Wirtschaft

«Arrogante» Chefin Schaeffler weint, fleht – und verkauft

Die Miteigentümerin des schwächelnden deutschen Familienbetriebs – ein Autozulieferer – bat jüngst verzweifelt um Staatshilfe. Jetzt ist sie bereit, einen Teil ihrer Macht abzugeben.

Krisensitzung: Maria-Elisabeth Schaeffler mit Sohn Georg (links) und einem Gewerkschaftsvertreter gestern an einer Pressekonferenz.

Krisensitzung: Maria-Elisabeth Schaeffler mit Sohn Georg (links) und einem Gewerkschaftsvertreter gestern an einer Pressekonferenz.
Bild: Keystone

Tränen: Maria-Elisabeth Schaeffler weint bei einer Solidaritätsbekundung ihrer Mitarbeiter am 18. Februar.

Tränen: Maria-Elisabeth Schaeffler weint bei einer Solidaritätsbekundung ihrer Mitarbeiter am 18. Februar. (Bild: Keystone)

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Das Familienunternehmen von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg ist schwer verschuldet. Geschätzte 22 Milliarden Euro fehlen laut «Welt.de», und dem Autozulieferer droht die Zahlungsunfähigkeit. «Bei Schaeffler brennt es lichterloh», zitiert Reuters einen Banker.

Die Misere haben Mutter und Sohn Schaeffler zu einem Grossteil mitverschuldet: Sie kauften im Sommer zunächst ein gutes Drittel und schliesslich für zehn Milliarden Euro 90 Prozent an dem dreimal grösseren Pneuhersteller Continental. Im Januar ersuchte die Familie um Hilfe vom Staat – sie hatte sich mit Continental hoffnungslos übernommen. Schaefflers Verhalten hat ihr die deutsche Öffentlichkeit nicht verziehen: Die Medien stilisierten sie zur arroganten Milliardärin «im Nerzmantel», die jetzt nach «Steuergeld» schreie.

Viele Tränen – und ein handfestes Angebot

Mittlerweile jedoch ist alles anders. Frau Schaeffler weint, fleht und stellt «ihre Gefühle gekonnt in den Dienst der Firmenrettung», wie die «Financial Times Deutschland» schreibt. «Aus der resoluten, pressescheuen Matriarchin im Nerzmantel ist binnen weniger Wochen eine Diplomatin geworden, die sich wahlweise kleinlaut geben, den Staat um Geld anflehen oder öffentlich Tränen verdrücken kann, wenn es bloss der Sache dient.» Schaeffler wehrte sich stets gegen die Vorwürfe, sie sei eine überhebliche Milliardärin – ihr sei es immer auch um die Mitarbeiter gegangen.

Doch Schaeffler macht laut Berichten auf «Welt.de» und «Sueddeutsche.de» auch handfeste Zugeständnisse. Sie und ihr Sohn sind bereit, ihren Anteil am Familienunternehmen auf bis zu 25 Prozent zu reduzieren. Die übrigen Anteile gehen an die sechs Banken, die den Kauf von Continental finanziert haben. Trotzdem wollen Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler den Kopf hochhalten: Sie wollen «unternehmerische Verantwortung» tragen, wird Georg Schaeffler zitiert. Dazu sei unternehmerische Verantwortung nötig, und dazu gehöre mehr als die Rechte, die ihnen eine Sperrminorität verschaffe.

Wie viel Macht ihnen bleibt, können Mutter und Sohn jedoch nicht mehr selber bestimmen. «Letztlich werden die Banken als Gläubiger festlegen, was die beste Rechtsform ist und wie die Beteiligungsverhältnisse aussehen werden», zitiert «Welt.de» einen Vertreter eines der Kreditinstitute. «Das ist nicht Aufgabe des Schuldners.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2009, 10:30 Uhr

