Wirtschaft

Angeschlagene Banken? Geld fliesst weiter in die Schweiz

Aufweichung des Bankgeheimnisses hin oder her – ausländische Kunden tragen weiter Milliarden zu den hiesigen Geldinstituten.

Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht: Tresor der Bank Wegelin in St. Gallen.

Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht: Tresor der Bank Wegelin in St. Gallen.
Bild: Keystone

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Die Halbjahresberichte der Vermögensverwalter lassen aufhorchen. Der ausländische Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis scheint kaum Spuren zu hinterlassen. Im Gegenteil: Der Neugeldzufluss aus dem Ausland scheint ungebremst: 6,4 Milliarden Franken sind es bei der Bank Sarasin. (BSAN 28.6 -0.69%) 6,3 Milliarden bei der in Zürich domizilierten EFG International. 3,3 Milliarden vermeldete letzte Woche Julius Bär.

Viel Geld werben die Banken in den neuen Wachstumsmärkten an: vor allem in Asien und im Mittleren Osten. Bei der holländisch kontrollierten Basler Bank Sarasin ist aber der Neugeldzufluss gerade in diesen Märkten im Vergleich zur Vorjahresperiode zurückgegangen. Das grösste Wachstum verzeichnen die Basler an ihren Schweizer Standorten, an denen sich der Neugeldzufluss von 1 Milliarde Franken im ersten Halbjahr 2009 auf 3 Milliarden in der ersten Jahreshälfte 2010 verdreifacht hat.

Steuerhinterziehung ist nicht das Thema

Das Hauptmotiv vieler Europäer, ihr Geld auf Schweizer Banken zu verschieben, dürfte die Euro-Schwäche sein. Der sichere Hafen Schweiz sei wieder einmal gesucht, bestätigt denn auch Joachim Strähle, CEO von Sarasin. Begüterte Privatkunden suchen in dieser unsicheren Zeit Stabilität. Steuerhinterziehung ist nicht das Thema – weder für diese Kunden noch für Sarasin. Der Basler Vermögensverwalter informiert auf der Homepage darüber, dass das Schweizer Bankgeheimnis Kunden aus Staaten mit neu ausgehandeltem Doppelbesteuerungsabkommen bei Steuerhinterziehung nicht mehr schützt. Der deutschen Schwarzgeld-Klientel wird zudem aufgezeigt, wie sie mittels Selbstanzeige reinen Tisch machen kann.

Die Bank selbst verhält sich dabei nicht bloss passiv. Gemäss Strähle identifiziert sie Kunden mit unversteuerten Geldern. Die Bankberater seien dann angehalten, die Steuersünder zur Bereinigung ihrer Situation aufzufordern. «Alle Kundenberater wissen, welche Art Geld wir annehmen», sagt der Chef.

Strähles heikle Mission

Der Sarasin-Chef bewegt sich auf einer Gratwanderung. Einerseits weiss er, dass mit der Übernahme von Artikel 26 des OECD-Musterabkommens durch die Schweiz Amtshilfe auch bei Steuerhinterziehung möglich wird. Folgerichtig spricht Strähle davon, bis Ende 2012 nur noch versteuertes Geld in den Büchern haben zu wollen. Andererseits verfolgt Strähle das Ziel, die Summe der Kundengelder Jahr für Jahr um 10 Prozent zu steigern. Bis Ende Jahr will er 100 Milliarden Franken verwaltete Vermögen in der Bilanz haben. Damit setzt er sich und seine Kundenbetreuer unter Druck, möglichst viel Neugeld zu akquirieren. Von Beratern, die die Ziele nicht erreichen, trennt sich Sarasin.

