten. Die Betroffenen erwartet eine verschärfte Regulierung.

Seine Drohung könnte ins Leere Laufen: UBS-Chef Grübel will der Schweiz den Rücken zu kehren, wenn sie die Bank zu streng reguliert.

Seine Drohung könnte ins Leere Laufen: UBS-Chef Grübel will der Schweiz den Rücken zu kehren, wenn sie die Bank zu streng reguliert.
Bild: Keystone

Ein Grossrisiko: Eine Anzeigetafel bei der Schweizer Börse SWX zeigt den Börsenkus der Swiss Re Aktie an am Dienstag, 16. September 2008, in Zürich.

Ein Grossrisiko: Eine Anzeigetafel bei der Schweizer Börse SWX zeigt den Börsenkus der Swiss Re Aktie an am Dienstag, 16. September 2008, in Zürich.

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Die systemgefährdenden Unternehmen

Zu den vom «Financial Stability Board» als riskant für die Systemstabilität erachteten Banken zählen aus den USA Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Bank of America, Merrill Lynch und die Citigroup. Weiter zählt die Royal Bank of Canada dazu, aus Grossbritannien die HSBC, Barclays, die Royal Bank of Scotland und die Standard Chartered und aus der Schweiz die Credit Suisse und die UBS. Weiter kommen aus Frankreich die Banken Société Générale und BNP Paribas dazu und aus Spanien Santander und BBVA. Aus Japan werden die Banken Mizuho, Sumitomo Mitsui, Nomura, Mitsubishi UFJ auf der Liste erfasst, aus Italien die Unicredit und die Banca Intesa, aus Deutschland die Deutsche Bank und aus den Niederlanden die ING.

Bei den Versicherern sind es neben den Schweizer Instituten Zurich FS und Swiss Re nur noch die Axa, Aegon, Allianz und Aviva.

Zu den Finanzunternehmen, die für die gesamte Volkswirtschaft ein Systemrisiko darstellen, zählen in der Schweiz nicht nur die beiden Grossbanken UBS (UBSN 13.12 0.15%) und Credit Suisse. (CSGN 24.5 -2.89%) Das Financial Stability Board hat offenbar auch die beiden grossen Versicherungsgesellschaften Swiss Re (SREN 53.15 -0.19%) und Zurich Financial Services auf die entsprechende Liste gesetzt. Offiziell ist die genaue Zusammensetzung der Liste der Firmen, die ein Systemrisiko darstellen, zwar noch geheim, doch das britische Finanzblatt «Financial Times» behauptet, deren Inhalt bereits zu kennen.

Als Financial Stability Board wurde das schon zuvor bestehende Financial Stability Forum von der G-20 an ihrem Gipfel in London aufgewertet und erweitert. Das Gremium soll die grenzüberschreitende Regulierung der Finanzbranche sicherstellen. Es setzt sich aus Aufsichtsbehörden und Notenbankern zusammen. Auch die Schweiz ist vertreten. Philipp Hildebrand, Vizepräsident und designierter Präsident der Schweizerischen Nationalbank hat im Forum die Arbeitsgruppe zu den Kompensationsregeln in der Finanzbranche geleitet.

Ungeliebte Forderung nach einem Testament

Die Forderung des Board macht den Finanzinstituten keine Freude. Unternehmen, die ein Systemrisiko darstellen, sollen eine Art Testament erstellen: Konkret sollen die Firmen in guten Zeiten verbindlich festlegen, welche Unternehmensteile im Krisenfall in den Konkurs geschickt werden können.

Das bedeutet aber auch, dass Banken und Versicherungen ihre Organisation auf eine solche mögliche Aufspaltung ausrichten müssen. Das passt diesen allerdings überhaupt nicht. So setzen die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS genau auf das Gegenteil, nämlich auf eine verstärkte Integration aller Geschäftsbereiche. UBS-Chef Oswald Grübel hat sich wegen der Forderungen der Aufsichtsbehörden bereits dazu hinreissen lassen, mit einer Abwanderung des Bankhauptsitzes aus der Schweiz zu drohen – obwohl die Rettungsaktion durch die Schweizer Steuerzahler erst wenige Monate alt ist und die Nationalbank noch immer auf milliardenschweren Schrottpapieren der Grossbank sitzt.

Grübels Drohungen könnten ins Leere laufen

Das koordinierte Vorgehen über das international ausgerichtete «Financial Stability Board» nimmt solchen Drohungen allerdings etwas den Wind aus den Segeln. Setzen sich die Regeln auf allen wichtigen Finanzplätzen durch, können die Unternehmen nicht mehr glaubhaft mit Abwanderung drohen.

Umso mehr wird jetzt der Druck der Finanzlobbyisten zunehmen: Jene der Banken erhalten jetzt noch Zuzug von jenen aus dem Versicherungsbereich. Letztere betonen schon jetzt, dass sie mit den Banken nicht in einen Topf geworfen dürfen. Die jüngste Vergangenheit hat am Beispiel der Swiss Re in der Schweiz und der AIG in den USA allerdings gezeigt, dass Versicherungen sehr aktiv im Geschäft mit Investitionsprodukten mitgemischt haben, die eigentlich zum Bereich des Investmentbanking gehören würden. Daher waren auch sie mit Milliarden an Schrottpapieren überladen. Wäre die AIG nicht durch über 150 Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern gerettet worden, hätte sich der Totalkollaps des internationalen Finanzsystems im letzten Jahr nicht mehr verhindern lassen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2009, 11:54 Uhr

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