Am Gotthard muss sich BLS Cargo noch gedulden

BLS Cargo hat im vergangenen Jahr unter der Frankenstärke gelitten. Im Juni steht nun die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels an. Doch Firmenchef Dirk Stahl erwartet nicht, dass die BLS in naher Zukunft viel mehr Züge über diese Achse fahren wird.

Für BLS-Cargo-CEO Dirk Stahl ist der kleine Gewinn von 289'000 Franken «ein positives Ergebnis in anspruchsvollem Umfeld».

Für BLS-Cargo-CEO Dirk Stahl ist der kleine Gewinn von 289'000 Franken «ein positives Ergebnis in anspruchsvollem Umfeld». Bild: BLS/zvg

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Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni dieses Jahres beginnt in der Schweiz ein neues Bahnzeitalter. Das Jahrhundertbauwerk war konzipiert worden, um den Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Doch wer nun erwartet, dass das BLS-Tochterunternehmen BLS Cargo den Umsatz auf der Gotthardachse im nächsten Jahr massiv wird steigern können, liegt falsch. «Auf der Gotthardstrecke wird im Jahr 2017 nicht viel passieren», erklärte BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl am Donnertag bei der Präsentation des Jahresergebnisses.

Verzögerungen im Süden

Der wichtigste Grund dafür ist, dass verschiedene Tunnel südlich des Gotthard-Basistunnels auf eine Höhe von vier Metern vergrössert werden müssen. So beispielsweise auf der einspurigen Strecke, die über die am Lago Maggiore gelegene italienische Stadt Luino führt. Diese Strecke wird während der Bauarbeiten gesperrt werden.

Stahl erwartet, dass dadurch so viele Güterzüge über den Lötschberg geleitet werden müssen, dass die Kapazitäten auf dieser Achse knapp werden könnten. Deshalb werde es voraussichtlich erst ab 2021 möglich sein, deutlich mehr Verkehr über die Gotthardachse abzuwickeln, als dies heute der Fall ist. Im letzten Jahr fuhr BLS Cargo 2500 Züge über die Gotthardstrecke.

«Man hatte 20 Jahre Zeit, sich auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vorzubereiten. Und erst jetzt beginnt man damit, die Anschlussstrecken auszubauen», sagt dazu ein Bahnkenner. Der Vorwurf richtet sich vor allem an die italienischen Behörden, die hier zu spät gehandelt haben.

Eiszeit BLS - SBB ist vorüber

Derzeit ist BLS Cargo damit beschäftigt, ihre Lokomotiven und die Lokführer auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vorzubereiten. Die eigentliche Freigabe für den Güterverkehr erfolgt auf den Fahrplanwechsel vom Dezember 2016. Vorher wird die BLS aber Testfahrten mit normal beladenen Güterkompositionen durchführen.

Die Lokomotiven sind für die Fahrt durch den Basistunnel mit dem elektronischen Zugsteuerungssystem ETCS ausgestattet. «Das führt zu einer höheren Komplexität», sagt Stahl. Das ETCS-System muss mit einer speziellen Software für den neuen Tunnel ausgestattet werden. Testfahrten auf den Zubringerstrecken liefen dabei nicht immer problemlos ab. So kam es verschiedentlich vor, dass das System den Zug aus unerfindlichen Gründen zum Stillstand brachte. In der Folge mussten Personenzüge angehalten werden. Doch bei der BLS geht man davon aus, dass diese Kinderkrankheiten rechtzeitig behoben sein werden.

Auch die genauen Fahrpläne der Güterzüge muss die BLS noch erarbeiten. Doch dafür fehlen noch gewisse Eckdaten von SBB Infrastruktur.

Stahl betont, dass BLS Cargo und SBB Cargo heute ein geordnetes Verhältnis untereinander pflegten. Sie seien zwar Konkurrenten, aber wenn es sinnvoll sei, dann helfe man sich aus. Die ­Zeiten, als die SBB auf der Gotthardstrecke den BLS-Lokführern den Zugang zu den Personal-toiletten verweigerten, scheinen vorbei zu sein. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 03.03.2016, 19:07 Uhr)

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Minigewinn wegen Frankenstärke

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Cargo-Chef Dirk Stahl rechnete an der gestrigen Präsentation der Jahreszahlen vor, dass das Unternehmen wegen des starken Frankens zwischen 4 und 5 Millionen Franken an Gewinn verlor. Unter dem Strich blieb deshalb nur ein Mini­gewinn von knapp 300 000 Franken. Im Vorjahr betrug dieser noch 2,5 Millionen Franken. Der Umsatz stieg um 3,4 auf 170,4 Millionen Franken.
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