Eigentlich hat die Bank die 100-Milliarden-Grenze bereits im Juni geknackt. Doch liessen die schwächelnden Dollar und Euro die Kundenvermögen wieder schmelzen – auf 96,2 Milliarden per Ende Juni. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.07.2010, 10:54 Uhr

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18 Kommentare

Nadine Binsberger

02.08.2010, 09:55 Uhr
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@Weiss 16:46: Die Firmen/KMU brauchen keine Kredite. Die braucht man nur, wenn man mit einem neuen Konsumboom rechnet und die Firma restrukturieren oder eine neue gründen will. Der Punkt ist aber der, dass die Menschen alles haben, was sie brauchen. Konsum- und damit Produktions-Wachstum ist vorbei. Jetzt sollten wir schauen, dass wir das Wohlstandsniveau halten können. Das geht ohne Wachstum. Antworten


Thomi Horath

01.08.2010, 12:53 Uhr
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Sehr geehrte Frau Weiss, glauben Sie mit "Schulden machen" kann man eine Wirtschaft nachhaltig fördern? Oder ist mit "Wirtschaft" nur der Bankensektor gemeint? Antworten


roger mayer

30.07.2010, 20:43 Uhr
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neu in die schweiz fliessendes geld ist seit diesem jahr praktisch ausnahmslos weiss. das spricht für die schweiz und deren finanzplatz. wenn aber eine EFG 6.3 mia neugeld ausweist, bin ich mir nicht mehr so sicher. das geld dürfte primär aus griechenland stammen. so wird griechenland seine hochgesteckten ziele wohl nie erreichen. Antworten


Sven Beer

30.07.2010, 17:44 Uhr
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@Sibylle Weiss: Der gesamte Bankensektor beschäftigte im Jahr 2008 (vor der Finanzkrise) 132’000 Voll- und Teilzeitbeschäftigte. Dies waren bloss 3,3 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz. Gemäss dem Produktionskonto in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechung (VGR) trug das Kreditgewerbe in den Spitzenjahren 8,3 Prozent an die gesamte Wertschöpfung im Inland bei (2006). Antworten


Heinrich Zellweger

30.07.2010, 17:13 Uhr
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Ich verstehe nicht, dass es die Banken sein müssen, abzuklären, ob die Kunden aus dem Ausland, welche neues Geld bringen, dieses im Ausland versteuern oder nicht. Meines Erachtens ist es doch in der Verantwortung des Kunden, ob er weisses oder schwarzes Geld bei Schweizer Banken anlegt. Was früher Kundenberater event. zu grosszügig waren, sind sie heute Polizisten für ausländ. Finanzämtern. Antworten


Sibylle Weiss

30.07.2010, 16:46 Uhr
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Wenn die CH-Banken keinen Geldzufluss mehr hätten, könnte die CH-Wirtschaft einpacken. Zudem spielt es auch keine Rolle, solange es versteuertes Geld, also Weissgeld ist.Noch geschickter wäre es, wenn die Banken dieses Geld in die Realwirtschaft durch Kreditvergabe an Firmen/KMU einfliessen lassen würden,damit die Wirtschaft wieder in Gang kommt u.so mehr Arbeitsplätze entstehen! Antworten


Silvio Zürcher

30.07.2010, 16:11 Uhr
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Wer in diesen letzen Monaten in CHF investiert hat, hat er über 20% verdient ! Sehr gut für die Investoren. Sehr schlecht dagegen für die Schweizer Wirtschaft, weil sie weniger konkurrenzfähig im EU-Raum geworden ist. Antworten


albert bänziger

30.07.2010, 15:03 Uhr
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@emmenegger die waffen liefern wir auch... wo ist das problem? Antworten


Fredi Emmenegger

30.07.2010, 14:12 Uhr
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@Fritz Binggeli: Ah! Ihnen ist also egal, wenn ein Diktator Zehntausende seines eigenen Volkes grausam abschlachtet, Staatsgelder für sich abzweigt und einen Teil der 4 Mrd. $ Blutgeld in die Schweiz bringt weil wir so schön "verschwiegen und seriös" sind? Mobutu nur als kleines Beispiel. Wir unterstützen doch gerne Massenmörder mit unserer Geldgier und Rechtssicherheit. Antworten


steve walker

30.07.2010, 13:26 Uhr
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@ Fritz Binggeli: Ihre Aussage wirkt irritierend: "wir sind seriös" und dann weiter unten "wo es herkommt ist mir gleich". Ja was jetzt, bitte? Sind wir seriös und nehmen nur ehrliches Geld oder sind wir (bzw. die Bänkler) weiterhin als Hehler tätig und damit alles andere als seriös? Antworten


