Anleger strafen Nestlé ab

Die Aktie des Nahrungsmittelkonzerns verliert 3,7 Prozent. Die Börse reagiert damit auf das Jahresergebnis – und den Ausblick.

Nescafé-Produktion. (Archivbild)

Nescafé-Produktion. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Frankenstärke und ein Lebensmittelskandal um Fertignudeln in Indien haben Nestlé im vergangenen Jahr gebremst. Mit einem organischen Wachstum von 4,2 Prozent verpasste der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern sein Wachstumsziel erneut.

Trotz der Verlangsamung bekräftigte Konzernchef Paul Bulcke an der Analystenkonferenz am Donnerstag das langfristige Wachstumsmodell des Unternehmens. Dieses sieht ein organisches Wachstum von 5 bis 6 Prozent vor. Er glaube weiter an die Stärke des Konzerns, der 2016 sein 150-Jahr-Jubiläum feiert, sagte Bulcke.

Bulcke zufrieden

Das Wachstum setzte sich zusammen aus dem internen Realwachstum von 2,2 Prozent und Preisanpassungen von 2,0 Prozent. Wechselkurseffekte und Preisanpassungen wirkten sich negativ auf die Umsatzzahl aus. Diese lag bei 88,8 Milliarden Franken, im Vergleich zu 91,6 Milliarden Franken im Vorjahr.

Bulcke zeigte sich aber zufrieden: «Im Jahr 2015 haben wir ein profitables Wachstum am oberen Ende der Branche in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld erwirtschaftet.» Nestlé habe in den meisten Kategorien und Regionen Marktanteile gewonnen.

Maggi-Effekt belastet Asien-Geschäft

Am stärksten wuchs der Nahrungsmittelhersteller mit 5,8 Prozent in der Region Nord- und Südamerika. Wachstumstreiber in Nordamerika waren neue Produkte von Lean Cuisine und der Glacésparte. Positiv wurde zudem der erfolgreiche Turnaround des Tiefkühlgeschäftes in den USA hervorgehoben. In Lateinamerika war Nestlé vor allem mit den Kaffeeprodukten von Nescafé erfolgreich.

Die Region Europa, Naher Osten und Nordafrika wuchs mit 3,5 Prozent. In Europa steigerte Nestlé den Verkauf vor allem mit Nescafé, Tiefkühlpizza und Produkten für Haustiere. In Nahost und Nordafrika stand unter anderem einem Wachstum bei den Süsswaren ein schwächere Handel mit haltbaren Milchprodukten gegenüber.

Die Leistung in der Zone Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika wurde stark durch den Skandal mit den Maggi-Nudeln beeinträchtigt. Der fünfmonatige Verkaufsstopp wurde aufgehoben. Im November liefen Produktion und Vertrieb wieder an, nachdem die Produkte wegen erhöhter Bleiwerte vom Markt genommen worden waren. Insgesamt legte Nestlé in der Region um 1,9 Prozent zu.

Das stärkste Wachstum erzielte Nestlé insgesamt in der Sparte Wasser, die um knapp 7 Prozent zulegte. Die Kategorien Süsswaren und Haustierprodukte wuchsen um je rund 6 Prozent. In den nächsten Jahren will der Konzern weiter verstärkt in die Gesundheitssparte investieren. Einen grossen Wachstumstreiber sieht Nestlé auch im zunehmenden Onlinehandel, besonders in China. Nestlé habe hier stark in das E-Commerce investiert und werde die Früchte davon ernten.

Gewinn fällt geringer aus

Nach einem deutlichen Rückgang in der Periode von Juli bis September hat sich das Wachstum im vierten Quartal wieder etwas beschleunigt. Das dritte Quartal war mit nur etwas mehr als 3,5 Prozent wegen des Nudelskandals in Indien und einer neuen Rabattpolitik im Bereich Skin Health schwach ausgefallen. Den Maggi-Effekt dürfte Nestlé laut Finanzchef Francois-Xavier Roger aber auch im 1. Quartal 2016 noch spüren.

Der Betriebsgewinn für das Geschäftsjahr 2015 wird mit 13,4 Milliarden Franken ausgewiesen, was einem Minus von 4,5 Prozent entspricht. Nestlé begründet das schwächere Resultat mit höheren Kosten für Werbung, Onlinehandel sowie Forschung und Entwicklung.

Unter dem Strich resultierte ein deutlich geringerer Gewinn von 9,1 Milliarden Franken nach 14,5 Milliarden Franken im Vorjahr. Der Rückgang kam vor allem durch Sondereffekte zustande. 2014 war der Gewinn mit Einnahmen aus dem Verkauf eines Teils der Anteile an L'Oréal sowie der Neubewertung der Anteile an Galderma höher ausgefallen.

Dividende wird erhöht

Der Gewinn pro Aktie sank um 31 Prozent auf 2,90 Franken. Der Verwaltungsrat hält jedoch an seiner Politik der kontinuierlichen Dividendenerhöhung fest und schlägt eine Erhöhung um 5 Rappen auf 2,25 Franken pro Aktie vor.

Für das laufende Jahr rechnet Nestlé mit ähnlichen Rahmenbedingungen wie 2015 und entsprechend einem ähnlichen organischen Wachstum. Als hauptsächlichen Grund für den vorsichtigen Ausblick erwähnte Bulcke die Preisanpassungen, welche 2016 allenfalls gar noch schwächer ausfallen dürften als im Vorjahr.

Keine Freude an den Ergebnissen des Nahrungsmittelkonzerns hatten die Anleger. Die Nestlé-Aktie sank bis Handelsschluss um 3,7 Prozent bei einem um 0,37 Prozent schwächeren Gesamtmarkt (SMI). (rub/sda)

(Erstellt: 18.02.2016, 07:24 Uhr)

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