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30 Finma-Leute gegen zwei Grossbanken

Aktualisiert am 28.12.2009

Als Folge der Finanzkrise nimmt die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Schweizer Grossbanken noch genauer unter die Lupe. Was allerdings mit nur 30 Mitarbeitern in diesem Bereich schwierig ist.

Will die Kontakte mit den Grossbanken verstärken: Finma-Direktor Patrick Raaflaub.

Will die Kontakte mit den Grossbanken verstärken: Finma-Direktor Patrick Raaflaub.
Bild: Keystone

Finma-Direktor Patrick Raaflaub will die Kontakte mit UBS und CS dort intensivieren, wo höhere Risiken bestehen. Vermehrte Quervergleiche zwischen Banken sollen helfen, Probleme früh zu erkennen. Derzeit überwacht ein Finma-Team von 30 Personen die Grossbanken UBS und CS, wie Raaflaub in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA sagt. Verglichen mit den 300 Personen, die allein bei einer einzigen Grossbank für die interne Revision im Einsatz seien, verfüge die Aufsicht über einen eher kleinen Stab.

Neu verfügt die Finma über branchenübergreifende Querschnittfunktionen, etwa das Risiko-Management oder das Enforcement. Diese entfalten ihre Tätigkeit über die ganze Organisation. Dies ist ein zentrales Element, war doch die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen in den Vorgängerbehörden nicht ausreichend sichergestellt.

Risiken nicht erkannt

Umso mehr gelte es, Prioritäten zu setzen, sagt Raaflaub. Ein Jahr nach dem Start der neuen Behörde, die die Aufsicht über Banken und Versicherungen sowie die Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei unter einem Dach vereint, sei die Finma auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel. Es gelte Lehren aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu ziehen.

Selbstkritisch gesteht der Finma-Direktor ein, dass sich die Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und internationale Organisationen wie BIZ oder IWF in der Krise zu stark darauf verlassen hätten, dass die Diversifikation Risiken auffange. Im Geschäft mit minderwertigen Hypotheken (Subprime) sei der Bogen jedoch völlig überspannt worden.

Die Konzentration der Risiken sei nicht genügend erkannt worden. Die Bankenaufsicht müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, die Probleme im Risiko-Management nicht rechtzeitig gesehen beziehungsweise nicht dezidiert genug darauf reagiert zu haben. Das Eidg. Finanzdepartement untersucht derzeit die Rolle der Aufsicht und wird dem Parlament im Frühjahr 2010 Bericht erstatten.

Noch labile Finanzmärkte

Auf die aktuelle Lage an den Finanzmärkten angesprochen, sagt Raaflaub, dass die akute Krisenphase im Bankensektor überwunden sei. Unklar sei, wie hoch die Kreditrisiken im System noch seien. Dass die Unsicherheit nach wie gross sei, zeige sich darin, wie stark eher kleine Ereignisse wie die Finanzprobleme Dubais den Markt erschütterten.

Die UBS habe im letzten Jahr ihre Risiken konsequent abgebaut. Raaflaub begrüsst es in diesem Zusammenhang, dass die UBS ihre Pläne rasch fallengelassen habe, die in eine Zweckgesellschaft der Nationalbank ausgelagerten Risikopapiere von noch immer über 23 Mrd. Fr. zurückzukaufen.

Mit blauem Auge davongekommen

Positiv würdigt Raaflaub, dass die Schweiz sehr früh in der Krise reagiert und auf eine Rekapitalisierung der Grossbanken noch in guten Zeiten bestanden habe. So habe grösseres Unglück und eine Verstaatlichung der UBS verhindert werden können. «Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.»

Verständnis zeigt Raaflaub für die hitzige Debatte über die Boni der Bankmanager: «Es darf nicht sein, dass die Finanzinstitute ihren ganzen Gewinn zwischen Aktionären und Bonus-Empfängern aufteilen. Die Kapitalbildung durch verschärfte Eigenkapitalvorschriften sollte Exzessen einen Riegel schieben.»

Was ein einzelner Bankmanager verdiene, dazu könne und wolle sich die Finma nicht äussern. Heikel werde es, wenn ganze Teams von Spezialisten eine Bank verliessen, weil das Institut beim Lohn nicht mit der Konkurrenz mithalten könne. «Das ist wie ein Fussball-Club, der seine Spitzenspieler verliert», sagt Raaflaub.

Boni-Regeln durchsetzbar

Der Finma-Direktor ist überzeugt, dass sich Vergütungssysteme durchsetzen lassen. Natürlich könnten Banken versucht sein, die Fixsaläre zu erhöhen oder andere Formen der Entlöhnung zu suchen. Letztlich werde dies aber den Kostenblock erhöhen. Und die Finma werde auch die Kostenentwicklung genau im Auge behalten.

Einen Appell lanciert Raaflaub an die Politik. Langfristig könne die Aufsicht nur Erfolg haben, wenn sie politisch unterstützt werde. Die kollektive Erinnerung beginne bereits wieder zu verblassen. «Letztlich muss sich die Schweiz fragen, ob sie eine starke oder eine schwache Aufsicht möchte», sagt Raaflaub. (bru/sda)

Erstellt: 28.12.2009, 11:41 Uhr

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