Fritz Binggeli

30.07.2010, 12:40 Uhr
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Ich finde es toll, dass die ausländischen Gelder wieder zu uns fliessen. Wir bieten doch immer noch den besten Service, sind sehr verschwiegen und seriös. Welches andere Land kann schon eine solche Rechtssicherheit bieten ? Ach ja, wo es herkommt ist mir gleich, nehmen's wir nicht sind andere noch so froh und die stellen auch keine Fragen. Antworten


Lidija Jametti

30.07.2010, 12:12 Uhr
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Es ist gut so, dass die Kunden aus dem Ausland das Geld in die Schweiz bringen. Solange wir nicht in der EU sind, können wir unsere Neutralität ausüben. Ich glaube, dass die EU eines Tages zerfällt, wie seinerzeit 1989 die UdSSR. Die Ostblock Staaten stellen jetzt fest, dass sie jetzt den Gas aus Russland beziehen müssen und dafür auch zahlen. Früher bekamen sie es zu 0-Tarif auch aus Russland. Antworten


steve walker

30.07.2010, 12:02 Uhr
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Sarasin will bis Ende 2012 nur noch versteuerte Gelder in ihren Büchern. Schön. Hat nicht unlängst eine interne Studie der Credit Suisse aufgezeigt, dass bei CS 85% der ausländischen Gelder unversteuert sind? Scheint so, als hätten hier einige Banken noch einen längeren Weg vor sich, wenn sie sich von gestohlenem Geld befreien wollen. Antworten


Sven Beer

30.07.2010, 11:58 Uhr
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Vielleicht haben diese Kunden das Buch "Die kommende Euro-Katastrophe" von Günter Hannich gelesen und sind zum Schluss gekommen dass das Geld in der Schweiz sicherer ist. Antworten


Mark Keller

30.07.2010, 11:44 Uhr
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Dass es sich bei den betreffenden Instituten vornehmlich um Banken für begüterte Private handelt, sagt ja per se schon etwas aus. wie deren Geschäftsgebaren und "Philosophie" ist, bzw. kontrolliert werden kann, steht dem entgegen auf dem viel beschriebenen anderen Blatt :-) Antworten


Christian Müller

30.07.2010, 11:41 Uhr
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@Schibli "die meisten davon haben in der EU Steuern bezahlt und zahlen sie ab jetzt bei uns, wobei sie mit der Differenz gut leben könne Was wiederum bei uns die Preise fürs Wohnen in die Höhe treibt und dazu beiträgt, dass viele Leute sich ihren angestammten Wohnsitz nicht oder fast nicht mehr leisten können. Antworten


Fredi Emmenegger

30.07.2010, 11:08 Uhr
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Wieder ein Beispiel dafür, dass eine von der SVP betriebenene Hetzkampagne (hier wegen dem Bankgeheimnis) nur der Bauernfängerei gedient hat und die überzeichneten Horrorszenarien nicht eingetreten sind. Antworten


Heinrich Schibli

30.07.2010, 11:02 Uhr
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Der Neugeldzufluss aus dem Ausland kommt vor allem aus dem EU-Raum, wobei die Erklährung einfach ist, das Geld folgt den Besitzern, welche sich in der Schweiz niedergelassen haben, um dem Steuerabzockertum der EU zu entkommen. Die meisten davon haben in der EU Steuern bezahlt und zahlen sie ab jetzt bei uns, wobei sie mit der Differenz gut leben können. Antworten




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