AIG-Manager stellen Wachen vor ihre Villen
Von Ralf Kaminski, New York. Aktualisiert am 20.03.2009
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Noch vor kurzem waren AIG-Kadermitglieder wie James Haas oder Douglas Poling angesehene Mitglieder der Gesellschaft in Connecticut. Mit hohen Löhnen und Boni konnten sie sich teure Villen an besten Lagen leisten, brachten ihren Gemeinden gute Steuereinnahmen, spendeten Geld für Kultur und Wohltätigkeit. Sie waren beliebt und geschätzt. Vorbei. Jetzt haben sie Sicherheitsdienste engagiert, die ihre Häuser rund um die Uhr vor ungebetenen Besuchern schützen. Sie erhalten Todesdrohungen und sind verängstigt.
«Es ist schrecklich, ein völliger Zusammenbruch der Privatsphäre», sagte James Haas der «New York Times», die ihn vor seinem Haus in Fairfield traf. «Ich hatte nichts zu tun mit diesen Kreditproblemen, aber ich werde meinen Bonusvertrag annullieren.» Der 47-jährige Familienvater, von einer Boulevardzeitung «Jackpot Jimmy» getauft, bittet dann darum, die Nachbarn in Ruhe zu lassen. Die aber wollen ihrer Wut Luft machen. «Es ist widerlich, was diese Leute getan haben», sagt Jean Wieson, die in der Nähe wohnt. «Sie sollten jeden Cent zurückgeben müssen.»
Der Volkszorn kocht weiter
Auch Douglas Poling, der mit 6,4 Millionen Dollar den höchsten Bonus erhalten hat, wird diesen zurückzahlen, wie ein AIG-Sprecher sagte. «Weil er denkt, dass es das Richtige ist.» Ob all das reicht, den Volkszorn zu besänftigen, ist unklar. Für Samstag organisiert die Connecticut Working Families Party eine Bustour zu den Häusern von AIG-Managern, mit einem Zwischenhalt beim Konzernsitz in Wilton. «Wir werden uns friedlich und im Rahmen der Gesetze verhalten», sagt Direktor Jon Green. «Wir möchten den Leuten, die um ihre Jobs kämpfen und jeden Dollar umdrehen, Gelegenheit geben zu sehen, welchen Lebensstil Milliarden von Dollar in Credit Default Swaps ermöglichen.»
Mittlerweile sind die Namen aller AIG-Bonusempfänger beim New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo, der aber anders als ursprünglich angekündigt doch zögert, sie gleich zu veröffentlichen. Zuerst brauche es eine Risikoabschätzung für betroffene Angestellte. Am Freitag haben zudem die Generalstaatsanwälte von 18 weiteren Bundesstaaten Untersuchungen zu AIG-Bonuszahlungen begonnen.
Der Bonusskandal dreht auch politisch weiter. Wer in der Regierung und welche Parlamentarier haben wann von der geplanten Zahlung erfahren? Neben Finanzminister Timothy Geithner ist der mächtige demokratische Senator von Connecticut, Christopher Dodd, unter Druck, der von AIG im Wahlkampf grosszügig unterstützt worden ist. Er arbeitete als Präsident des Bankenkomitees massgeblich an den gesetzlichen Auflagen mit, die Firmen mit Regierungshilfe auferlegt wurden.
Auch Versicherungsteil gefährdet?
Zunächst hatte er gesagt, er sei sich des Schlupflochs für Bonuszahlungen nicht bewusst gewesen, später aber eingeräumt, seine Mitarbeiter seien an einer entsprechenden Revision der Auflagen mitbeteiligt gewesen. AIG-Konzernchef Edward Liddy hatte vor einer Parlamentshörung diese Woche gesagt, dass man seit November mit der Notenbank und vielen Politikern über die Zahlung gesprochen habe.
Inzwischen ist ein nächster möglicher AIG-Skandal aufgetaucht. Thomas Gober, einst Versicherungsaufseher in Mississippi, sagte nach dem Studium behördeninterner Dokumente, er halte auch den Versicherungsteil von AIG für gefährdet. Bisher galt nur das Geschäft mit Finanzprodukten als Problem. Thomas Gober jedoch spricht von einem «Kartenhaus». Die 71 US-Versicherungstöcher seien so miteinander verbunden, dass sie sich gegenseitig finanziell stützten; ausserdem stimmten bei einigen die Bücher nicht. Er geht von Hunderten von Milliarden Dollar zusätzlicher Verluste aus. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2009, 22:45 Uhr
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