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19 Kommentare

Bruno Bänninger

13.05.2009, 13:01 Uhr
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Solche Leute müssen mit ihrem ganzen Privatvermögen für die Auswirkungen ihres Grössenwahnsinn haften. Stattdessen tragen taudende von Arbeitern die Konsequenzen. Madame Schaeffler und ihr Sohn Leben in Saus und Braus genüsslich weiter, wie eh und je. Der Staat muss nicht aufgeblasene Konzerne retten sondern Arbeiter und Familien. Wenn nicht sind schwere Unruhen absehbar. Antworten


dani kay

22.03.2009, 07:47 Uhr
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Die Aussage des Satzes: "Ausserdem dürfe es als gesichert gelten, dass das Unternehmen sich gegenüber den Zwangsarbeitern korrekt verhalten habe!" Dies entwertet das menschliche Leben und bedeutet implizit soviel wie: Zwangsarbeit wird als Gentlemansdelikt wieder Salonfähig und gehört bei Industriellen wohl zum Industriekapitäneritual. Schaeffler und Zwangsarbeit gestern und morgen? Antworten


Gerhard Eichweber

21.03.2009, 13:01 Uhr
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Frau Scheffler ist zu bewundern - und jede Unterstützung wert! Sie tat es Ferd. Piech und den Porsches gleich, die die Volkswagen-Gruppe zum Familienunternehmen machen. Nur von Unternehmern geführte Firmen schaffen und sichern - unabhängig von ihrer Grösse - nachhaltig lokal verwurzelte Arbeit, während Kapitalgesellschaften sie zerstören. Sie dienen damit Europa und seinem Vorbild für die Welt. Antworten


Dieter Wundrak

15.03.2009, 13:06 Uhr
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@Emmanuel Meier: Sie haben doch sicher schon einmal etwas von Investment Research oder Investment Banking, etc.etc. gehört. Und als ein normal pensionierter Banker konnte ich sogar ohne Forschungsauftrag sagen, dass eine Firma wie in diesem Fall Schaeffler sich da übernimmt. Sogar einzelne Medien haben gewarnt. Also, die Bank, die diesen Deal finanziert hat, machte einfach nicht ihre Hausaufgaben. Antworten


Siegfried Schneider

26.02.2009, 17:12 Uhr
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Nachtigal, ick hör dir trapsen. Jetzt warte ich nur noch auf die Forderungen nach "Wiedergutmachung". Wetten das die kommen werden? Antworten


Emmanuel Meier

26.02.2009, 09:08 Uhr
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@D. Wundrak: Ihre Differenziertheit in aller Ehre. Ich wünschte aber, sie würden den letzten Satz weglassen. Denn zum Kaufzeitpunkt konnte niemand ahnen, dass es noch weiter bergab geht! Es geht schlicht für einmal nicht um die Banken, sondern um einen strategischen Fehler der Führung! Also: Differenziertheit bitte auch gegenüber den Banken, denn wir wissen auch dort nicht genauer warum! Antworten


Emmanuel Meier

26.02.2009, 09:05 Uhr
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Alle die behauptet haben, dass die Krise eine reine Männerkrise ist, werden hier eines besseren belehrt! Wichtig ist nicht das Geschlecht, sondern der Mensch, der die Verantwortung trägt! Das kann ein Mann, eine Frau oder was auch immer sein. Wichtig ist seine Fähigkeit!!! Antworten


Bojan Antonovic

25.02.2009, 22:52 Uhr
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Wir alle sind -gemäss der obigen Logik- Nazis! Wir alle richten uns doch an die Vorgaben der Politik und der Regierung. Wem käme es den in den Sinn, sich gegen die Obrigkeit zu wenden? Vor allem, wenn man ein Familienunternehmen hat? Klingeln die Glocken? Die Obrigkeit ist eine andere. Der Rest bleibt gleich. Man wird auch dazu erzogen. Heute ist man nicht besser dran als früher. Nur ein Wunsch. Antworten


