«Anschläge gegen Novartis sind absurd»
Von Brigitte Walser. Aktualisiert am 05.08.2009
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Ist Kritik am Tierversuchsunternehmen Huntingdon Life Sciences berechtigt?
Peter Maier: Vor rund zwölf Jahren kam es zu einem Zwischenfall im Zusammenhang mit einem Novartis-Präparat bei Xenotransplantationsversuchen, also der Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen. Dort wurde gepfuscht, und daraus entstand die Bewegung Stop Huntingdon Animal Cruelty (SHAC). Für Novartis war das damals ein rufschädigendes Ereignis. Heute ist Huntingdon ein grosser Konzern, der sich den Grundsätzen des Tierschutzes verpflichtet hat.
Hat England weniger strenge Tierschutzvorschriften als die Schweiz?
Nein, längst nicht mehr.
Roche steht derzeit nicht im Fokus der Tierschützer. Gibt es dafür eine Erklärung?
Die harte Kritik an Novartis ist wohl auf jene unselige Kooperation mit Huntingdon zurückzuführen. Mit Novartis hatte das aber schon damals eigentlich nichts zu tun. Eigentlich hätten die englischen Behörden reagieren müssen. Ausserdem wurden die Lehren gezogen. Die grossen Pharmafirmen in Basel inspizieren heute die Organisationen, mit denen sie zusammenarbeiten. Es kann nicht in ihrem Sinn sein, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der pfuscht.
Bei einem billigen Angebot vielleicht schon.
In der Forschung bedeutet billige Arbeit schlechte Qualität, und schlecht behandelte Tiere können die Forschungsresultate verfälschen. Daran ist niemand interessiert. Diese Anschläge gegen Novartis sind absurd. Die Diskussion, welche Tierversuche und wie viele nötig sind, wird längst intensiv geführt. In der EU werden Hunderte von Millionen Euro eingesetzt, um die Versuche zu verbessern und nach Alternativen zu forschen. Wenn schon müssten die Organisationen hier einhaken und mit Vorschlägen oder Hinweisen auf konkrete Missstände die Diskussion lenken.
Ihre Stiftung sucht nach Alternativen zu Tierversuchen. Gibt es in der Schweiz zu viele Versuche mit Tieren?
Sie sind nicht immer zu vermeiden. Unser Ziel ist, die Versuche wenn möglich zu reduzieren und besser zu machen oder eben allenfalls zu ersetzen.
Wie kann man die Tierversuche denn reduzieren oder verbessern?
Bei Krebs etwa kommt man davon weg, den ganzen Krankenprozess in einem Lebewesen nachzuvollziehen. Stattdessen werden punktuell Mechanismen der Krebszellen überprüft. Bei den wenigen notwendigen Versuchen braucht man nicht mehr abzuwarten, bis der Krebs sich vollständig entwickelt, was zu einer Belastung für das Tier werden könnte: Mit bildgebenden modernen Methoden können wie im Spital die Anfangsstadien der Krebsentwicklung im Tier – fast immer Mäuse oder Ratten – und die Wirkung eines Medikamentes beobachtet werden. Die Tiere werden früher getötet, also bevor der Krebs sie belastet.
Werden Ihre Resultate von Pharmafirmen beachtet und umgesetzt?
Natürlich. Die Industrie wäre froh, wenn sie überhaupt keine Tierversuche machen müsste. Erstens käme das billiger, und zweitens gäbe es weniger Umtriebe. Tierversuche sind für die Firmen eine belastende Notwendigkeit auf dem Weg hin zu neuen Arzneimitteln. Fast mehr als die Pharmafirmen sind übrigens die Hochschulen auf Tierversuche angewiesen, denn sie betreiben Grundlagenforschung und können nicht so gezielt vorgehen wie die Pharmafirmen.
In der Industrie sind die Versuche also besser institutionalisiert?
Ja, und die Mitarbeitenden haben oft jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Tieren. Es gibt Tierschutzbeauftragte, welche intern die Einhaltung aller Vorschriften überwachen. In einem solchen Umfeld kämen Missstände schnell ans Licht.
Können Firmen Tierversuche ins Ausland verlegen, wenn sie in der Schweiz nicht bewilligt werden?
Schon, die Frage ist aber, ob sie im Ausland bewilligt würden. Grosse Firmen wie Roche und Novartis betreiben ihre Forschung nur etwa zu einem Drittel in der Schweiz, da werden natürlich auch Tierversuche im Ausland durchgeführt. Gross angelegte Tierversuche, wie sie eben Huntingdon anbietet, könnten in der Schweiz oft gar nicht durchgeführt werden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.08.2009, 07:49 Uhr
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