Angeschlagene Banken? Geld fliesst weiter in die Schweiz

Von Bruno Schletti . Aktualisiert am 30.07.2010 18 Kommentare

Aufweichung des Bankgeheimnisses hin oder her – ausländische Kunden tragen weiter Milliarden zu den hiesigen Geldinstituten.

Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht: Tresor der Bank Wegelin in St. Gallen.

Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht: Tresor der Bank Wegelin in St. Gallen.
Bild: Keystone

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Die Halbjahresberichte der Vermögensverwalter lassen aufhorchen. Der ausländische Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis scheint kaum Spuren zu hinterlassen. Im Gegenteil: Der Neugeldzufluss aus dem Ausland scheint ungebremst: 6,4 Milliarden Franken sind es bei der Bank Sarasin. 6,3 Milliarden bei der in Zürich domizilierten EFG International. 3,3 Milliarden vermeldete letzte Woche Julius Bär.

Viel Geld werben die Banken in den neuen Wachstumsmärkten an: vor allem in Asien und im Mittleren Osten. Bei der holländisch kontrollierten Basler Bank Sarasin ist aber der Neugeldzufluss gerade in diesen Märkten im Vergleich zur Vorjahresperiode zurückgegangen. Das grösste Wachstum verzeichnen die Basler an ihren Schweizer Standorten, an denen sich der Neugeldzufluss von 1 Milliarde Franken im ersten Halbjahr 2009 auf 3 Milliarden in der ersten Jahreshälfte 2010 verdreifacht hat.

Steuerhinterziehung ist nicht das Thema

Das Hauptmotiv vieler Europäer, ihr Geld auf Schweizer Banken zu verschieben, dürfte die Euro-Schwäche sein. Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht, bestätigt denn auch Joachim Strähle, CEO von Sarasin. Begüterte Privatkunden suchen in dieser unsicheren Zeit Stabilität. Steuerhinterziehung ist nicht das Thema – weder für diese Kunden noch für Sarasin. Der Basler Vermögensverwalter informiert auf der Homepage darüber, dass das Schweizer Bankgeheimnis Kunden aus Staaten mit neu ausgehandeltem Doppelbesteuerungsabkommen bei Steuerhinterziehung nicht mehr schützt. Der deutschen Schwarzgeld-Klientel wird zudem aufgezeigt, wie sie mittels Selbstanzeige reinen Tisch machen kann.

Die Bank selbst verhält sich dabei nicht bloss passiv. Gemäss Strähle identifiziert sie Kunden mit unversteuerten Geldern. Die Bankberater seien dann angehalten, die Steuersünder zur Bereinigung ihrer Situation aufzufordern. «Alle Kundenberater wissen, welche Art Geld wir annehmen», sagt der Chef.

Strähles heikle Mission

Der Sarasin-Chef bewegt sich auf einer Gratwanderung. Einerseits weiss er, dass mit der Übernahme von Artikel 26 des OECD-Musterabkommens durch die Schweiz Amtshilfe auch bei Steuerhinterziehung möglich wird. Folgerichtig spricht Strähle davon, bis Ende 2012 nur noch versteuertes Geld in den Büchern haben zu wollen. Andererseits verfolgt Strähle das Ziel, die Summe der Kundengelder Jahr für Jahr um 10 Prozent zu steigern. Bis Ende Jahr will er 100 Milliarden Franken verwaltete Vermögen in der Bilanz haben. Damit setzt er sich und seine Kundenbetreuer unter Druck, möglichst viel Neugeld zu akquirieren. Von Beratern, die die Ziele nicht erreichen, trennt sich Sarasin.

Eigentlich hat die Bank die 100-Milliarden-Grenze bereits im Juni geknackt. Doch liessen die schwächelnden Dollar und Euro die Kundenvermögen wieder schmelzen – auf 96,2 Milliarden per Ende Juni. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.07.2010, 10:54 Uhr

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18 Kommentare

Mark Keller

30.07.2010, 11:44 Uhr
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Dass es sich bei den betreffenden Instituten vornehmlich um Banken für begüterte Private handelt, sagt ja per se schon etwas aus. wie deren Geschäftsgebaren und "Philosophie" ist, bzw. kontrolliert werden kann, steht dem entgegen auf dem viel beschriebenen anderen Blatt :-) Antworten


Heinrich Schibli

30.07.2010, 11:02 Uhr
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Der Neugeldzufluss aus dem Ausland kommt vor allem aus dem EU-Raum, wobei die Erklährung einfach ist, das Geld folgt den Besitzern, welche sich in der Schweiz niedergelassen haben, um dem Steuerabzockertum der EU zu entkommen. Die meisten davon haben in der EU Steuern bezahlt und zahlen sie ab jetzt bei uns, wobei sie mit der Differenz gut leben können. Antworten



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