Remo Müller

25.02.2009, 21:21 Uhr
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Jämmerlich, die Frau. Als Unternehmer muss man die Konsequenzen für das eigene Handeln ertragen können. Und warum 90% Aktenanteil? Macht doch keinen Sinn. 51% hätten locker gereicht. Den Rest hätte man woanders investieren können. Vielleicht ausserhalb der Automobilbranche, deren Schräglage schon während der Zeit des hohen Oelpreises absehbar war? Diversifikation! Antworten


andi matata

25.02.2009, 20:41 Uhr
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@Dieter Wundrak, Richtig ist , - dass diese Firma wegen dem Kauf?! Uebernahme von CONTINENTAL !!! in die Krise gekommen ist, die Logik der Sache - WER KEIN GELD HAT, SOLL NICHT KAUFEN - Ende der Stange. Die einizge ware Lösung, Familie Schaeffler ENTEIGNEN. Antworten


patrik leimgruber

25.02.2009, 19:53 Uhr
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Schon interessant.. immer wenn jemand am Boden ist, wird noch mehr aufgedeckt und auf einen eingetreten! Ich denke die momentane Krise ist doch wohl genug für Schaeffler, auch wenn diese Frau vielleicht für den einen oder anderen einen Arroganten Eindruck macht.. Antworten


Ivo Bgrüetter

25.02.2009, 19:14 Uhr
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Bevor man sich ein Urteil bilden kann, sollte man die Firma und deren Besitzer schon etwas besser kennen. Schaeffler hat in Deutschland und weltweit in der Vergangenheit Tausende von Arbeitsplätze geschaffen. Es sind auch keine Spekulanten, wie Vexelberg, die eine Firma nur aushöhlen und dann die Hülle fortwerfen, es ist ein Familienunternehmen, ich schätze Schaeffler als Arbeitgeber. Antworten


Hans Schmid

25.02.2009, 18:31 Uhr
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Man mag Frau Schaeffler vieles vorwerfen, aber diese alten Geschichten von vor sechzig oder siebzig Jahren wieder aufzuwärmen, ist einfach nur lächerlich. Antworten


Patric C. Friedlin

25.02.2009, 18:05 Uhr
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Etwas irritiert erlaube ich mir, die Kollegen zu fragen: Geniessen in der BR Deutschland erfolglose Unternehmer mittlerweile ein Grundrecht auf staatliche Unterstützung? Ich bin mir gewiss, dass Herr zu Guttenberg sich nicht so vernehmen liess. Also: Obwohl das ein Paar Stimmen kostet: Lasst den Laden Pleite gehen. Sollte er partiell wertvoll sein, wird der Konkursverwalter das "at best" verkaufen Antworten


Dieter Wundrak

25.02.2009, 17:31 Uhr
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Reden wir nicht über Maria-Elisabeth Schaeffler. Von hier aus über jemanden ein Urteil abzugeben, das ist einfach unfair. Richtig ist , dass diese Firma wegen dem Kauf von Dunlop in die Krise gekommen ist. Mag sein, dass die Familie hier die grösste Schuld trägt. Wenn ich mich jedoch nicht täusche , dann musste doch eine Bank diesen Kauf finanziert haben. Und wie ist diese Bank zu beurteilen. Antworten


Karl Mrak

25.02.2009, 14:56 Uhr
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Das scheint in Deutschland auch nicht anders abzulaufen als bei uns. Die ganzen Industriellen sind Schönwetterkapitäne. Wirtschaft nur in der Uni gelernt bei Kaffee und Zigaretten. Antworten


Hans Frei

25.02.2009, 13:40 Uhr
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Verstaatlichen, Eigentümer enteignen, inkl. Konten in Lichtenstein, der Schweiz und anderen Steueroasen und dann ab in den Knast (Nerzmantel gegen Drilchuniform umtauschen). Wäre übrigens nicht ganz neu in Deutschland, ähnliches hat dort ja vor 60 Jahern schon stattgefunden. Antworten


René Müller

25.02.2009, 13:15 Uhr
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Jahrelang hat diese Familie die "Aristokratie" gespielt. Hinz da, Kunz dort. Nur Popoputzen war noch nicht dabei. Ein Kadermitarbeiter warnte schon vor zwei Jahren vor der Selbstherrlichkeit der gesammten Führungsspitze. Und nun soll der Staat helfen, und wenn alles wieder flott geht beginnt alles von neuem. Antworten


Sibylle Weiss

25.02.2009, 13:01 Uhr
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Da fällt mir nur eine "Diagnose" ein; HOCHMUT VOR DEM FALL! Da gibts nur eines. LEISE TRETEN. Dies hat natürlich auch Konsequenzen auf die Macht. Vater Staat zahlt und redet automatisch mit, kurzum, wer zahlt BEFIEHLT! Antworten




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