Allianz verlegt 320 Stellen von Bern nach Zürich
Von Philippe Müller, Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 18.03.2010 1 Kommentar
Eigentlich fast Berner
Die Allianz-Suisse-Gruppe gehört zum deutschen Mutterkonzern Allianz. Im Jahr 1994 traten die Deutschen zum ersten Mal mit der Übernahme der Elvia-Versicherung im hiesigen Markt auf. 1996 folgte dann die Übernahme der Aktienmehrheit der Berner Versicherung, bevor die Allianz 2001 die «Berner» zu 100 Prozent übernahm.
2002 wurden die drei Gesellschaften Elvia, Allianz (Schweiz) und die Berner Versicherung unter dem Namen Allianz Suisse zusammengeführt.
Heute beschäftigt die Allianz Suisse 3700 Mitarbeiter und betreut rund eine Million Kunden in der ganzen Schweiz. Der Umsatz beträgt knapp vier Milliarden Franken Umsatz. Im 2008 betrug der Gewinn 207 Millionen Franken.
Gemessen an den Prämieneinnahmen, ist Allianz Suisse die viertgrösste Versicherungsgesellschaft in der Schweiz. Mit Abstand die grösste Versicherung in der Schweiz ist die AXA Winterthur mit 10,3 Milliarden Franken Prämieneinnahmen.
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Das schmerzt. Die Versicherungsgruppe Allianz Suisse will ihre Kräfte am neu entstehenden Hauptsitz im zürcherischen Wallisellen konzentrieren und baut deshalb bis 2013 in der Stadt Bern 320 Stellen ab. Das entspricht der Hälfte aller Arbeitsplätze von Allianz Suisse im Kanton Bern. Betroffen sind die Standorte an der Laupenstrasse und der Effingerstrasse.
Nach Wallisellen ausgelagert werden Teile der Informatikabteilung und der Schadensabwicklung sowie die Policenverwaltung. Die meisten Schadeninspektoren bleiben aber in Bern.
Ein eigentlicher Hammerschlag war es für die Mitarbeiter nicht. «Das war absehbar», sagt ein Angestellter, der anonym bleiben möchte. Seit rund einem Jahr machten Gerüchte die Runde, dass Allianz Suisse am Standort Bern Kapazitäten abbauen werde.
Allianz will kürzere Wege
CEO Manfred Knof betonte, dass dieser Entscheid, der Konzernspitze nicht leicht gefallen sei, «absolut nichts» mit der Qualität des Standorts Bern zu tun habe. Vielmehr sei der Beschluss strategischer Natur: «Wir wollen künftig ressortübergreifender und effizienter zusammenarbeiten.» Deshalb müssten die Wege kürzer werden und sämtliche zentralen Verwaltungsfunktionen an einem Standort zusammengefasst werden. Heute sei das Personal geografisch zu stark voneinander getrennt. «Das ist schlecht für die Unternehmenskultur und die Zusammenarbeit», so Knof.
Und warum wird der neue Hauptsitz in Wallisellen gebaut und nicht im Kanton Bern? «Weil schon heute rund 80 Prozent unserer Stellen im Kanton Zürich angesiedelt sind.»
Wer will, behält den Job
Zu Entlassungen komme es wegen der Stellenverlagerung nicht, betonte Knof. «Wir werden den allermeisten betroffenen Mitarbeitern eine gleiche oder gleichwertige Stelle in Wallisellen anbieten.» Auch die Lehrlinge sollen ihre Ausbildung ordnungsgemäss beenden können.
Um dem Personal den Wechsel nach Wallisellen schmackhaft zu machen, bietet Allianz Suisse «Lösungspakete» an. Darin enthalten sind unter anderem Zuschusszahlungen für den Umzug und ein Beitrag an die Pendlerkosten. «Auch für Frühpensionierungen bieten wir Hand», sagte Personalchef Rudolf Alves.
Bis 2012 müssen sich die Angestellten entscheiden, ob für sie ein Wechsel in den Kanton Zürich in Frage kommt oder nicht.
Tschäppät hat keine Freude
Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) weiss bereits seit einigen Tagen vom geplanten Abbau der Allianz-Stellen. «Mir tun vor allem die Betroffenen leid, weil ihr künftiger Arbeitsort nicht mehr in Bern ist», sagte Tschäppät gestern auf Anfrage. Und er habe natürlich keine Freude, wenn in der Stadt Bern Arbeitsplätze verloren gingen. Der Stadtpräsident weist aber darauf hin, dass in den letzten Jahren in Bern 4000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.
Früher profitierte Bern
Auch der Leiter vom Wirtschaftsamt Beco des Kantons Bern, Adrian Studer, bedauert den Entscheid von Allianz Suisse. Studer ist aber froh, dass es sich nicht um einen eigentlichen Stellenabbau handelt. «Eine Verlagerung von Stellen ist nicht zu vergleichen mit einer Werksschliessung oder dem Konkurs einer Firma», sagt Studer. Und: Bern habe in der Vergangenheit auch schon von Reorganisationen von Firmen wie der Post oder der Swisscom profitiert. «Dort wurden die Arbeitsplätze von anderen Standorten nach Bern verlegt», gibt Studer zu bedenken.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 18.03.2010, 07:27 Uhr
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1 Kommentar
.. es ist interessant wie positiv sich diese Interpretationen anhören! Sind solche Entscheide aber nachhaltig? 320 Personen mehr die ins Ballungszentrum Zürich reisen sollen. Tausende von Reisestunden mehr die Personen leisten müssen, wenn sie von dem Angebot der Weiterbeschäftigung profitieren wollen. Ist das eine faire Alternative? Sind ein Umzug eine Alternative für Betroffene od. den Kanton? Antworten
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